Unwetterserie mit Superzellen vom 10. bis 12. Juni 2019 in Sachsen

 

In den ersten Junitagen gab es bereits heftige Gewitter und Unwetter in Mittel- und Westdeutschland, Frankreich, Belgien und Holland. Ostdeutschland war nur am 6.6. mit durch teils heftige Gewitter beeinflusst. Noch sehr viel spannender wurde das Wetter für den Osten Deutschlands ab dem 10.06.2019. Eine dreitätige Unwetterserie – bedingt durch die Tiefs Klaus und Jonas - beschäftigte nun den Osten und auch das Bundesland Sachsen. Nachfolgend nun die Berichte zu diesen Tagen mit Fokus auf Sachsen.


Tag 1 – 10.06.2019 – HP-Superzelle bei Marienberg und weitere Unwetter


Bereits am Abend des Vortages floß mit dem Tief Jonas feuchtwarme Luft aus dem Mittelmeerraum nach Bayern und Sachsen ein. Im Tagesverlauf des 10. Juni konnte sich bei guter Sonneneinstrahlung die Luftmasse auf bis zu 31°C an der Oder erwärmen. In Sachsen lagen die Temperaturen bei 26-30°C mit Taupunkten von 16-20°C. Die Luft war also sehr feucht und energiegeladen. Brisant wurde das Ganze noch durch eine erhebliche Windscherung, welche durch eine Leetiefbildung in Tschechien verstärkt wurde. Alle Parameter für eine Unwetterlage mit durchaus extremen Ereignissen waren demnach gegeben. Im Westen und Teilen der Mitte war die Luftmasse weniger energiereich und hier waren Schwergewitter eher weniger zu erwarten. Die erste markante Zelle bildete sich am 10.06. kurz vor 16 Uhr bei Memmingen. Aus dieser Zelle entwickelte sich später rasch eine heftige Superzelle, welche den Norden von München gegen 17:45 Uhr traf. Bei Landsberg gab es zuvor Hagel bis 6, teils 7 cm Durchmesser. Gleichzeitig traten hier orkanartige Böen, teils Orkanböen auf, wodurch es schwere Schäden an Gebäuden, Häusern und in der Landwirtschaft gab. Die Zelle und eine weitere Superzelle, welche später knapp südlich der ersten Zelle entstand, zogen nachfolgend nach Nordosten Richtung Tschechien weiter.


Ich stationierte mich unterdessen nahe Zwickau an der A72. Hier sollte es am Abend aus Bayern heraus heftige Gewitter und Superzellen auslösen – so zumindest die Sicht der meisten Lokalmodelle. Tatsächlich entwickelten sich gegen 19 Uhr erste Gewitter in der Oberpfalz bei Tischenreuth, die unter Verstärkung nach Tschechien hineinzogen. Auch bei Zwickau entwickelte sich ein erstes Gewitter, ebenso südwestlich von Schleiz im Thüringer Wald. Besonders stark entwickelte sich nun ein Gewitter bei Sokolov gegen 19:45 Uhr und rasch entstand hier eine Superzelle, die durch 5-6 cm große Hagelkörner erhebliche Schäden verursachte. Auch bei Greiz in Thüringen entwickelte sich nun eine starke Zelle, während alle anderen, teils nun neu entstehenden Zellen zwischen Zwickau und der Sokolover Superzelle eher weniger organisiert wirkten. Ich verlegte nun von Zwickau nach Chemnitz und von dort Richtung Marienberg im Erzgebirge, um die Superzelle, die von Sokolov aufzog, abzufangen. Gegen 20:30 Uhr überquerte die Sokolover Superzelle nun den Erzgebirgskamm nahe des Fichtelberges und führte dort zu einer winterlichen Hagellandschaft. Die Körner waren nun aber kleiner, um 1-2, teils über 2 cm im Durchmesser. Dafür kamen aber große Mengen herunter. Es entwickelte sich nun eine Gewitterlinie, die von Leipzig bis Karlsbad in Tschechien reichte. Zwei besonders starke Zellen - beide sehr wahrscheinlich Superzellen - befanden sich hier eingelagert, einmal am Fichtelberg (siehe oben) und einmal im Raum Altenburg nahe Schmölln. Bei Schmölln gab es durch die Zelle einen Downburst mit orkanartigen Böen, teils Orkanböen.

