15.08.2023 - Superzelle im Westerzgebirge mit Großhagel und Orkanböen

 

Die Gewittersaison 2023 verlief in Sachsen außergewöhnlich gewitterarm. Gerade organisierte Gewitterzellen waren in den meisten Regionen eine echte Seltenheit. Eine der wenigen Unwetterlagen gab es in diesem Jahr Mitte August in Sachsen, u.a. am 15.08.2023.

 

Mit Temperaturen um 30°C bei Taupunkten bis um 22°C war die Luft an diesem Tag ungewöhnlich schwül und druckend - ähnlich wie bereits am Vortag, wo in Nordwestsachsen teils heftige Unwetter auftraten. In dieser sehr energiereichen Luftmasse bildeten sich auch am 15.08. schwere Gewitter in Teilen Sachsens. Zunächst war die Scherung noch begrenzend und die ersten Zellen des Tagen hatten eher Wärmegewittercharakter - waren also recht kurzlebig. Gegen 15 Uhr entwickelten sich dann schon organisiertere Gewitter im Vogtland unter zunehmend besseren Scherungswerten, die auch durch vorgelagerte Konvektion verbessert wurde. Diese Gewitter brachten zeitweise Hagel bis 3 cm Durchmesser und hohe Blitzraten mit sich. Kurz darauf entwickelte sich an der Ostflanke der Gewitter eine Superzelle (Rightmover), welche Richtung Auerbach weiterzog. Bei Plauen stand in dieser Zeit ein heftiger Leftmover, der sich nur zögerlich abschwächte. Kurz vor 15:30 Uhr entwickelte sich bei Aue auch ein Leftmover mit heftigem Starkregen und kleinkörnigem Hagel, der Richtung Hartenstein nach NW zog, während aus SW das System aus dem Vogtland heranzog. Kurzzeitig störte der Leftmover die Superzelle bei Auerbach etwas und der Leftmover wurde nachfolgend vom Gewittersystem, welches aus SW aufzog, eingefangen. Aus der Auerbacher Superzelle entwickelte sich nach einem Zykluswechsel eine neue Superzelle bei Eibenstock, die nun unter Verstärkung Richtung Aue und von da nach Zwönitz weiterzog.

 

Diese Superzelle erreichte den Raum Grünhain/Zwönitz kurz vor 16:20 Uhr. Das Gewitter hatte sich inzwischen massiv organisiert und der Aufzug war unheimlich dynamisch. Ich fing die Zelle nun bei Zwönitz ab. Das Unwetter ging dort gegen 16:30 Uhr mit Hagel von 3 bis um 4 cm Durchmesser einher, zudem kamen lokal regelrechte Hagelmassen vom Himmel - vor allem im Bereich nördlich der Moosheide zwischen Grünhain und Zwönitz. Dort trat auch der größte Hagel mit auf und fiel hier am dichtesten. Der Hagel war zudem von schweren Sturmböen, teils Orkanböen bis um 120 km/h begleitet, wodurch zahlreiche Bäume umfielen. Von Sturmschäden waren besonders Teile von Grünhain und die südlichen Teile von Zwönitz (Kühnhaide) betroffen. So konnte ich im Gebiet zwischen Grünhain und Zwönitz sowie Kühnhaide mehr als 50 umgestürzte oder abgebrochene Bäume zählen. Allein die Feuerwehren Grünhain-Beierfeld und Zwönitz hatten mehr als 40 Einsatzstellen abzuarbeiten - hier wurde jeweils eine Sonderlage ausgerufen. Durch den heftigen Starkregen kam es zudem zu Überschwemmungen und Schlammausspülungen, wobei der Hagel teils einen halben Meter hoch zusammengeschwemmt wurde. Durch die teils vorhandene Hageldecke, insbesondere im Gebiet zwischen Zwönitz und Grünhain, bildete sich zeitweise dichter Nebel. Durch die großen Hagelkörner in Verbindung mit den hohen Windgeschwindigkeiten wurden zudem in dem Gebiet zwischen Moosheide und den südliche Teilen von Zwönitz Autos beschädigt. Diese wiesen nach dem Unwetter viele Dellen auf. 

 

Die Superzelle zog anschließend noch weiter nach Nordosten. Im weiteren Verlauf verursachte die Superzelle im Raum Thum, Herold und Drebach sogar Hagelschlag mit 5-6 cm großen Körnern. Auch hier traten teils schwere Sturmböen, lokal orkanartige Böen auf. Durch den Großhagel gab es erhebliche Schäden an Autos (vereinzelt sogar eingeschlagene Heckscheiben) und teils - wie u.a. in Teilen von Herold - sogar an Hausdächern (zerbrochene Dachschiefer, eingeschlagene Dachfenster und Kunststoffoberlichter). Vereinzelt wurden auch Fensterscheiben eingeschlagen. In Jahnsbach verursachten Hagelmassen erneut winterliche Zustände, ähnlich wie zuvor bei Zwönitz. In der Region waren ebenfalls Feuerwehren in Folge von Starkregen und Sturmschäden im Einsatz. Erst nach Marienberg schwächte sich das Unwetter anschließend deutlich ab.

 

An dem Tag bildeten sich auch anderswo heftige Unwetter, u.a. über Erfurt oder in Teilen Brandenburgs. Auch an den Folgetagen gab es mancherorts in der energiereichen Luft noch heftige Gewitter. Für das Erzgebirge war der 15.08. aber der Höhepunkt dieser Unwetterlage.

 

Nachfolgend das Video zur Superzelle im Bereich Zwönitz:

 

Video zur Superzelle bei Zwönitz (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=9GhhjllX_Ms)

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 13. Juli 2024

                  

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