Schwere Gewitter an Luftmassengrenze am 27. April 2015

 

Tief Vasco führte am 27. April zu einer markanten Luftmassengrenze über Deutschland. Über Bayern und Sachsen wurden dabei Temperaturen von 20-25°C erreicht. Bereits in Sachsen-Anhalt und Hessen lagen die Tageshöchstwerte lediglich bei 10-13°C. Das Bodentief Vasco führte zudem zu einem markanten Hebungsantrieb, wodurch sich teils kräftige Niederschläge bildeten. In der warmen Luft entstanden ab den Mittagsstunden heftige Gewitter, welche nach Nordosten weiterzogen.


Gegen 12 Uhr entwickelte sich bei Schleiz in Thüringen eine erste Gewitterzelle, welche unter deutlicher Verstärkung von Gera Richtung Chemnitz zog. Bei Meerane verursachte die Zelle dichten Hagel um 2 cm im Durchmesser mit Hagelansammlungen und angezuckerten Wiesen und Feldern. Zudem verursachte der heftige Starkregen Überflutungen und Schlammlawinen. Zahlreiche Feuerwehren waren im Einsatz.


Ich versuchte die Zelle im Raum Chemnitz abzufangen. In der Zwischenzeit entwickelten sich auch weiter südlich neue Gewitterzellen. Ich erwischte das angesprochene Gewitter gegen 16 Uhr bei Chemnitz, wo sich die Zelle jedoch zeitweise abschwächte. Richtung Niederwiesa verstärkte sich das Gewitter nochmals kurzzeitig und es gab heftigen Starkregen und einige Naheinschläge. Nachfolgend setzte sich allerdings eine Neubildung direkt vor dieser Zelle bei Oederan durch und zog weiter Richtung Dresden. Kurz vorher hatte sich über dem Erzgebirge im Raum Annaberg zudem eine markante Superzelle gebildet, welche Hagel bis 4 cm im Durchmesser bei Wolkenstein verursachte. Auch diese Zelle schwächte sich nachfolgend zugunsten der Neuentwicklung bei Oederan ab. Mittlerweile hatte sich ein größeres, konvektives System über Südsachsen gebildet, wobei die angesprochene Zelle bei Oederan die heftigste Entwicklung an diesem Niederschlagsgebiet darstellte.

 

Gewitterzelle über dem Raum Chemnitz gegen 16 Uhr...

 


Ich verfolgte das Gewitter bei Oederan anschließend Richtung Freiberg und kam zwischen Freiberg und Oberschöna in sehr heftigen Starkregen, welcher auch mit Hagel um 1 cm im Durchmesser gepaart war. Nachfolgend positionierte ich mich bei Freiberg kurz vor dem eigentlichen Niederschlagskern und beobachtete den Aufzug des Gewitters. Der heftigste Teil zog nachfolgend knapp südlich an mir vorbei. Teils gab es im Süden Freibergs sehr dichten Hagel bis 1,5 cm im Durchmesser und es konnte sich eine Hageldecke ausbilden.

 

Gewitterzelle bei Oederan - Richtung Freiberg ziehend...

 

Kurz vor Freiberg - einsetzender Hagel und Starkregen...

 

 

In Freiberg knapp vor dem Niederschlagskern...

 

Starkregen setzt ein - der Hagelkern zieht südlich vorbei...

 

Dennoch gibt es heftigen Starkregen...


Das Gewitter zog weiter Richtung Dresden. Ich verfolgte die Zelle noch etwas und kam zeitweise in heftigen Starkregen, bevor ich die Zelle im Berufsverkehr zunehmend verlor. Vor dem Niederschlagsgebiet löste es nun vermehrt aus und es gab einige heftige Gewitter an der Ostflanke des Systems. Das mittlerweile entstandene MCS zog unter langsamer Abschwächung weiter nach Ostsachsen.


Die Gewitter an diesem Tag fielen ungewöhnlich heftig aus. Hagel bis 4 cm im Durchmesser, teils dichter Hagelschlag um 1-2 cm im Durchmesser mit erheblichen Hagelansammlungen sowie Überflutungen führten vielerorts zu Behinderungen und Schäden. Mit den Gewittern wurde es zudem deutlich kälter. Am nächsten Morgen hatte es über 20°C abgekühlt und der mittlerweile einsetzende Regen ging nach und nach in kräftigen Schneefall über. Die Temperaturen lagen bei 0-3°C im Erzgebirge und im Vorland. Es schneite bis auf 400 m hinab zeitweise kräftig und eine Schneedecke von einigen Zentimetern konnte sich ausbilden. Selbst in Freiberg waren es noch 2-4 cm Neuschnee. Allerdings taute im Laufe des Nachmittags mit dem Abziehen der Niederschläge und mit Ansteigen der Temperaturen die Schneedecke rasch wieder ab.

 

Kräftiger Schneefall am nächsten Morgen...

 

Die Temperatur ist um über 20°C gefallen!


Damit endete die erste markante Unwetterlage 2015, welche binnen 12 h einen Temperatursturz von mehr als 20°C mit sich brachte.


 

© Michel Oelschlägel

Datum: 18. Dezember 2017

                  

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