 

Kurz vor 21 Uhr wurde schließlich die Bergstadt Annaberg-Buchholz von der Fichtelberg-Zelle (ehemalige Sokolover Superzelle) getroffen. Hier gab es Hagel von 2, teils bis 3 cm Durchmesser und extremen Starkregen. Zahlreiche Straßen und Keller standen unter Wasser, ein Parkhaus lief voll Wasser. Zudem gab es erhebliche Hagelansammlungen von teils mehr als 30 cm Höhe! Aus umliegenden Orten wie Schlettau wurden Schlammlawinen gemeldet. Teils gab es auch umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste, was auf schwere Sturmböen, teils orkanartige Böen hindeutete. Feuerwehren waren hier nach dem Unwetter im Dauereinsatz. Die Unwetterzelle zog unterdessen nach Marienberg weiter. Gegen 21 Uhr beobachtete ich bereits den Aufzug der Superzelle von Annaberg her. Dazu positionierte ich mich bei Hilmersdorf. Die Kulisse war sehr dynamisch und beeindruckend. Blitze fast im Sekundentakt machten die Stimmung noch bedrohlicher. Der grünliche Niederschlagsvorhang wurde nun nach Süden hin richtig türkisfarben und inmitten der schwarzen Wolkenbasis sah die Situation sehr gefährlich aus. Ich verlegte nun von Hilmersdorf nach Marienberg, genauer nach Lauta an der B174. Dort brach nun dieser türkisfarbene Niederschlagsvorhang über die Landschaft herein und schwerer Sturm setzte ein. Bald wurde die Landschaft in heftigen Starkregen gehüllt und zunächst kleiner Hagel mischte sich in den Wolkenbruch. Doch dabei blieb es nicht. Bald fielen erste größere Hagelsteine vom Himmel und kurz darauf gab es einen Hagelsturm mit einigen Körnern von 3-4 cm Durchmesser. Die Geräuschkulisse im Auto war beeindruckend und ein wenig Sorge machte ich mir schon um die Scheiben. Der Hagelschlag hielt noch einige Zeit lang ab, wobei der Wind langsam weniger wurde. Dafür wurde der Anteil kleinerer Körner nun immer höher, wodurch bald alles vom Hagel angezuckert war. Später fiel dann nur noch dichter, kleinkörniger Hagel zusammen mit weiterhin extremen Starkregen. Dazu gab es weiterhin unzählige Blitzentladungen über der Bergstadt. Nach einigen Minuten gab es schließlich nur noch Starkregen, der noch einige Zeit anhielt und durch welchen der Hagel auf den Straßen und Wegen wieder weitgehend abtaute. Nur zusammengeschwemmt konnten sich Hagelansammlungen von mehr als 20cm, teils über 30 cm halten. Ich begab mich nachfolgend auf Hagelsuche und konnte, trotz eines erheblichen Antauens der Körner, noch einige kompakte und 2,5-3 cm große Körner im Bereich um meinen Standort finden. Zuvor waren diese noch 3-4 cm groß. Durch den Hagel wurden viele Autos im Stadtgebiet beschädigt und wiesen Dellen auf. Zudem gingen mancherorts Gewächshausscheiben zu Bruch. Auch in der Landwirtschaft gab es einige Schäden. Durch den heftigen Starkregen gab es in Marienberg und Umgebung zudem mehrere Einsatzstellen für die Feuerwehr. Unweit meines Standortes wurde die B174 gut einen Meter hoch von Wasser, Schlamm und Hagel überschwemmt und musste mehrere Stunden gesperrt werden. Hier waren Wassermassen von den Feldern zusammengelaufen. Auch im nicht weit entfernten Wiesa gab es eine Schlammlawine. In Steinbach gab es dagegen einen Dachstuhlbrand in Folge eines Blitzschlages.

 

Aufziehende Superzelle im Erzgebirge gegen 21 Uhr...

