Hagelunwetter und weitere schwere Gewitter am 20.08.2012

 

Hoch Achim über Mitteleuropa und Tief Xenja mit Lage über Großbritannien führten ab dem 18.08. zu einem massiven Heißluftvorstoß über Mitteleuropa. Vor allem am 19.08. und 20.08. wurden in Deutschland Temperaturen von verbreitet 33-36°C, teils über 39 °C erreicht. Dazu sanken die Nachttemperaturen kaum unter 20°C. Nachdem eine starke Inversion am 19.08. noch jegliche Konvektion unterdrückte, änderte sich diese Situation am 20.08.12. Vor allem in Sachsen wurden an diesem Tag nochmals sehr hohe Temperaturen von lokal >39°C gemessen, teils Rekordwerte aufgestellt. Auf dem 1214 m hohen Fichtelberg im Erzgebirge wurde mit >30°C sogar ein Hitzetag registriert!

 

Sonne und Hitze in Sachsen am 20.08.2012

 

Ab den Nachmittagstunden labilisierte es mit Bildung eines neuen Bodeniefs namens Yva über Mitteldeutschland. In Sachsen bildete sich in extrem heißer Luft ab 17:15 Uhr die erste Zelle bei Werdau nahe Zwickau. Bereits 17:45 Uhr wies die Zelle einen markanten Hagelkern bei Zwickau auf. Der massive Eisschirm und der kräftige, geneigte Aufwind deuteten bereits auf ein organisiertes Gewitter hin. Ich beschloss daher, Richtung Stollberg in die Zugbahn des Gewitters zu fahren. Auf dem Weg dorthin verstärkte sich die Zelle weiter, die Basis wurde immer markanter und bedrohlicher.

 

aufziehende 1. Zelle aus Richtung Zwickau

 

Die Basis des Gewitters wird immer bedrohlicher...

 

Kurz vor 18:30 Uhr erreichte ich das Gewitter zwischen Brünlos und Zwönitz. Heftiger Starkregen und Sturm setzten ein, später fielen erste Hagelkörner vom Himmel. Der Hageldurchmesser nahm nun immer weiter zu, bis schließlich 5-6 cm große Hagelkörner vom Himmel fielen und beim Aufschlag auf die umliegenden Wiesen wieder meterhoch empor sprangen. Nach 10 Minuten war das Unwetter vorbei und die Zelle zog Richtung Gelenau weiter. Ich sammelte derweil einige der zuvor gefallenen Schlossen auf.

 

einsetzender Hagel zwischen Zwönitz und Brünlos

 

die Körner werden immer größer

 

Autos suchen Schutz unter Bäumen - eine nicht ungefährliche Entscheidung

 

Wiese mit großen Hagelkörnern

 

Hagelkörner in meiner Hand, aufgesammelt an meinem Standort während der Zellpassage

 

3 weitere Exemplare von diesem Standort mit bis zu 6 cm Durchmesser

 

Weiter ging es Richtung Brünlos. Auf dem Weg dorthin sah man massiv heruntergehageltes Laub. Viele Autos hatten zudem unter Bäumen vor den Körnern Schutz gesucht. In Brünlos selber ein ähnliches Bild. Hagel mit bis zu 6 cm Durchmesser. Weiter ging es Richtung Dorfchemnitz. Am Südende von Thalheim Richtung Dorfchemnitz fand ich weiterhin Hagel mit bis zu 6 cm Durchmesser.

 

Hagelkörner in Brünlos

 

Hagelkörner, gesammelt zwischen Thalheim und Dorfchemnitz

 

Dort traf ich dann zufälligerweise auch den Chaserkollegen Bernd März. Wir beschlossen, die Zelle zusammen weiter zu verfolgen und fuhren Richtung Gelenau dem Gewitter hinterher. Der Hagelkorndurchmesser der gefundenen Schlossen nahm aber Richtung Gelenau immer weiter ab. Etwa 19 Uhr zerfiel die potenzielle Superzelle zunehmend hinter Gelenau. Grund dafür waren möglicherweise massive Neubildungen südlich der ersten Zelle im Raum Aue. Wir brachen daher die Verfolgung der ersten Zelle ab und widmeten uns dem nachrückenden System.

 

Es ging zurück nach Dorfchemnitz. Auf einer Anhöhe vor dem Ort beobachteten wir gegen 19:25 Uhr den Aufzug des dynamischen Systems. Auffallend war diesmal der hohe Anteil an positiven Erdentladungen neben unscheinbaren Wolkenblitzen, welche über dem Ort zu Boden gingen!

 

heftige Blitzentladungen über Zwönitz-Dorfchemnitz

 

Nachglühen des positiven Erdblitzes, deutlich ist hier auch die Einschlagstelle erkennbar

 

weitere Entladungen...

 

 

 

Aufnahme aus dem Ort Dorfchemnitz

 

auch hier wieder mit deutlichem Nachglühen der Blitzentladung

 

Weiter ging es Richtung Zwönitz in den Core. Dort kamen wir erneut in Hagel, diesmal waren die größten Körner 2-3 cm groß. Immer wieder gab es Naheinschläge. Wir verfolgten dieses System noch bis nach Zschopau. Ständig krachten gewaltige Entladungen in die umliegenden Felder und Wälder. Ab Amtsberg kamen wir erneut in den Core, diesmal gab es nur kleinen Hagel, aber weiterhin heftigsten Starkregen und diesmal auch schweren Sturm. Ab Zschopau schwächten sich die Gewitter langsam ab, sodass wir in Richtung Heimat zurückfuhren.

 

Situation kurz vor Zwönitz Richtung Elterlein

 

Hagel und Starkregen aus der Zelle bei Zwönitz

 

immer wieder krachen kräftige Entladungen in die umliegende Landschaft

 

Wolkenbruch und heftiger Sturm bei Amtsberg

 

Richtung Zwickau und Aue gab es nachfolgend noch einige kurzlebige, aber recht intensive Zellen, bevor sich die Lage in Südwestsachsen wieder beruhigte. Richtung Ostsachsen bildete sich derweil ein mächtiger Gewitterkomplex aus, welcher mit beeindruckenden Blitzraten auf sich aufmerksam machte und auch Schäden durch Sturm und Regen verursachte.

 

Die Gewitter in Südwestsachen waren allsamt sehr hagelträchtig. Vielerorts fiel Hagel von 2-3 cm  Durchmesser vom Himmel. Die erste Zelle, welche bei Zwickau entstanden war, verursachte dabei sehr großen Hagel mit bis zu 6 cm Durchmesser im Raum Stollberg und Zwickau. Möglicherweise handelte es sich hierbei um eine Superzelle. Durch den von dieser Zelle verursachten Hagelschlag gab es vielerorts Schäden an Fahrzeugen und teils sogar an Hausdächern. Die 2. von uns dokumentierte Entwicklung bei Zwönitz brachte zuvor in Lössnitz ein heftiges Hagelereignis. Dort konnten sich Hageldecken ausbilden und maximale Körner von 3-4 cm Durchmesser nachgewiesen werden.

 

Zuletzt noch ein Video von der ersten Hagelzelle mit bis zu 6 cm großen Hagelschlag zwischen Stollberg und Zwönitz:

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=XNAnL3PhLo8)

 

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 27. März 2017

                  

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