Heftige Unwetter mit extremen Starkregen in Mittelsachsen und im Osterzgebirge am 01.06.2018 

 

Der sehr warme Mai 2018 schloss mit einigen Unwettertagen ab. Dabei gab es in einer schwül-heißen Luftmasse bei nur geringer Dynamik sehr langsam ziehende und teils retrograde Gewitterzellen, welche lokal extreme Regenmengen mit sich brachten. Begünstigt wurde dies u.a. durch das Tief Wilma, welches durch lokale Konvergenzen und Bodentiefs für Auslöse sorgte. Teilweise kamen bei den Unwettern mehr als 100 mm Niederschlag binnen weniger Stunden zusammen und verursachten schwere Schäden. Sachsen wurde dabei anfangs kaum getroffen und lediglich im Vogtland kam es zu Unwettern. Diese hatten es aber in sich. Am 23. Mai kamen in einem schmalen Bereich zwischen Plauen und Adorf mehr als 150 mm Niederschlag in 6 h zusammen. Die Wassermassen führten zu schweren Schäden in dem Bereich. Die Weiße Elster erreichte im Oberlauf die Warnstufe 4 und die Talsperre Pirk lief über. Gegen Monatsende kam es auch im restlichen Sachsen vermehrt zu lokalen Unwettern, wie am 30.05.2018. An diesem Tag war vor allem die Bautzener Region und die Gegend von Torgau bis Grimma betroffen. Gewitter mit heftigem Starkregen und teils Hagel führten zu erheblichen Überschwemmungen. Bei Grimma trat an einer vergleichsweise dynamischen Zelle sogar Hagel von 2-3 cm Durchmesser auf.


Den vorläufigen Abschluss der anhaltenden Gewitterlage in zumindest weiten Teilen Deutschlands gab es dann am 01. Juni. Bereits in der Nacht zuvor entluden sich im Südwesten und Westen heftige Unwetter mit anhaltendem Starkregen. In Westsachsen an der Grenze zu Thüringen startete der Tag ebenfalls mit Schauern und Gewittern. Östlich davon konnte es aber am Tag nochmals gut durchheizen und die Temperaturen stiegen auf knapp über 30°C in Ostsachsen. Ab den Mittagsstunden bildeten sich in Tschechien Gewitterzellen mit Kurs auf Sachsen. Ich fuhr daher Richtung Osterzgebirge, wo es bei Rechenberg-Bienenmühle erste Neubildungen gab. Diese waren aber nicht sonderlich stark und nur kurzlebig. Lediglich eine Zelle gegen 13:15 Uhr bei Clausnitz war etwas heftiger und brachte kurzen, heftigen Starkregen, bevor aber auch dieses Gewitter wieder in sich zusammenfiel.

 

Erste Zelle bei Clausnitz gegen 13:15 Uhr...

 

Heftiger Starkregen geht nieder...


Interessanter waren dagegen die Zellen in Tschechien, welche nun langsam gegen das Erzgebirge anliefen. Mittlerweile schossen südlich des Erzgebirgskammes zahlreiche Zellen nach oben und es entstand eine heftige Gewitterlinie, welche am Erzgebirge quasi hängen blieb. Ich fuhr nun über Neuhausen nach Deutscheinsiedel, wo ich kurz nach 14 Uhr in den Niederschlagsbereich einer giftigen Zelle innerhalb dieser Linie kam. Am Grenzübergang nach Mnisek setzte sehr heftiger, sturmgepeitschter Starkregen ein. Ich fuhr noch etwas weiter in den tschechischen Grenzort und kam schließlich in einen Downburst mit kleinem Hagel bis 1 cm, extremen Starkregen und schweren Sturmböen. Das Unwetter hielt eine ganze Weile an und zog dann langsam Richtung Westen ab.

 

Massive Zellbildung und Unwetteraufzug am Erzgebirgskamm südlich von Neuhausen gegen 14 Uhr...

 

Blitze zucken vom Himmel...

 

Bei Deutscheinsiedel direkt am Grenzübergang - einsetzender Downburst...

 

Direkt gegenüber im tschechischen Ort Mnisek - Hagel, extremer Starkregen und schwerer Sturm...

 

An eine Weiterfahrt ist nicht zu denken...