 

Die Superzelle liegt zu diesem Zeitpunkt über Annaberg-Buchholz...

 

Bedrohlich kommt das Unwetter immer näher, Blitze zucken im Sekundentakt...

 

Der Himmel bzw. Niederschlag färbt sich unter der schwarzen Wolkenbasis türkisgrün...

 

Die Farbe lässt heftigere Begleiterscheinungen erahnen...

 

Marienberg Lauta - einsetzendes Hagelunwetter mit Sturm und 3-4 cm großen Körnern...

 

Der Boden ist rasch mit Hagelkörnern bedeckt...

 

Nach einigen Minuten werden die Körner kleiner, fallen aber noch eine Zeit lang recht dicht vom Himmel...

 

Nach dem Unwetter gesammelte, bereits stark angetaute Hagelkörner...

 

Zusammengeschwemmter Hagel bei Marienberg...

 

Abziehendes Unwetter mit Blick auf Marienberg...

 

Hier noch das Video zur Superzelle und zum Hagelunwetter bei Marienberg (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=_sHsd0hBmLI)


Das Unwetter wandelte sich nachfolgend von einer HP-Superzelle in ein ausgeprägtes Bow-Echo um, wobei sich ein deutliches, rückseitige Drehzentrum am Nordende des Bows ausbildete.  Am Südende setzte ein neuer Superzellzyklus ein. Während die Bow-Struktur nun über Freiberg abzog, wurden weitere Erzgebirgsorte, später Orte im Osterzgebirge wie Glashütte oder Bärenfels, von der neuen Superzelle getroffen. Hier gab es Hagel von 3-5 cm Durchmesser, teils knapp darüber. Gerade im Raum Bärenfels wurden dabei sogar Dächer beschädigt und Schiefer gingen zu Bruch. Die heftige Gewitterlinie zog nun nach Nord/Nordosten weiter. Gegen 23 Uhr zogen nun auch die Zellen, die zuvor in Bayern entstanden waren, Richtung Prag auf – aber in verclusterter Form. Zwischen beiden Systemen schloss sich nun die Lücke durch Neubildungen. Diese neuen Zellen waren auch lokal nochmal superzellig und brachten beispielsweise südlich von Pirna ebenfalls nochmal Hagel bis 5 cm Durchmesser hervor.


Das gesamte Gewittersystem bestehend aus beiden vereinigten Gewitterclustern reichte gegen Mitternacht von Berlin bis Prag. Allerdings ging nun die Unwettergefahr durch Hagel immer mehr zurück. Einige Sturm und Wasserschäden traten in der Nacht nun noch in der Osthäfte von Sachsen und hoch nach Berlin auf, bevor das Gesamtsystem im Laufe der 2. Nachthälfte schließlich nach Polen rauszog. Die Luftmasse selber wurde aber am 11.06. bereits durch Tief Klaus wieder zurückadvehiert, wodurch erneut Unwettergefahr im Osten Deutschlands bestand.


Tag 2 – 11.06.2019 – Unwetter und LP-Superzellen in Sachsen


Der neue Tag begann mit Hochnebel, durch welchen sich die Sonne erst einmal kämpfen musste. Zugleich gelangte die feuchtwarme Luftmasse auch immer weiter wieder nach Westen zurück. Gegen Abend bestand bereits wieder Unwettergefahr für Sachsen. Trotz späterer Sonneneinstrahlung ab Mittag gingen die Temperaturen in Sachsen vielerorts auf 30-33°C hinauf. Die Taupunkte lagen bei 18-21°C. Viele tausend Joule pro Kilogramm an Energie steckten in der Atmosphäre. Gegen Abend wurden durch eine neue Bodentiefbildung in Böhmen sowie eine Konvergenz in Ostsachsen Gewitter ausgelöst. Zunächst entwickelte sich ab 17:30 Uhr eine starke LP-Superzelle bei Elstra zwischen Bautzen und Dresden. Zunächst war es ein Leftmover, bevor ein Zellsplit erfolgte und auch ein Rightmover entstanden war. Die Unwetter verursachten Hagel von 3-4, teils sogar einige Körner bis 7 cm Durchmesser! Es gab entsprechende Hagelschäden und auch auf der A4 wurden Autos beschädigt und Autoschreiben eingeschlagen. Später löste es dann, bedingt durch die oben angesprochene Bodentiefbildung, noch verbreiteter in Mittelsachen bis Dresden hin aus. Rasch konnten sich die Zellen zur Left- oder Rigtmovern organisieren. Allgemein neigten die Gewitter an dem Tag zum Zellsplit. Eine Mesozyklone bildete sich gegen 19:50 Uhr bei Freiberg und zog anschließend von Freiberg über Großschirma nach Nossen weiter. Hier gab es Starkregen und lokal Hagel bis um 2 cm.

