14. Mai 2007 Schwere Gewitter durch mögl. Superzelle und Squallline

 

Bereits am 13. Mai gab es in der Westhälfte zum Teil schwere Gewitter mit großem Hagel und Tornados, welche größere Schäden verursachten. Ein paar dieser Zellen erreichten am späten Abend auch noch Thüringen, ab Mitternacht auch die westlichen Teile Sachsens. Eine sehr blitzaktive Zelle bildete sich ab 23:30 Uhr über dem Norden Bayerns und zog anschließend Richtung Nordosten bis nach Sachsen. Sie erreichte neben anderen, noch aktiven Gewitterresten der ehemaligen Squallline im Westen gegen 1:30 Uhr sächsischen Boden. Allerdings wurde meist nur der Nordwesten Sachsens aktiv von den kräftigen Zellen beeinflusst. Von Freiberg aus konnte man allerdings bereits schönes Wetterleuchten, später auch ein Ferngewitter beobachten. Folgend einige Bilder von dieser Zelle:

 

 

 

 

Aufnahmen der Zelle Richtung Mittweida zwischen 1:30 Uhr und 2:00 Uhr

 

Gegen 3 Uhr brach die Gewitteraktivität zusammen, nur noch einige wenig aktive Zellen über dem Erzgebirge wurden ausgelöst. Bis zum Morgen lösten sich die nächtlichen Schauer und Gewitter vollends auf, es war also wieder wolkenlos. Damit heizte es allerdings im Tagesverlauf nochmals kräftig auf, wobei zusammen mit einer Welle aus Südwesten erneutes Unwetterpotenzial vorliegen sollte, welches diesmal aber hauptsächlich den Osten und Süden betraf.

 

Gegen 17 Uhr löste es über Tschechien aus, eine erste starke Zelle, welche sich auf dem Radar als Leftmover identifizierte, zog von Tschechien nach Dresden hinein. Örtlich gab es nun schon Hagel und Starkregen. Ich brach nun von Freiberg auf, um das Geschehen vor Ort weiter zu beobachten. Zuerst fuhr ich der Zelle bei Dresden etwas hinterher. Als ich wieder nach Freiberg zurückfahren wollte, löste es nun überall aus. Vom Vogtland ausgehend bildete sich eine eventuelle Superzelle, welche dort bereits großen Hagel um 4 cm verursachte. Dieser Rightmover zog entgegen der SW-Strömung nach Osten hinaus und auf Chemnitz und Dresden zu. Auch vor Dresden gingen weitere Zellen hoch, wie die folgende Neubildung mit kräftigem Aufwindbereich beweist:

 

Neubildung vor Dresden, Richtung Freiberg blickend...

 

 

 

Einsetzende Blitzaktivität

 

Diese Zellen wurden allerdings nach und nach in die aus Chemnitz heranziehende, mögliche Superzelle integriert und teilweise abgeschwächt. So kam ich beim Durchqueren der eben gebildeten Zelle nur noch in kräftigen Platzregen. Nachdem ich das Gewitter fast passiert hatte, baute sich vor mir die Superzelle von Chemnitz auf. Ich befand mich etwa 10 km vor Freiberg. Immer wieder zuckten kräftige Erdentladungen aus der Wolke, Naheinschläge aus der alten Zelle über mir gab es auch, wobei einer nur etwa 30 Meter entfernt in einen Baum ging (siehe folgendes Bild).

 

 

Platzregen bei Durchquerung der Zellneubildung

 

Naheinschlag aus dieser Zelle 

 

Die gelblich-weiße Färbung des Niederschlagsbereiches unter der eventuellen Superzelle deutete stark auf Hagel hin.

 

 

 

 

Superzelle und Blitzschläge

 

Im weiteren Verlauf bildete sich eine wallcloudähnliche Struktur an der südlichsten Spitze des Systems, welche aber rasch von neuem Niederschlag eingehüllt wurde. Nun erfuhr vor allem der Südteil des Systems eine deutliche Verstärkung, was im Anschluss vor allem die Dresdner und Ostsachsen merken sollten.

 

 

deutliche Verstärkung des Südteils, Wallcloudbildung (im Niederschlag)

 

Rasch zog der Niederschlagsvorhang nun über den Beobachtungsstandpunkt hinweg, es begann großtropfig zu regnen und erster Hagel mischte sich dazu. Kurz darauf gab es einen heftigen Wolkenbruch mit 1-1,5 cm großen Hagel.

 

 

großtropfiger Wolkenbruch und Hagel

 

Diese durchaus unwetterartigen Bedingungen hielten aber nicht einmal 2 Minuten an, rasch hörte es wieder auf zu regnen. Nun fuhr ich wieder nach Freiberg zurück. Überall fielen große Wasseransammlungen auf. Zudem konnte man rückseitig interessante Strukturen beobachten, eventuell auch einen Funnel (siehe Bild).

 

Funnel?

 

In Naundorf kurz vor Freiberg konnte man größere Schlammausspülungen erkennen. Zudem wurde eine dortige Baustelle zunehmend von einströmenden Wassermassen geflutet sowie die umliegenden Grundstücke und Keller. So ertönten kurz darauf die Sirenen im Ort. Zudem hatte es hier stärker gehagelt als an meinem Beobachtungsstandort während des Gewitters. Die Körner waren nun immer noch bis 1,5 cm groß.

