Schwere Gewitter an Luftmassengrenze am 21. und 22.08.2012

 

Nachdem bereits gestern heftige Hagelgewitter in Südwestsachsen und ein massiver, blitzintensiver Gewittercluster in Ostsachsen gewütet hatten, bildeten sich heute entlang einer augeprägten Luftmassengrenze erneut Gewitter. Auch wenn es mit 28-31°C nicht mehr so heiß wurde wie am gestrigen Tag, so blieb auch heute die schwül-warme Gewitterluft in Sachsen wetterbestimmend.

 

Gegen 18 Uhr entstand im Raum Meerane bei Zwickau eine erste kräftigere Gewitterzelle. Ich beobachtete die Zelle von Bernsbach aus. Allerdings machte die Zelle keinen besonders massiven Eindruck, so war sie weder sehr hochreichend noch der Aufwindturm besonders stark, weswegen ich sie nicht weiter verfolgte - ein großer Fehler wie sich herausstellte. Ab Chemnitz, gegen 19:30 Uhr, explodierte die Zelle formlich und es entstand in der Folge eine ausgeprägte Superzelle, welche über den Norden von Chemnitz, über Flöha, Oederan bis Lichtenberg südlich von Freiberg zog. Vor allem rund um Flöha produzierte diese Zelle Unmengen an Hagel, wobei der Korndurchmesser bei 1-3 cm lag. Lokal trat auch Hagel um 4 cm auf, wodurch es auch Hagelschäden an Autos und Dachrinnen gab. Heftiger Starkregen und Sturm begleitete die Zelle, weswegen auch Überflutungen und umgestürzte Bäume nicht ausblieben. Erst gegen 20:30 Uhr löste sich das System südlich von Dippoldiswalde wieder auf.

 

Zeitgleich mit der Verstärkung der angesprochenen Zelle bei Chemnitz bildete sich westlich von Freiberg eine 2. Gewitterzelle. Diese überquerte Freiberg gegen 19:35 Uhr und verursachte in der Stadt einen schweren Downburst mit orkanartigen Böen/ Orkanböen. Begleitet war das Geschehen von heftigsten Starkregen und Hagel bis 2 cm. Durch die extremen Böen gab es vor allem in Stadtkern von Freiberg erhebliche Sturmschäden. In Stadtpark fielen zahlreiche große Bäume dem Wind zum Opfer, aber auch im Bereich der TU-Freiberg und dem Wohngebiet Friedeburg gab es allerhand umgestürzte Bäume. Die Feuerwehr war in der Folge im Dauereinsatz. Nach Freiberg schwächte sich die angesprochene Zelle wieder ab und verclusterte mit anderen Neubildungen.

 

Beide Zellen konnte ich nicht selbst dokumentieren, da eine Verfolgung der erst östlich von mir sich verstärkenden bzw. bildenten Zellen nicht möglich war. Vor allem die hohe Zugeschwindigkeit der Gewitter erlaubte ein solches Vorhaben nicht.

 

In der Nacht zum 22.08. bildeten sich in Nordostbayern und CZ noch einige kleinere Zellen, welche aber mitunter sehr blitzaktiv waren. Den Sprung nach Sachsen schafften sie aber nicht. Allerdings näherte sich gegen 5 Uhr am Morgen des 22.08. ein MCS aus Thüringen. Hohe Blitzraten um 20-30 pro Minute waren am Horizont sichtbar. Allerdings schwächte sich der Südteil etwas ab, wodurch die Blitzrate auf ca. 10 Blitze pro Minute bei Ankunft der Linie im Westerzgebirge zurück ging. Die Gewitterlinie überquerte mich mit heftigem Sturm, aber kaum Regen. Allgemein schien der Niederschlag südlich einer Linie Zwönitz-Gelenau abzutrocknen und das System ging hier quasi als Trockengewitter durch. Weiter nördlich, wie in Chemnitz oder später auch in Dresden, ging das Gewitter auch mit heftigen Niederschlägen, lokal auch Hagel einher. Denkbar, dass Leeeffekte von Erzgebirge und Thüringer Wald die Abtrocknung des Niederschlages bewirkten.

 

Aufziehendes Gewitter mit Böenfront am Morgen des 22.08.

 

 

sehr dynamische Unterseite der Böenlinie

 

 

positiver Erdblitz...

 

...mit deutlichem Nachglühen

 

weitere Entladungen...

 

 

 

Durch die heftigen Böen gab es auch wieder Sturmschäden, vor allem im Vogtland und in der Dresdener Region. Auf dem Fichtelberg wurde mit 119 km/h eine Orkanböe gemessen. Nach Durchzug dieser Gewitter bildeten sich nur noch vereinzelt neue Zellen, welche allerdings nicht mehr sonderlich aktiv ausfielen. Im Laufe des Tages wurde die schwüle Gewitterluft entgültig nach Süden verdrängt.

 

Ich nutzte den gewitterfreien Nachmittag, um mich in Freiberg umzusehen. Die dokumentierten Sturmschäden vom Downburst am Vortag sind nachfolgend aufgeführt. Anhand der Schäden sollten die Windgeschwindigkeiten um 105-120 km/h betragen haben.

 

umgestürzter Baum nahe es Johannesbades in Freiberg

 

überall liegen heruntergerissene Äste

 

umgestürzter Baum im Stadtpark

 

 

weiterer Sturmschaden im Park, viele Bäume sind bereits beräumt

 

weiterer Sturmschaden nahe des Parkhauses

 

einer von vielen Schäden dieser Art - heruntergerissene große Äste

 

Nahe der Lessingstraße...

 

...der fallende Baum beschädigte hier auch ein Universitätsgebäude!

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 17. Oktober 2017

                  

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