Schwerer Sturm Joachim am 16.12.11
Es ist auf den Tag genau 6 Jahre her, da zog Orkantief Dorian über weitere Teile Deutschlands und verursachte erhebliche Sachschäden. Auch in diesem Jahr deuteten für den 16.12. alle Zeichen auf ein Sturmereignis hin. Am 15.12. entstand das Sturmtief Joachim auf dem Atlantik und zog mit dem Jetstream westwärts nach Mitteleuropa. Bereits in der Nacht zum 16.12. beeinflusste das sich rasch vertiefende System weite Teile Frankreichs. Vor allem an der Westküste traten dabei Orkanböen mit >140 km/h auf, im Binnenland Böen der Stärke 10, teils 11. Vor allem an der Kaltfront wurden auch einige Orkanböen registriert. Bis zum Mittag des 16.12. waren in Frankreich die Auswirkungen des Sturmtiefs zu spüren, welche nicht ohne Folgen blieben. Fast eine halbe Million Menschen war zeitweilig ohne Elektrizität, größere Schäden traten vor allem an der Westküste auf.
Unter weiterer Vertiefung auf letztlich 964 hPa zog Joachim im Tagesverlauf des 16.12. über Deutschland, wobei der Kern von Düsseldorf Richtung Berlin zog. Vor allem südlich vom Kern, im ausgeprägten Windfeld des Tiefs, traten markante Böen auf. Der Warmsektorsturm führte anfangs vor allem in den mittleren und höheren Lagen der Mittelgebirge, des Schwarzwaldes und der Alpen zu Böen von 90-185 km/h! Aber auch im Flachland gab es bereits schwere Sturmböen, lokal auch orkanartige Böen.
Im Erzgebirge begann dieser Tag mit kräftigen Niederschlägen, welche ab 400 m als Schnee fielen. Bis zum späten Vormittag steigerte sich der Warmfrontniederschlag zu einem heftigen Schneesturm in Lagen über 600 m. Ab 700 m traten Spitzenböen um Bft. 11 auf, in den Hochlagen Orkanböen von 120-140 km/h. Dazu fielen vor allem in den Hochlagen des Erzgebirges ca. 10 cm Neuschnee, was erhebliche Verwehungen und Verkehrsbehinderungen zur Folge hatte. Lokal gab es bereits ersten Windbruch, beispielsweise in den Kammregionen um Johanngeorgenstadt bis Carlsfeld und auf dem Spiegelwald bei Bernsbach/Grünhain. Hier fielen bereits einige großen Fichten dem Sturm zum Opfer.
Später stabilisierte der Warmsektor etwas, wodurch der Wind vorerst abnahm. Erst mit der Kaltfront am Abend (ca. 19-20 Uhr) und nachfolgend im Trog traten wieder starke Böen auf. Im Rahmen der Kaltfront, welche sich durch staffelartig angeordnete Schauer bemerkbar machte, wurde der starke Höhenwind wieder bis zum Boden heruntergemischt, weshalb in Sachsen verbreitet schwere Sturmböen, lokal auch orkanartige Böen bis ins Flachland auftraten. Richtung Südbayern wurden auch Orkanböen im Flachland an der Kaltfront registriert. In Bernsbach auf 600 m Höhe konnte ich im Rahmen eines Graupelschauers eine Spitzenböe von 110 km/h messen, dazu mehrere Böen um 95-105 km/h. Auch Eppendorf registrierte auf etwa 400 m eine orkanartige Spitzenböe, ebenso Riesa!
Nach der Kaltfront traten rückseitig vom Tief verbreitet schwere Sturmböen von 85-100 km/h im Flachland von Sachsen auf, teils auch orkanartige Böen, gerade in der Nähe von Schauern. Ab 600 m gab es vermehrt orkanartige Böen, in den Hochlagen Orkanböen bis 130 km/h. Lokal kam es auch im Trogsturm noch zu Windbruch bis in tiefe Lagen. Erst ab Mitternacht beruhigte sich die Lage langsam, Sturmtief Joachim zog nach Polen ab.
Das schwere Sturmtief Joachim verursachte vor allem in Süddeutschland Schäden und Stromausfälle. In Sachsen waren es vor allem umgewehte LKWs, umgefallene Bäume und winterliche Straßenbedingungen, welche für Behinderungen sorgten. Lokal gab es auch kurzzeitige Stromausfälle sowie vereinzelt auch Schäden an Dächern, wie im Bereich Zwickau. Größere Sachschäden wurden allerdings bisher nicht bekannt.
Joachim war von den Wettermodellen nur schwer erfassbar und damit schwer vorhersagbar. Insgesamt fiel die Intensität schwächer aus wie erwartet, das Tief entwickelte sich nicht so optimal wie zuerst vermutet. Dennoch reichte es für das in Sachsen stärkste Windereignis seit Orkan Emma am 1.3.2008.
Nachfolgend noch ein Video vom Sturm Joachim, aufgenommen im Westerzgebirge auf 600-700 m. Zu sehen ist der Schneesturm zu Beginn sowie die ersten Sturmschäden, nachfolgend noch der abendliche Trogsturm mit orkanartigen Böen.
VIDEO Schwerer Sturm Joachim
© Michel Oelschlägel
Datum: 18. Mai 2012