 

Ich verlegte nun wieder nach Deutscheinsiedel und von da dann über Deutschneudorf nach Deutschkatharinenberg. Überall stand Wasser auf den Straßen und quoll teils aus den Abwasserkanälen. Besonders heftig wurde es dann wieder in Deutschkatharinenberg. Erneut setzte extremer Starkregen und kleiner Hagel ein.

 

Heftiger Wolkenbruch bei Deutschkatharinenberg...

 

Nur sehr zögerlich ließ das Unwetter an der Grenze nach und verlagerte sich Richtung Olbernhau weiter. Überall floß Wasser ins Tal, der Grenzbach schwoll bedrohlich an. Dieser mündet aber flussabwärts in die durchflusstechnisch viel größere Flöha, welche im restlichen Einzugsbereich nicht von Starkregen betroffen war und daher die Wassermassen aus dem Grenzbach gut verkraften konnte. Allgemein gibt es in dem Bereich nur schmale, wenig tiefe Täler mit Wald und Wiesen, weshalb hier das Wasser nicht derart stark zusammenfließen kann wie beispielsweise bei weiten Feldern im flacheren Gelände. Insgesamt fielen hier 40-50 mm in 1 h, wobei das Meiste in deutlich kürzerer Zeit vom Himmel kam. Doch auch die schweren Sturmböen führten zu Behinderungen. So brachen große Äste ab und einige Bäume wurden umgeworfen.

 

Das Unwetter hinterlässt auch einzelne Sturmschäden...


Mittlerweile bildeten sich von Olbernhau bis Freiberg neue Zellen und das System griff auf diese Weise nach Mittelsachsen über. Die Linie direkt am Kamm schwächte sich ab und zog später als Landregen noch über Teile Sachsens hinweg. Richtung Dresden gab es ebenfalls einige heftige Neubildungen. Ich versuchte nun von Seiffen nach Freiberg zu kommen. Unterwegs gab es immer wieder Starkregen und Schlamm schoss von den Feldern über die Straßen, wie zwischen Sayda und Mittelsaida. Gegen 15:45 Uhr war ich Oederan angekommen und es bildeten sich neue Zellen vor mir, welche in die bereits bestehenden Zellen - die intensivsten Gewitter lagen mittlerweile knapp westlich von Freiberg - hineinzogen. Auch bei Nossen entwickelte sich eine neue Zelle, welche sich mit den heftigen Gewittern bei Großschirma vereinigte.

 

Zellbildung über der Region Hainichen - Goßberg, aufgenommen von Oederan kommend...

 

Die Zellen verschmelzen mit den bereits aktiven Gewittern westlich von Freiberg...


Ich erreichte die A4-Auffahrt bei Roßwein gegen 16 Uhr, fuhr aber über Land an Marbach vorbei Richtung Roßwein weiter. Hier setzte wieder sehr heftiger Starkregen ein. Vor Etzdorf bog ich nach Nossen ab. Weiterhin gab es heftigen Starkregen und die Überflutungen wurden immer stärker. Von den Feldern schoss viel Wasser und Schlamm über die Straßen. Auch in Nossen selber, wo ich gegen 16:15 Uhr ankam, gab es viele Probleme durch den heftigen Starkregen, der immer noch anhielt.

 

Heftiger Starkregen zwischen Roßwein und Nossen...

 

Schlamm wird von den Feldern gespült...

 

Auch in Nossen gibt es Überflutungen...

 

Ich verlegte weiter Richtung Döbeln und kam dann ab Choren nicht mehr weiter. Erneut schüttete es wie aus Kübeln und Wassermassen schossen von allen Seiten in den kleinen Ort und führten auch zu einem heftigen Hochwasser am dort hindurchfließenden Kelzgebach. Anwohner versuchten, ihre Häuser und Grundstücke zu schützen.

 

Wolkenbruch in Choren zwischen Döbeln und Nossen...

 

Im Ort Choren fließt von allen Seiten Wasser in den Ort - der Dorfbach tritt über die Ufer...

 

Der Wasserstand steigt und steigt, bald ist kein Durchkommen mehr möglich...

 

Kurz darauf wird der Ortskern gesperrt...