 

LP-Superzelle bei Großschirma gegen 20 Uhr...

 

Eine noch stärkere LP-Superzelle entwickelte sich anschließend wieder nahe Freiberg, zog diesmal aber über Reinsberg nach Nossen. Diese Zelle dokumentierte ich gegen 20:45 Uhr von Neukirchen bei Tanneberg aus. Die Zelle produzierte dabei bis um 3 cm großen Hagel bei Siebenlehn.

 

Weitere LP-Superzelle bei Reinsberg gegen 20:45 Uhr...

 

Bedrohliche Wolken über der Region...

 

Nachfolgend gingen vor allem von Nossen über Niederschöna, Hilbersdorf, Bobritzsch bis Frauenstein neue Zellen hoch, teils wieder mit zeitweiligen Mesozyklonen. Dabei entwickelte sich auch ein Tornado bei Mulda, der einige Dächer beschädigte und Äste ab- sowie Bäume umbrach. Ich verlegte nun wieder nach Freiberg zurück und positionierte mich in Hilbersdorf östlich von Freiberg. Gegen 21 Uhr setzte hier ein heftiges Gewitter mit anhaltendem Starkregen und kleinkörnigem Hagel ein, wobei zeitweise auch etwas größere Körner bis um 2, ev. bis 2,5 cm dabei waren. Weiter südlich meines Standortes um Weißenborn herum sollen auch um 3 cm große Hagelkörner gefallen sein. Die Blitzrate war hoch und immer wieder gab es kraftvolle, recht nahe Erdentladungen. Darunter waren auch einige sehr starke Blitze mit mehr als 100.000 Ampere. Immer wieder fiel nach starken Blitzen die Straßenbeleuchtung im Ort für einige Sekunden aus. Erst nach mehr als 40 min zog das Gewittersystem unter Abschwächung nordwärts ab. Binnen dieser Zeit fielen 40-50, teils mehr als 50 mm Niederschlag zwischen Frauenstein und Freiberg. Feuerwehren waren in dem Gebiet wegen Überschwemmungen, Schlamm auf Straßen und vollgelaufener Keller im Einsatz. Teils, wie bei Mulda, gab es auch Sturmschäden. Freiberg hatte sehr viel Glück, denn das Starkgebiet wurde vom stärksten Regen verschont, wodurch größere Überschwemmungen in der Bergstadt ausblieben.

 

Schweres Gewitter über Hilbersdorf bei Freiberg gegen 21 Uhr...

 

Heftiger Starkregen und Hagel fallen in der Region, dazu gibt es zahlreiche Blitzentladungen, u.a. auch kraftvolle Erdentladungen und nahe Einschläge...

 

Der Starkregen führt vielerorts zu Überschwemmungen...


Nach dem Unwetter bildeten sich auch neue Zellen, wie bei Frankenstein westlich von Freiberg. Die Zelle zog noch bis Nossen weiter und brachte lokal sogar Hagel bis 3 cm im Durchmesser. Noch beeindruckender aber war das, was mittlerweile über Nordwestsachsen stand. Hier hatten sich zahlreiche schwere Gewitter, teils auch Superzellen gebildet, und ein größeres Gewittersystem geformt, dass Richtung Norden zog. Am Südende im Bereich Döbeln bis Geithain bildeten sich besonders starke Zellen, aus denen es zeitweise fast im Sekundentakt blitze. Erhebliche Überschwemmungen wurden aus diesen Regionen gemeldet, bevor im Laufe der Nacht das ganze System Richtung Brandenburg abzog und dort noch mit Starkregen Unwetterkriterien riss.

