Heftiger Böhmischer Wind im Erzgebirge zum Jahreswechsel 2015/2016

 

Der Winter verlief bisher wieder auf Sparflamme und Schnee geschweige denn winterliche Phasen gab es kaum. Der Dezember erinnerte eher an einen frühlingshaften und sonnigen Monat als an einen Wintermonat. Doch gegen Ende des Monats übernahm ein kräftiges Hoch über Polen die Regie und führte zumindest im Osten Deutschlands zunehmend sehr kalte Luft heran. Bereits am 30.12. bildete sich durch das Hochdruckgebiet Christine eine ausgeprägte Inversion, welche in Tschechien, insbesondere im Egergraben für Nebelbildung sorgte. Dort kühlte die Luft immer weiter ab, während der Wind mit dem Hoch und mit der Warmluftadvektion in der höheren Atmosphäre, welche durch kräftige Tiefdruckentwicklungen auf dem Atlantik noch verstärkt wurde, auf Süd bis Südost drehte. Damit waren die optimalen Bedingungen für den kalten Böhmischen Wind in Teilen Sachsens geschaffen. Die kalte Luft aus dem Egergraben wurde - beengt durch die darüber liegende Inversion, welche ein Aufsteigen der kalten Luft verhinderte - über den Erzgebirgskamm gepresst. Der Böhmische Wind erreichte dabei in der Nacht zum 31.12.2015 Spitzengeschwindigkeiten wie seit Jahren nicht mehr. Verbreitet traten Böen zwischen 60 und 90 km/h auf, teils auch Böen um 100 km/h. Punktuell traten sogar Orkanböen um 120 km/h auf, was zumindest lokal für erhebliche Waldschäden sorgte. Unter anderem im oberen Vogtland, um Eibenstock und im Osterzgebirge sowie in der Sächsische Schweiz (dort u.a. im Tal der Roten Weißeritz) gab es punktell massive Schäden.

 

Doch der eisige Wind mit gefühlten Temperaturen von teils unter -20°C (um -10°C Lufttemperatur, Böen um 50-70 km/h, teils mehr) hatte auch seine schönen Seiten. In den Folgetagen blieb der Böhmische Wind mit kurzen Unterbrechungen erhalten, allerdings erreichten die Windspitzen nun "nur" noch Sturmstärke. Gerade in der Nähe des Erzgebirgskammes kam es ab 700 m durch dichten Nebel und stürmische Böen zu massiver Raueisbildung. Bereits am 02.01.2016 konnte man bis zu 4 cm dicke Raueisansätze an Bäumen und Gegenständen beobachten. Nachfolgend ein paar Eindrücke aus Zinnwald-Georgenfeld im Osterzgebirge auf etwa 900 m:

 

Raueislandschaft bei Zinnwald am 02.01.2016

 

Nebel und eisiger Wind verwandeln die Landschaft...

 

 

(Externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=jpBx3_Cn_ac)

 

Die Situation blieb noch bis zum 04.01. bestehen und förderte weiteres Eiswachstum. Am 04.01. machten wir uns erneut auf den Weg nach Zinnwald. Diesmal konnten wir ab 700 m bis zu 10 cm dicke Raueisansätze erkennen, die Bäumen hatten schwer zu tragen. Erste Astbrüche waren zu beobachten. Nachfolgend Bilder und ein Video, welche die massive Vereisung verdeutlichen sollen. Zugleich wird auch nochmal im Video auf die Sturmschäden eingegangen, welche der Böhmische Wind in der Nacht zum 31.12.2015 punktuell hinterlassen hat.

 

Raueislandschaft Zinnwald am 04.01.2016 (Bild zeigt die selbe Perspektive wie das 1. Bild zum 02.01.2016)

 

Massiver Raueisbehang überall...

 

 

 

In Zinnwald...

 

(Externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=K8AwSvp3emM)

 

Im Tagesverlauf des 04.01. begann es von Westen her zu schneien und der Böhmische Wind brach am Abend langsam zusammen. In den Folgetagen wurde die mit dem Hoch inzwischen eingeflossene eisige Luft im Nordosten mit Werten um -8 bis -11°C (Tmax) langsam abgedrängt.

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 17. Dezember 2017

                  

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