Schwergewitter und teils heftige Unwetter am 07.07.2015 über Teilen Mitteldeutschlands

 

Nach der großen Hitzewelle mit Temperaturen von teils über 40°C in Deutschland, welche am 05.07. durch teils heftige Unwetter unterbrochen wurde, gelangte mit Tief Thompson am 7.7. nochmals sehr heiße und energiereiche Luft nach Deutschland. Dabei wurden in Sachsen und Thüringen nochmals Temperaturen von bis zu 35°C, in Bayern und Baden-Württemberg sogar >37°C erreicht. Allerdings griff von NW her bereits die Kaltfront des Tiefs auf Deutschland über und zugleich kam es lokal zu Hitzetiefentwicklungen, welche durch zusätzliche Windscherung die Gewitterlage zusätzlich verschärften.

 

Die brisante Gewitterlage entlud sich ab den Nachmittagsstunden in heftigsten Gewitter. Ab 16 Uhr entwickelten sich über dem südlichen NRW und Rheinland-Pfalz sowie Hessen erste heftige Gewitter. Dabei bildete sich ein größerer Gewittercluster, welcher über Sachsen-Anhalt nach Brandenburg zog. Am Südende des Clusters entwickelte sich über Hessen eine zyklische Superzelle, welche später südlich von Kassel über den Nordwesten Thüringens Richtung Halle (Sachsen-Anhalt) zog sowie die nördlichsten Bereiche Sachsens und Süd-Brandenburg beeinflusste. Dabei entwickelte die Zelle Hagel von teils 3-4 cm Durchmesser und ging vielfach mit orkanartigen Böen und Orkanböen einher, teils gab es Downburstböen von >150 km/h! Es gab erhebliche Vegetations- und Gebäudeschäden im Durchzugsgebiet.


Auch über dem südlichen Rheinland-Pfalz und Hessen entwickelten sich Unwetterzellen, die oft als "Splitting Storms" auftraten und sowohl Left- als auch Rightmover-Superzellen entwickelten. Dabei gab es teils Downbursts mit Böen in Orkanstärke sowie Hagel von 3-4 cm Durchmesser, vereinzelt sogar um 5 cm. Besonders schlimm erwischte es hier Framersheim in Rheinland-Pfalz. Der Ort wurde von einem extremen Downburst getroffen, der mit Böen um 200 km/h einherging! Die Superzellen wanderten später Richtung Thüringen und Franken weiter. In Sachsen blieb es vorerst ruhig.

 

Gegen 19:30 Uhr entwickelten sich nördlich von Schweinfurt 2 Superzellen, welche Richtung Coburg in den Thüringer Wald hinein zogen. Diese Zellen sollten später auch für Sachsen interessant werden. Auch diese Zellen verursachten Hagel bis 4 cm und teils orkanartige Böen sowie einzelne Orkanböen mit entsprechenden Schäden. Im Thüringer Wald bei Lauscha gab es gegen 21:30 Uhr durch die nördliche Superzelle einen Downburst mit Böen über >140 km/h und Hagel bis 3 cm. Dabei wurde eine größere Waldfläche gebrochen. Aus den beiden Zellen entwickelte sich nachfolgend ein größeres Bow-Echo mit einer Superzelle am Südende, welches von Zwickau bis in die Region um Hof reichte. Gegen 22:10 Uhr erreichte die Linie die Stadt Plauen im Vogtland. Ich fing das System - speziell den nördlichen Bereich - zu dieser Zeit bei Reichenbach zwischen Zwickau und Plauen ab. Der Aufzug war beeindruckend, alle 2-3 Sekunden gab es einen Blitz, der teils die markante Böenfront der Linie sichtbar machte. Zudem gab es nun heftige Sturmböen, bevor heftiger Starkregen über meinen Standort nahe der A72 (Abfahrt Reichenbach) hinweg zog, weiterhin in Verbindung mit Sturmböen. Südlich von mir Richtung südliches Vogtland gab es während der Gewitterpassage lokal auch Böen von 100-115 km/h mit entsprechenden Sturmschäden. Nach wenigen Minuten war die Linie über mich hinweg gezogen und ich fuhr nun zurück Richtung Stollberg. Ab Zwickau kam ich erneut in heftigen Starkregen, der erst ab Stollberg nachließ.

