17.7.2009 teils heftige Gewitter und nächtliches MCS

 

Der 17. Juli hatte Potenzial für eine größere Schwergewitterlage. Für den Abend wurde in Bayern und Sachsen die Möglichkeit einer Squallline von den Modellen in Betracht gezogen. Problematisch war allerdings eine Konvergenzlinie, welche von den Modellen in dieser Intensität nicht berücksichtigt wurde. Gegen Mittag entstanden an dieser Linie von Hamburg bis ins Vogtland erste starke Gewitterzellen, welche im weiteren Verlauf zu starken Multizellen verclusterten.

 

Gewitterentwicklung nördlich und westlich von Stollberg

 

Nachdem ich, Bernd, Daniel und Jens uns in Stollberg trafen, zog schon die Neuentwicklung aus dem Vogtland heran. Der Core ging etwas nördlich an uns vorbei und traf die Oelsnitzer Region. Allerdings baute die Zelle über Neuentwicklungen bis ins Erzgebirge hinein weiter an. Eine weiterer starker Core zog daher über Stollberg. Wir entschieden uns für einen Corepunsh bei Stollberg, der ohnehin unausweichlich war. Die Zelle produzierte einen Wolkenbruch mit kleinkörnigem Hagel unter 1 cm. Auch gab es mehrere Naheinschläge, davon ein extremer Einschlag keine 100 m entfernt in einen Baum.

 

einsetzender, großtropfiger Starkregen in Stollberg

 

 

Wolkenbruch zwischen Stollberg und Brünlos

 

Wir fuhren erst Richtung Brünlos, machten anschließend kehrt um auf die Autobahn zu kommen und uns vor das System zu setzen. Auf der Autobahn kamen wir bei Chemnitz (Chemnitz-Süd auf der A72) erneut in den Kern des Gewitters. Erneut gab es heftigen Starkregen und Naheinschläge. Glücklicherweise zog der Core knapp an Chemnitz vorbei, bei dieser Intensität hätte es im Stadtgebiet sicher vermehrt Überschwemmungen und vollgelaufene Keller gegeben.

 

 

 

erneuter Starkregen nahe Chemnitz

 

 

2 schöne Erdentladungen, eingefangen am Kreuz Chemnitz

 

Es gelang uns, die Vorderseite zu erreichen. Die Multizelle hatte zu diesem Zeitpunkt 2 Kerne mit über 55 dBZ. Den einen hatten wir 2 mal durchquert, der andere noch etwas stärkere zog in nordwestlicher Richtung knapp westlich an Mittweida vorbei nach Döbeln. Diese Zelle konnten wir wegen der stark nördlichen Verlagerung nicht mehr einholen und mussten die Verfolgung abbrechen, wobei sich das System später Richtung Döbeln eh abschwächte. Die Konvergenz zog weiter bis nach Ostbrandenburg und Ostsachsen, wo es weitere heftige Gewitter gab, teils auch mit größeren Schäden durch Blitz, Sturm und Wasser. Das diese Linie soweit nach Osten voranschreitete, war laut den Modellrechnungen nicht geplant.

 

Anschließend zog weitere Bewölkung auf, was die weitere Einstrahlung veringerte, nur sporadisch gab es Wolkenlücken. Gegen Mitternacht formierte sich das Bodentief über Böhmen, welches einerseits Zellen nach Ostsachsen hineinschaufelte, an seiner Westflanke ein MCS bildete. Über Bayern gab es dabei teils starke Gewitter, welche langsam auch nach Sachsen und Böhmen ausgriffen. Gegen 00:30 war starkes Wetterleuchten Richtung Tschechien zu beobachten. Ab 1 Uhr steigerte sich auch die Aktivität auf der deutschen Seite des Erzgebirges. Zwar nahm die Blitzaktivität immer weiter ab (die Blitzrate war gegen 1:45 Uhr auf 1 Blitz aller 1-2 Minuten gesunken), dafür gab es vielerorts teils heftige Starkregenfälle im Westerzgebirge. Begleitet war das ganze von stürmischen Böen. 

 

 

 

Entladungen des abendlichen MCS

 

 

 

Starkregen in der Nacht

 

Verbreitet fielen 20-30 Liter pro Quadratmeter, örtlich noch mehr Niederschlag in 1 h, dass meiste bereits binnen 30 min. Einige Überschwemmungen gab es, vereinzelt auch mal einen vollgelaufenen Keller, nennenswerte Schäden blieben jedoch aus. Viele Flüsse und Bäche stiegen aber erheblich an. Die Würschnitz beispielsweise stieg von 30 cm auf 150 cm binnen kurzer Zeit. Mehrere Pegel meldeten Alarmstufe 1, teils wurde die 2 nur knapp unterschritten.

 

Insgesamt trat zwar die Bodentiefentwicklung und die Konvergenz im Grunde so ein, wie von den Modellen berechnet, aber die Intensität der Konvergenz wurde unterschätzt, was sich auch "negativ" auf die weitere Unwetterentwicklung am Abend auswirkte. Große Unwetter blieben somit aus.

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 17. Oktober 2017

                  

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