Gewitter und lokale Unwetter am 23. September 2020 in Teilen Sachsens

 

Nach einem teils ausgesprochen warmen September mit Tageshöchstwerten bis um 30°C stellte sich ab der 3. Dekade ein Wetterwechsel ein. Am 23. des Monats wurde zunehmend schwülere Luft aus Südwesten herangeführt, die Temperaturen erwärmten sich dabei im Norden und Nordosten von Sachsen nochmal auf sommerliche 25-27°C.


Bereits ab den Mittagsstunden entwickelten sich mit Sonnenunterstützung erste Quellwolken Richtung Erzgebirge. Erste Gewitter entstanden im Fichtelbergumfeld und bei Annaberg. Die Gewitter zogen recht langsam, sodass lokal größere Regenmengen zusammen kamen. Durch die abgeernteten Felder gab es teils Probleme mit Schlammausspülungen.


Gegen 14 Uhr ging es dann auch im Raum Freiberg bis Dresden mit Gewittern weiter. Erste Zellen bei Langenau und Frauenstein südlich von Freiberg entwickelten sich zu einem starken Gewittersystem. Parallel dazu gab es östlich von Dippoldiswalde und bei Dresden Gewitter. Letzteres führte in Bannewitz zu einer Schlammlawine.


Doch weiter zu dem System südlich/südöstlich von Freiberg. Ich verlegte nun von Freiberg nach Weißenborn und folgte dem Gewittersystem bis Pretzschendorf. Von dort ging es über Beerwalde nach Ruppendorf. In Beerwalde entlud sich – es war mittlerweile kurz nach 15 Uhr - ein kräftiges Gewitter mit Blitzraten von 10-15 Entladungen pro Minute, allerdings waren es fast ausnahmslos Wolkenblitze. Im Umfeld von Beerwalde wurde durch den Starkregen Schotter und Schlamm auf die Fahrbahn gespült. Gegen 15:15 Uhr kam ich in Ruppendorf an und verlegte weiter Richtung Paulshain. Dort ging nun extremer Starkregen nieder, dummerweise über einem größeren abgeernteten Feld mit Abflussrichtung Ruppendorf.

 

Anfahrt auf das Gewittersystem südlich/südöstlich von Freiberg...

 

Vor Frauenstein, von hier geht es weiter nach Pretzschendorf - dem System hinterher…

 

Und weiter geht es von Pretzschendorf nach Beerwalde…

 

Bei Beerwalde - Starkregen und erste Überschwemmungen...

 

Auch in Beerwalde sieht es nicht anders aus...

 

Ruppendorf Richtung Paulshain - heftiger, teils extremer Starkregen geht hier nieder...

 

Die Felder können das Wasser so schnell nicht aufnehmen...

 

Nach einigen Minuten stehen die Felder und Wege hier unter Wasser...


Nach dem Unwetter verlegte ich nun wieder zurück nach Ruppendorf, da ich mit einer Schlammlawine im Ort rechnete. Und so kam es dann auch. In Ruppendorf Richtung Reichstädt schoss an mehreren Stellen Schlamm auf die Fahrbahn und vereinigte sich am Ortsausgang Ruppendorf zu einer größeren Schlammlawine, welche sich dort auf Grundstücke und Straßen ausbreitete. Keller und Garagen liefen voll. Auch das Gerätehaus der Feuerwehr war betroffen. Die Ortsfeuerwehr wurde zunächst wegen einer Unwetter-Hilfeleistung nach Beerwalde alarmiert, musste dann aber stundenlang erstmal im eigenen Ort tätig werden. Schlimmer hat es wohl sogar noch den Ortsteil Borlas getroffen. Auch hier waren Häuser und Keller betroffen sowie auch das Gerätehaus der Feuerwehr. Angeblich kamen in dem Gebiet um Ruppendorf binnen 1 h 30-40 mm Niederschlag zusammen, das Meiste davon binnen deutlich kürzerer Zeit.

 

Entstehende Schlammlawine unterhalb abgeernteter Felder am Ortsausgang Ruppendorf…

 

Die Schlammlawine wird immer größer...

 

Auch an anderen Stellen bahnt sich der Schlamm den Weg ins Tal...

 

Blick auf die abziehende und sich unterdessen langsam abschwächende Gewitterzelle...

 

Zurück am Ortseingang Ruppendorf, wo die Schlammlawine mittlerweile beachtliche Dimensionen angenommen hat...

 

Der Schlamm breitet sich hier auch auf Siedlungsfläche aus und überschwemmt mehrere Grundstücke...

 

Die Ortsdurchfahrt bis zum Abzweig Paulshain ist von Schlamm überspült...

 

Anwohner und Feuerwehr versuchen, denn Schlamm von den Häusern fernzuhalten...

 

Nachfolgend ein kurzes Video mit ein paar Sequenzen zum Unwetter in Ruppendorf…

 

Kurzes Video zum Unwetter in Ruppendorf… (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=DK35ZcMmV-M)


Das Unwetter zog anschließend unter Abschwächung ostwärts weiter. Bei Freiberg bildete sich bereits eine neue Zelle, welche ich aber nicht mehr rechtzeitig erwischte. Nachfolgend ging bei Oederan aber noch ein Gewitter nach oben, welches gegen 17 Uhr Freiberg traf – vor allem den Raum Halsbrücke. Dieses Gewitter konnte ich abfangen. In Halsbrücke gab es durch das Gewitter teils extremen Starkregen und einzelne kleine Hagelkörner. Nach einigen Minuten zog das System dann unter Abschwächung nach Osten ab. Lokal gab es einige Schlammausspülungen, die aber keine Siedlungsfläche betrafen.

 

Gewittersystem gegen 17 Uhr bei Freiberg...

 

Ein kräftiger Niederschlagsvorhand senkt sich über der Region Halsbrücke...

 

Blick auf Halsbrücke...

 

Halsbrücke Richtung Freiberg - heftiger, teils extremer Starkregen geht hier nieder...

 

 

Auch hier gibt es lokal Schlammausspülungen, die allerdings keine Häuser bedrohen...


Damit ging ein überraschend kräftiger Gewittertag mit lokal unwetterartigen Entwicklungen zu Ende. In Ostsachsen entwickelten sich auch noch einige kräftige Gewitter, bevor sich die Lage beruhigte. Am Folgetag wurde es nochmal warm, bevor dann mit einer Kaltfront und anschließenden Dauerregenlage deutlich kühlere und herbstliche Luft einfloss.

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 26. Oktober 2020

                  

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