Schwerer Sturm Yulia zieht am 23.02.2020 über Sachsen


Am 23. Februar zog eine kleine Welle vom Atlantik kommend über Mitteleuropa hinweg. Diese Welle entwickelte sich zu einem Tief, wodurch auf der Süd- und Rückseite des Schnellläufers ein nennenswerter Druckgradient zustande kam. Der schwere Sturm namens Yulia traf vor allem einen schmalen Streifen von NRW über Thüringen, Teile Sachsen-Anhalts bis nach Sachsen. Später war vor allem Nordtschechien und Südpolen noch betroffen.


Nach kräftigem Warmfrontregen am Vormittag und Mittag (im Harz fielen dabei mehr als 70 l/qm) lockerte im Warmsektor der Himmel langsam etwas auf. Allerdings legte nun der Wind deutlich zu. Yulia verursachte nun in Sachsen am Nachmittag zunächst einen föhnverstärkten Sturm mit Böen von 80-90 km/h, lokal auch mit bis zu 100 km/h. Ich dokumentiere den Warmsektorsturm zunächst bei Freiberg. Ab dem frühen Abend zog dann die Kaltfront des Tiefs heran. Diese überquerte Sachsen von Nordwesten nach Südosten. Lokal waren kurze Gewitter eingelagert. Aber auch abseits der blitzaktiven Zentren gab es spektakuläre Abschnitte in der Linie. Ich dokumentierte die Kaltfront nun bei Meißen, wo ein bogenförmiges und starkes Segment mit bis zu 55 dBZ drüber zog. Die Folge: extremer Starkregen mit kleinkörnigem Hagel und ein heftiger Downburst mit Windstärke 11, vielleicht auch 12 (orkanartige Böen, ev. Orkanböen). Diese extremen Bereiche gab es aber nur recht lokal. Sonst traten verbreitet 80-105 km/h an der Front auf. Auch ein Tornadoverdacht im Kreis Bautzen im Rahmen der Kaltfront wird derzeit diskutiert. Am Abend folgte dann noch ein Trogsturm mit 80-90 km/h, in Nordsachsen mit bis zu 110 km/h. Vielerorts waren Feuerwehren in Folge von Sturmschäden im Einsatz. Da die stärksten Böen aber nur lokal auftraten, blieben größere Schäden in der Fläche aus.


Schlimmer traf es wohl Teile Polens, wo mehr als 25.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Hier zogen teils recht blitzaktive Bereiche in der Kaltfront über die Region hinweg. Downbursts deckten viele Dächer ab und zahlreiche Bäume stürzten um. Auf der Schneekoppe wurde mit 223 km/h sogar ein neuer Allzeitrekord gemessen.


Hier nun das Video mit dem doch recht spektakulären Kaltfrontdurchgang und paar Impressionen vom Warmsektor- und Trogsturm...

 

Video zum unwetterartigen Sturmverlauf bei Freiberg (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=dgEts4kCC0o)

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 28. Mai 2020

                  

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