 

 

 

Überschwemmungen im Ort

 

 

 

Hagel im Ort

 

Eintreffende Feuerwehr...

 

Bei der Weiterfahrt im Ort kam die Feuerwehr entgegen, um den Wassermassen an der Baustelle zu Leibe zu rücken. Ich fuhr auf größeren Umwegen nun noch weiter nach Süden, da dort vermutlich noch größerer Hagel runter gekommen sein müsste. Und tatsächlich, gut 40 Minuten nach dem Gewitter lag noch reichlich Hagel auf den Feldern. Überall stieg Bodennebel auf. Auch hier lag die Maximalgröße der angetauten Körner bei 1,5 cm, die ursprüngliche Größe der gefallenen Körner sollte aber durchaus bei 2-2,5 cm gelegen haben. Zugleich deutete eine Menge Laub auf den Straßen auf einen kräftigen Hagelschlag hin.

 

 

 

Hagel, >40 Minuten nach dem Gewitter

 

Anschließend ging es wieder zurück nach Freiberg. In Freiberg selbst hatte es nur Starkregen gegeben.

 

Gegen Abend sollte allerdings die Gewitteraktivität erneut aufleben. Eine Gewitterlinie aus Bayern und BW kommend verstärkte sich am Erzgebirgskamm erheblich. Gegen 22 Uhr erreichte sie Sachsen. Die Blitzrate stieg in der folgenden Stunde markant an, ein wahres Blitzfeuerwerk bot sich gen Südwesten.

 

 

Neue Gewitter einer entstehenden Squallline im Süden/Südwesten...

 

Zudem bildete sich eine deutliche Shelfcloud aus, auf dem Radar organisierte sich das System zusehens zu einer Squallline. 2 weitere Chaser aus Sachsen, Bernd März und Micha aus Leipzig, beobachteten das System von der A72 südlich von Chemnitz aus. Beide kamen gegen 22:30 Uhr als erstes in den Einflussbereich der Schwergewitterlinie. Ein sehr heftiger Platzregen mit Hagel bis 1 cm und 100-110er Böen rauschte über sie hinweg. Ich hatte mich etwas außerhalb von Freiberg in Position gebracht und filmte derzeit die stark ausgebildete, heranziehende Böenfront.

 

 

 

 

 

zunehmende Ausbildung der Böenfront

 

Schöner Erdblitz vor der Shelfcloud

 

Gegen 23:15 erreichte sie meinen Standort.

 

  

 

 

Eintreffen der Squallline

 

Ein heftiges, unwetterartiges Gewitter ging nun nieder. Wolkenbruch und 1 cm großer Hagel, gepeitscht von Böen > 100 km/h fegten über mich hinweg. Leider fiel nun, wahrscheinlich wegen Feuchtigkeit, mein Camcorder aus. Rund herum schlugen immer wieder Blitze zu Boden. Auf einmal explodierte der Kondensator einer Stromleitung Richtung Halsbrücke, ein greller, grünlicher Lichtblitz leuchtete auf, bevor in einigen Orten westlich von Freiberg der Strom ausfiel. Ich fuhr nun langsam nach Freiberg zurück und nach etwa 10 Minuten beruhigte sich das Unwetter etwas. Nun ging auch mein Camcorder wieder und ich konnte noch einige Blitze und die folgende, abgeschwächtere Starkregenphase filmen.

 

 

heftiger Starkregen nach der sturmgepeitschten Hagelphase

 

Rückseitig gab es noch einige Blitze zu beobachten. Gegen Mitternacht war ich wieder daheim und fiel totmüde ins Bett. Es war ein erfolgreicher Saisonstart für 2007.

 

Blitz auf der Rückseite der Squallline

 

Sowohl die starken, vorgelagerten Einzelzellen als auch die Squallline führten zu einigen Schäden an jenem Tage. Vor allem die eventuelle Superzelle, welche sich im Vogtland bildete und fast ganz Sachsen nach Osten hin überquerte, brachte verbreitet Hagel um 1-1,5 cm, teilweise auch bis zu 3 cm. Örtlich sollen, wie im Vogtland, auch schadbringende 4 cm große Hagelsteine herab gefallen sein. Bemerkenswert waren mancherorts sicherlich die Hagelmengen. So gab es beispielsweise in Bischofswerda durch diese Zelle eine geschlossene und 10 cm hohe Hageldecke aus bis zu 2 cm großen Körnern. Auch örtliche Überflutungen waren die Folge. Zudem gab es örtliche Starkwindereignisse und Tornadoverdachtsfälle, die jedoch außer eventuelle Vegetationschäden wohl keine größeren materiellen Folgen hatten. Windtechnisch interessanter war die abendliche Squallline, welche mit einer hohen Verlagerungsgeschwindigkeit über Sachsen hinweg zog. Hier gab es verbreitet Böen um 90-110 km/h, örtlich auch mehr (Sturmschäden). Zugleich verursachte der Starkregen auch hier Überschwemmungen. Insgesamt war es ein durchaus ereignisreicher Tag, wenngleich die potenziellen schweren Unwetter, welche "wettertechnisch" an diesem Tage durchaus möglich gewesen wären, glücklicherweise ausblieben.

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 17. Oktober 2017

                  

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