Squallline mit Sturm- und Orkanböen am 20. Mai 2006

 

Am 20. Mai 2006 zog ein kräftiges Sturmtief über das nördliche Mitteleuropa. Sein Sturmfeld beeinflusste dabei weite Teile Mitteleuropas, speziell auch Deutschlands. Die nachlaufende Kaltfront führte gegen 14 Uhr bereits im Westen Deutschland zur Zellauslöse. Hier entwickelten sich nun erste, kräftige Gewitter, welche wegen der kräftigen Höhenströmung vor allem durch starke Sturm- und Orkanböen auf sich aufmerksam machten. Diese Zellen verclusterten zu einer Squallline mit teils schweren Gewittern, welche bereits für örtlich erhebliche Sturmschäden sorgten. So wurde im Weingebiet in der Pfalz eine Spitzenböe von fast 160 km/h gemessen. Meist lagen die Böen aber bei Bft. 8-10, örtlich 11-12. Gegen 19 Uhr, also nur 5 Stunden nach ihrer Entstehung im äußersten Westen Deutschlands, erreichte die bogenförmige Squallline die nördlichsten Bereiche von Sachsen. In Bernsbach war zu diesem Zeitpunkt bereits am Horizont das herannahende System zu erkennen.

 

 

 

herannahende Gewitterfront

 

Innerhalb der Squall gab es Aktivitätszentren mit kräftigeren und schwächeren Gewittern. Eine starke, blitzreiche Gewitterzelle zog westlich an mir vorbei. Diese über dem Vogtland tobende Zelle verursachte dort größere Sturmschäden und entwurzelte bereits unzählige Bäume. Der schwächere Teil des Zellverbandes zog nun auf mich zu, nur gelegentlich konnte man einen Blitz oder Donner vernehmen.

 

heranziehende Gewitter, auf dem Foto ist die kräftige Gewitterzelle über dem Vogtland zu erkennen

 

 

 

vorbeiziehendes Gewitter

 

 

Die Böenfront rauscht über meinen Standort...

 

Als die Zelle direkt über mir war, begann ein heftiger Sturm. Kurzer Starkregen begleitete das Geschehen. Der Sturm dauerte keine 2 Minuten und flaute danach rasch ab. Dennoch gab es 2 Böen, welche Bft. 10-11 erreichten.

 

 

starker Sturm, teils mit Böen von Bft. 10-11

 

Auch in Schwarzenberg/Heide tobte der Sturm, hier Videostills von meinem Bruder:

 

 

 

auch hier gab es Böen um Bft. 10-11

 

Nach weiterem, mäßigem Regen klarte es am Horizont bereits wieder auf. Allerdings hatte es nun stark abgekühlt, die Temperatur war von 16 °C auf gerade mal 8 °C gefallen. Einige Feuerwehrsirenen brachten mich anschließend dazu, noch eine kleine Runde mit dem Auto zu fahren und zu schauen, inwiefern die genannten Böen schadensträchtig waren. Dabei erblickte ich die abziehende Squallline von hinten, ein beeindruckender Anblick, da die mit Mammatus beschmückten Zellen von der untergehenden Sonne angestrahlt wurden.

 

abziehende Zellen

 

 

 

Ich entdeckte nur einige kleine Sturmschäden, meist heruntergerissene Äste. Auch der eine oder andere Baum hatte dem Sturm nicht standgehalten und ist umgefallen. Dennoch ist der Landkreis im Gegensatz zum Vogtlandkreis oder zu anderen sächsischen Gebieten recht glimpflich davongekommen. Anderenorts, beispielsweise in Chemnitz oder Dresden, wurden sogar einzelne Dächer abgedeckt und zahlreiche Bäume gebrochen. Örtlich war auch kleinkörniger Hagel aufgetreten.

 

 

 

heruntergerissene Äste und kleinere Sturmschäden in Bernsbach und Grünhain

 

 

Sturmeinsatz der Feuerwehr in Beierfeld

 

Beeindruckend war vor allem die Zuggeschwindigkeit der Squallline. Innerhalb von nur 8 h hatte sie Deutschland von West nach Ost überquert!

 

Insgesamt gesehen war es ein recht kräftiges und örtlich auch unwetterartig schadensträchtiges Wetterereignis, wenngleich es nicht mit anderen großen, sommerlichen Squalllinepassagen wie dem 29.7.05 oder dem 7.7.2001 konkurrieren kann, den das waren Gewitter eines ganz anderen Kalibers!

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 29. März 2017

                  

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