Superzellenverdacht bei Döbeln und Meißen am 26.08.2017

 

Bereits am Abend des Vortages und in der Nacht zum 26.08. gab es vor allem in Nordbayern, später in Teilen Thüringens, heftige Gewitter - lokal auch Unwetter durch Überflutungen. Am Morgen des 26. zog noch ein größeres Gewittersystem über Thüringen hinweg. Unter Abschwächung gab es auch in Sachsen noch Gewitter und Regen, bevor es gegen Mittag langsam wieder auflockerte und die Sonne zum Vorschein kam.


Einzelne Gewitter in gut gescherter Umgebung waren anschließend für den Nachmittag des 26.08. in Mitteldeutschland von den Modellen vorhergesagt. Anfangs tat sich diese einsetzende Konvektion am Nachmittag aber schwer und Zellen in Thüringen und Hessen schafften es kaum, blitzaktiv zu werden. Das änderte sich dann am späten Nachmittag in Sachsen. Hier wies die Luftmasse noch etwas mehr Energie auf. Neben einer Zelle direkt am Erzgebirge gab es vor allem um Leipzig herum erste Gewitter. Eine Zelle war dabei besonders interessant, denn diese bildete sich gegen 16:30 Uhr südlich von Naumburg und zog unter wechselnder Intensität bis nach Sachsen. Die Zelle war recht langlebig und es war hier von einer Mesozyklone oder Superzelle auszugehen, also einer rotierenden und organisierten Form einer Gewitterzelle. Ich beschloss daher, die Zelle von Freiberg aus abzufangen und fuhr der Zelle gegen 19 Uhr auf der A14 Richtung Döbeln entgegen. Die Zelle lag zu diesem Zeitpunkt bei Leisnig und wies nach einigen Phasen ohne Blitzaktivität nun eine mäßige Blitzrate auf. Ich stationierte mich bei Döbeln und wartete dort auf die Zelle. Die Strukturen des aufziehenden Gewitters waren überraschend beeindruckend und ausgeprägt. Im Zeitraffer war neben hoher Dynamik in der Zellbasis auch immer wieder Rotation erkennbar, was den Superzellenverdacht erhärtete. Leider war die Zelle zu klein für eindeutige Aussagen über das Dopplerradar.

 

Gewitterbildung am Nachmittag in Sachsen - hier Richtung Erzgebirge

 

Anfahrt einer starken Zelle bei Leisnig gegen 19 Uhr...

 

Die Zellbasis wird immer deutlicher sichtbar - hier bei Döbeln...

 

Visuell sind Superzellenmerkmale vorhanden...

 

Turbulente Zellunterseite - siehe dazu auch die Zeitraffer im Video unten...

 

 

 

Stark superzellenverdächtige Zelle über Döbeln...


Der Core der Zelle zog nachfolgend knapp nördlich an Döbeln vorbei. Ich erwischte ihn noch auf der A14 und kam in kurzen, aber heftigen Starkregen. Weiterhin gab es Sturmböen. Abschließend fuhr ich bei Döbeln Nord ab und fuhr in Gegenrichtung wieder nach Nossen. Dabei konnte ich die beeindruckende Zellrückseite des Gewitters beobachten.

 

Fahrt in den Niederschlagsbereich auf der A14...

 

Es gibt kurzzeitig heftigen Starkregen...

 

Blick auf die Zellrückseite bei der Fahrt von Döbeln zurück nach Nossen...

 

Hier sind die neuen Quellungen der Versorgungslinie zu erkennen...

 

Ich schaffte es bei Nossen nochmal vor das System, welches sich mittlerweile weiter verstärkt hatte und bei Lommatzsch lag. Die Zelle erreichte dabei Blitzraten von >10 Entladungen pro Minute. Lokal trat nun auch Hagel von 1-2 cm Durchmesser auf. Ich fuhr nun von Nossen aus Richtung Meißen. Das Gewitter sah sehr beeindruckend aus, ein dickes Versorgungsband verlief in Bogenform direkt hinein in den Hauptaufwind der Zelle. Der Niederschlag wurde um die wahrscheinliche Mesozyklone herum geholt und fiel teils unter blauem Himmel wieder zu Boden.

 

Von Nossen nach Meißen - Blick auf die bogenförmig in die Zelle hineinlaufende Versorgungslinie mit neuen Quellungen...

 

Blick auf den emporschießenden Hauptaufwind...

 

Der Hauptaufwind (wahrscheinlich rotierende Mesozyklone) ist ganz hinten links erkennbar (und durch turbulente Wolkenfetzen gekennzeichnet)...

 

 

Um den zentralen Aufwindbereich wird Niederschlag herumgeholt und fällt teils unter blauem Himmel zu Boden...

 

Knapp westlich von Meißen gab es kurzzeitig einen sehr heftigen Wolkenbruch sowie Sturmböen, bevor das Gewitter über Meißen und unter langsamer Abschwächung nach Osten weiterzog. Ich dokumentierte noch etwas die Zellrückseite, welche im Licht der untergehenden Sonne einfach wunderschön aussah. Nachfolgend fuhr ich nach Freiberg zurück.

 

Kurzer Wolkenbruch nahe Meißen...

 

Zellrückseite im Abendlicht der untergehenden Sonne...


Bei Freiberg konnte man Richtung Dresden recht rege Blitzaktivität beobachten. Die dokumentierte Zelle vereinigte sich bei Dresden mit weiteren Zellen aus Südbrandenburg zu einer Linie, welche über den Nordteil von Ostsachsen nach Osten zog. Die Gewitterlinie war mit teils über 20 Blitzentladungen pro Minute recht blitzaktiv. Lokal traten schwere Sturmböen auf, was lokal auch einzelne Ästbrüche und sogar vereinzelt mal einen umgestürzten Baum zur Folge hatte. Anschließend beruhigte sich das Wetter. Lediglich in Mittelsachsen gab es in der ersten Nachhälfte nochmal einzelne kleinere Gewitterschauer.

 

Blitzentladungen Richtung Dresden - hier hat sich mittlerweile eine Gewitterlinie gebildet...

 

Nachfolgend noch das Chasing-Video mit einigen schönen Zeitrafferaufnahmen:

 

Video zum Chasing (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=XDeAbUDBh2o)

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 21. Oktober 2017

                  

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