 

Fahrt von Zwickau Richtung Plauen auf der A72 - die Böenfront des Bow-Echos wird sichtbar...

 

Alle 2-3 Sekunden erleuchten Blitze die Wolken...

 

 

Kurz vor dem Erreichen des Gewitterkerns (A72, Abfahrt Reichenbach)...

 

Heftiger Starkregen und Sturm im Bereich Treuen - Reichenbach...

 

Auf der Rückfahrt nach Stollberg: Ab Zwickau gibt es erneut heftigen Starkregen...

 

Blitze erhellen ständig den Himmel...

 

Weiterhin gibt es Sturm und heftigen Starkregen...

 

 

Beeindruckend war nun vor allem die Rückseite des Gewitterlinie. Es gab zwei starke Kerne, einen nördlichen im Erzgebirge sowie einen südlich des Bow-Echos im Bereich Cheb-Karlsbad (CZ). Die nördliche Zelle blitzte nun zeitweise mit etwa 60 Blitzen/min, die südliche mit ca. 70 Blitzen pro Minute. Auch dazwischen gab es hin und wieder Entladungen. Zeitweise gab es westlich bis südlich von mir 2-3 Blitze pro Sekunde - eine beeindruckende Stimmung. Darunter waren auch viele Crawler. Das sind Blitze, welche sich an der Unterseite der Wolke entlang entladen.

 

Standort Stollberg-West mit Blick auf die Gewitterrückseite Richtung Erzgebirge...

 

Die Blitzrate liegt jetzt bei ca. 60 Entladungen pro Minute!

 

 

 

 

 

Standort bei Jahnsdorf nahe Stollberg - Crawler "hangeln" sich unter den Wolken entlang...


Zeitgleich wurde nun Geyer und später die Region um Olbernhau von dem nördlichen Teil der Linie erfasst. Es gab heftigsten Starkregen und teils Hagel bis 1,5 cm. Zugleich gab es teils Böen um 100 km/h mit einigen Sturmschäden. Schlimmer erwischte es die Regionen, welche vom Südteil der Linie getroffen wurden. Die angesprochene Superzelle verursachte dort teils Hagel von 3-4 cm Durchmesser und Downbursts mit >120 km/h. Vor allem um Hof herum Richtung Cheb (CZ) und Bad-Brambach im Vogtland gab es viele Sturmschäden, später wurde Karlsbad noch heftig getroffen. Im Bereich Karlsbad gab es >200 Feuerwehreinsätze in Folge des Unwetters. 


Auch später bildeten sich gegen 23:30 Uhr nochmals neue Gewitter und von Hof heraus zog eine Gewitterlinie Richtung Zwickau. Auch hier gab es nochmals kräftige Gewitter mit heftigem Starkregen, allerdings waren die Gewitter nicht mehr so stark wie zuvor.

 

Eine neue Gewitterlinie zieht aus dem Vogtland heraus auf...

 

Nachfolgend Bilder zu diesem Gewitter aufgenommen von Hartenstein aus mit Blick Richtung Vogtland...

 

 

 

 


Nach diesen Gewittern beruhigte sich die Lage langsam in Sachsen und die Gewitter zogen Richtung Polen ab. Gewitter gab es nun nur noch im Südosten Deutschlands. Erwähnenswert sind dabei einige Superzellen über der Mitte Bayerns am Abend und in der ersten Nachthälfte, welche mit beeindruckenden Blitzraten, teils Hagel >3 cm und vereinzelten Orkanböen auf sich aufmerksam machten. Später zogen auch diese Zellen unter Abschwächung weiter Richtung Tschechien. Rückseitig der Gewitter floss anschließend deutlich kühlere Luft ein und um dem 10.7. gab es lokal sogar Bodenfrost! Damit war die große Hitzewelle mit Temperaturen von deutlich über 30°C vom 01.07.-07.07. (mit kurzer Unterbrechung am 06.07.) nun entgültig beendet.

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 21. Oktober 2017

                  

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