Ich kehrte um und fuhr Richtung Nossen zurück. Bei Starbach hatte sich inzwischen ein beeindruckender See gebildet, der die B101 überflutete. In Starbach selber führte der gleichnamige Starbach als Nebenarm des Ketzerbaches ebenfalls zu einem massiven Hochwasser und viele Grundstücke waren überflutet. Der Ketzerbach führte auch weiter flussabwärts eine heftige Hochwasserwelle ab. Gerade bei Ziegenhain gab es arge Probleme, da hier das Hochwasser des Kelzgebaches aus Choren noch in den Ketzerbach floß. Der Pegel bei Ziegenhain stieg von 16 cm  binnen weniger Stunden auf 210 cm und blieb hier nur knapp unter Hochwasserwarnstufe 4, die aber lokal im oberen Bachverlauf überschritten wurde. Die Feuerwehren aus dem Umkreis bauten in den folgenden Stunden in Ziegenhain Sandsackwälle auf, um das Wasser von den Häusern fernzuhalten. Sogar eine Evakuierung wurde als Plan B vorbereitet. Das Unwetter griff derweil weiter Richtung Norden aus und baute in diese Richtung weiter an. Die Blitzrate lag nun zeitweise bei 500-700 Blitzen (siehe kachelmannwetter.com) binnen 10 min, wobei man am Tag nur wenige davon mitbekommen hatte.

 

Überschwemmte B101 bei Starbach...

 

Ich versuchte dem Gewittersystem noch Richtung Lommatzsch zu folgen. Dort brachte das Unwetter - wie ich nachträglich erfahren hatte - neben schweren Sturmböen auch Hagel bis 3 cm im Durchmesser hervor. In Lommatzsch selber kam ich erneut nicht mehr weiter und brach die Verfolgung ab. Hier hatte das Unwetter ebenfalls erhebliche Überflutungen verursacht. Genau wie um Nossen war auch hier die Feuerwehr im Dauereinsatz. Allerdings konnte man hier auch wieder vermehrt große Astbrüche erkennen, was auf schwere Sturmböen hindeutete.

 

Sturmschäden bei Lommatzsch...


Ich fuhr nun wieder zurück nach Nossen. Das war schwieriger als vermutet, da viele Straßen blockiert waren und teils mit schwerem Gerät beräumt werden mussten. Die A14 war bei Nossen ebenfalls beidseitig bis zu 50 cm hoch überflutet, wodurch hier der Verkehr für 5 h zum Erliegen kam. Auch die Umleitungsstrecken über Choren waren durch das Unwetter blockiert. Ich versuchte mehrere Wege, musste aber immer wieder umkehren. Zum Glück beräumte bei Wetterwitz aber ein Radlader gerade die Straße, wodurch ich Richtung Roßwein weiter kam und nach mehr als einer Stunde Umherfahrerei endlich aus dem Unwettergebiet kam. Ich fuhr nun Richtung Freiberg zurück. Hier gab es vor allem in Langhennersdorf ebenfalls Überflutungen und Feuerwehreinsätze. Freiberg selber wurde in den meisten Stadtteilen nicht so heftig getroffen, wobei es auch einige Feuerwehreinsätze gab. Nachfolgend schwächte sich das Unwetter bei Riesa ab und es gab noch einige Zeit lang Landregen in den mittleren Teilen Sachsens. Die Luft war nun merklich abgekühlt. Lediglich Richtung Leipzig gab es auch noch einige Gewitter.


Die Unwetter bei Freiberg/Nossen brachten Regenmengen von 30-50 mm in 1 h, teils auch 50-70 mm in 1-1,5 h. Dabei fiel das Meiste sogar in wesentlich kürzerer Zeit. Interessant ist der direkte Vergleich der Unwetter vom Grenzgebiet bei Deutschneudorf mit den Unwettern bei Nossen. Obwohl ähnliche Mengen in ähnlichen Zeiten vom Himmel kamen, hat es den Raum Nossen und Lommatzsch viel heftiger erwischt. Grund sind hier die weiten Felder, wo die Wassermassen zusammenfließen und entsprechend gewaltige Kräfte entwickeln können. Daran erkennt man auch wieder deutlich, dass auch die Gegebenheiten des Geländes großen Einfluss auf die Folgen solcher Unwetter haben können.

 

Zuletzt noch das Chasingvideo:

 

Video vom Chasing am 01.06.2018 (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=5AMmzN3GbdQ)

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 20. Juni 2018

                  

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