 

Blitzentladungen aus einer starken Zelle bei Geithain...

 

 


Heftige Gewitter bildeten sich an dem Tag auch noch an der Grenze Hessen-Thüringen und in Teilen Bayerns sowie in Polen nahe der deutschen Grenze. In Polen gab es eine starke Superzelle mit vielerorts Hagel von 5-6 cm, teils deutlich über 6 cm Durchmesser. Durch die Gewitter aus Bayern wurde im Laufe der Nacht auch nochmal Westsachsen von Gewittern behelligt. In der 2. Nachthälfte bis zum Morgen zogen dann alle Gewitter in Deutschland unter Bildung eines großen konvektiven Gewittersystems nordwärts zur Ostsee ab. Doch damit war die Unwetterlage noch nicht beendet und es ging am 12. Juni weiter.

 

Tag 3 – 12.06.2019 – Superzellen und Unwetter in Sachsen


Tag 3 startete gleich sonnig und es wurde rasch mit Höchstwerten um 30 Grad unangenehm heiß. Die Taupunkte lagen wieder bei 17-21°C, es lag also nach wie vor viel Feuchte in der Luft. Nur bei Chemnitz konnte sich zeitweilig ein föhniger Bereich mit niedrigeren Taupunkten ausbilden. Erste Zellen löste es an diesem Tag früher aus, bereits gegen 14 Uhr ging es im Vogtland, um Cheb herum und im Thüringer Wald los. Gegen 15 Uhr gewitterte es bereits heftig zwischen Karlsbad und Gera. Nun bildeten sich auch Superzellen aus. Eine Zelle entwickelte sich bei Zwickau und zog anschließend über Glauchau und Penig weiter, eine zweite entstand direkt am Erzgebirge bei Pöhla und zog ins Erzgebirge hinein und nachfolgend Richtung Chemnitz. Auch rückseitig der ersten Gewitter bildete sich im Vogtland eine starke Zelle mit größerem Hagel und heftigen Starkregen.


Ich versuchte, die Zwickauer Zelle bei Leisnig an der A14 abzufangen und stationierte mich dort nahe der Autobahn gegen 16 Uhr. Von Südwesten her war der äußerst dynamische Aufzug der Superzelle erkennbar, die zeitweise gewaltige Blitzraten von gut 100 Entladungen pro Minute hervorbrachte. Davon konnte man am Tag aber nur einen kleinen Teil sehen. Der RFD der Zelle wurde immer deutlicher sichtbar und dort herrschte eine ungeheure Dynamik. Kein Wunder, dass die Zelle gegen 16 Uhr bei Tauscha nahe Penig sogar einen kurzlebigen Tornado produzierte, der Dächer beschädigte, Bäume entwurzelte und sogar eine Giebelwand zum Einsturz brachte. Allgemein war die Zelle mit sehr viel Wind unterwegs. Von Zwickau bis Hohenstein gab es im FFD zusammen mit Starkregen heftigste Böen, die orkanartig waren oder sogar Orkanstärke erreichten. Zahlreiche Bäume und Äste konnten hier dem Unwetter nicht standhalten und Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Großer Hagel ist aus der Zelle dagegen nicht bekannt. Hier war die Zelle am Erzgebirge markanter, da diese Hagel von 3-4 cm Durchmesser verursachte, wie u.a. in Raschau oder im Schwarzbachtal. Auch einige umgestürzte Bäume wurden durch der Zelle gemeldet. Unterdessen bildete sich sogar eine 3. Superzelle südwestlich von Leipzig, die nach Nordsachsen hineinzog und dort ein schweres Hagelunwetter mit bis zu 7 cm großen Körnern hervorbrachte. Warum die mittlere Superzelle trotz ihrer Ausdehnung keinen Großhagel produzierte und eher sehr winddominant war, ist schwer zu beurteilen. Eventuell kann hier die trockenere Luft, die zuvor bei Chemnitz vorhanden war, eine solche Ausprägung zu einem besonders downburstgefährlichen Gewitter (Stichwort Verdunstungskälte) begünstigt haben. Die Hagelbildung (größerer Hagel) war gleichzeitig unterdrückt.


Doch nun weiter zu meinen Beobachtungen. Mich erreichte die Zwickauer bzw. die über Penig ziehende Superzelle gegen 16:20 Uhr bei Leisnig. Der Aufzug war wirklich beeindruckend und gänzehauterregend. Ich rechnete mit heftigem Hagel und Wind. Doch letztlich ging der stärkste Bereich knapp westlich an mir vorbei, während es an meinem Standort einige, teils trockene Hagelkörner von 2-2,5 cm Durchmesser gab, dann kurz Starkregen und gleichzeitig heftige Böen, geschätzt bis um 100 km/h. Nach 1-2 Minuten war eigentlich alles durch. Durch den heftigen Sturm gab es einige Sturmschäden, weiter Richtung Westen auch kleinere Überschwemmungen, da es hier etwas länger heftigen Starkregen gab. Großer Hagel trat aber nicht auf. Die Zelle zog dann noch bis nach Brandenburg weiter.

 

Aufziehende Superzelle bei Leisnig gegen 16 Uhr...

 

Die Strukturen sind sehr beeindruckend...

 

Der riesige Aufwindbereich der Zelle...

 

Kurzer Hagel, Starkregen, schwerer Sturm...


Ich verlegte nun zurück nach Nossen und von dort nach Dippoldiswalde, da sich inzwischen aus der Erzgebirgszelle und weiteren Neubildungen eine kleine Linie gebildet hatte, die von Freiberg nach Dresden zog. Am Südende bei Dippoldiswalde hing wieder eine starke Zelle, die auch Hagel um 3 cm produzierte, lokal etwas darüber. Ich erwischte die Zelle zwischen 17:30 und 17:45 Uhr. Zwischen Bannewitz und Dippoldiswalde gab es heftigen Starkregen, kleinkörnigen Hagel und Sturm. Kurz danach schwächte sich das Gewitter wieder ab. In der Region gab es aber zahlreiche Feuerwehreinsätze durch Überschwemmungen und Schlammlawinen. Bei Hausdorf gab es einen Hagelsturm, wobei ich noch bis 2,5 cm große Körner finden konnte. Die Originalgrößere wird sicher um 3 cm gewesen sein.

 

Heftiges Gewitter über der Region Dippoldiswalde gegen 17:30 Uhr...

 

Heftiger Starkregen bei Karsdorf...

 

Bei Hausdorf lassen sich nach dem Gewitter noch bis zu 2,5 cm große Hagelkörner finden...

 

Vielerorts in der Region gibt es Überschwemmungen...

 

Danach zogen die Gewitter nach Ostsachsen weiter und es gab rückseitig einen deutlichen Luftmassenwechsel hin zu kühlerer Luft. Die schadensträchtige Unwetterserie in Ostdeutschland, speziell auch in Sachsen mit Hagelschlag und Überschwemmungen, zwei Tornados und lokal erheblichen Sturmschäden, war damit beendet. 

 

Nachfolgend noch einige Aufnahmen von den Tornadoschäden in Tauscha bei Penig, welche im Rahmen der Superzelle entstanden waren, die ich am 12. Juni später bei Leisnig beobachtete. Die Fotos wurden von Bernd März aufgenommen. Vielen Dank für die Eindrücke.

 

Abgedecktes Scheunendach und nach außen abgestürzter Giebel... (Aufnahme Bernd März)

 

Umgestürzte Bäume in der Ortslage (Aufnahme Bernd März)

 

Mehrere Dächer wurden im Ort beschädigt... (Aufnahme Bernd März)

 

Hier wurde der ganze Dachaufbau eines Schuppens davongetragen... (Aufnahme Bernd März)

 

Zuletzt noch ein kleiner Videozusammenschnitt von den Unwettern am 11. und 12. Juni in Sachsen:

 

Zusammenschnitt mit Eindrücken von den schweren Gewittern am 11. und 12. Juni in Sachsen (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=kvcFjt8Xmmw)

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 16. September 2019

                  

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