Unwetter mit extremen Niederschlägen u.a. in Leipzig und Delitzsch am 29.7.2014

 

Die Tiefdruckgebiete Paula und Quintia beeinflussten dieser Tage das Wettergeschehen in Mitteleuropa. Die Folge war eine labile, aber sehr gradientschwache Lage, wodurch sich bildende Gewitter kaum verlagerten und lokal für große Niederschlagssummen sorgten. So war es auch am 29.7.2014. Ein erstes Multizellengewitter bildete sich am Erzgebirgskamm gegen 12:15 Uhr bei Holzhau und verlagerte  sich nachfolgend Richtung Norden. Gegen 13:45 zog das Gewitter westlich an Dippoldiswalde vorbei. Zu diesem Zeitpunkte konnte ich das Gewitter bei Ruppendorf abfangen. Sehr heftiger Starkregen ging über dem Ort nieder. Wenig später zog das Gewitter Richtung Tharandt weiter, wo es sich schließlich abschwächte. Vor allem bei Paulsdorf nahe Dippoldiswalde ging das Gewitter auch mit Hagel bis 1 cm und mit Sturmschäden einher, einzelne Bäume knickten um. Lokal gab es zudem Probleme durch den heftigen Starkregen.

 

Gewitterentwicklungen ab dem Mittag im Osterzgebirge

 

Heftiger Starkregen in Ruppendorf bei Dippoldiswalde...


Nachfolgend passierte erst einmal recht wenig in Mittelsachsen, während sich über Westsachsen, Ostthüringen und Nordsachsen heftige Gewitter in Form größerer Gewittercluster entluden. Besonders heftig waren die Gewitter im Raum Altenburg in Ostthüringen zwischen 15 und 16 Uhr. Diese Gewitter verlagerten sich nachfolgend zunehmend nach Norden Richtung Leipzig. Daher verlegte ich schon zuvor meinen Standort Richtung Leipzig, genauer in die Region Zwenkau südlich von Leipzig. Gegen 16:20 entwickelte sich dort ein neuer Gewitterkern nördlich der auslaufenden Gewitter aus Altenburg mit Zugrichtung Nord.

 

neue Gewitterzelle über Zwenkau bei Leipzig


In der Nähe des Cospudener Sees südlich von Leipzig wurde ich von der neuen Gewitterzelle verschluckt. Es gab heftigen Starkregen. Weiter ging es Richtung Leipzig. In Grünau-Ost wurde der Starkregen extrem heftig. Der wirklich außergewöhnlich extreme Wolkenbruch war zudem mit Hagel bis 1 cm gepaart. Weiter ging es Richtung Zentrum, wo der Regen langsam schwächer wurde. Vor allem der äußere Westen von Leipzig wurde von der Gewitterzelle getroffen sowie die Gebiete um Zwenkau. Dort gab es in Folge des Unwetters viele Feuerwehreinsätze. Während das Gewitter weiter nach Norden zog, quälte ich mich durch den Stadtverkehr von Leipzig. Unterdessen bildeten sich auch östlich von Leipzig neue Gewitter mit Zugrichtung Ostnordost (ONO).

 

Heftiger Starkregen setzt ein...

 

extremer Starkregen in Grünau-Ost (Leipzig)

 

 

Zahlreiche Feuerwehreinsätze sind die Folge...


Gegen 17:45 fuhr ich nördlich von Leipzig wieder auf die Autobahn und kurz darauf Richtung Delitzsch. Unterdessen hatte sich von Osten her eine ausgeprägte Gewitterfront gebildet (welche von der Leipziger Gegend bis nach Potsdam reichte) während die oben angesprochene Leipziger Gewitterzelle Richtung Norden weiterzog und damit in die Zugbahn der Gewitterlinie. Beide Systeme drohten nun bei Delitzsch zu kollidieren, was letztlich auch geschah. Die Situation war sehr bedrohlich und dynamisch zugleich. Gegen 18 Uhr entstand aus beiden Systemen ein großes mit einen Hotspot der Gewitterentwicklung im Raum Delitzsch. Der südliche Teil des Gewitterclusters schien sich über der Delitzscher Region praktisch einzudrehen, wodurch das Gebiet lange im Einflussbereich der Gewitter blieb. Dort gingen binnen 1-1,5 h insgesamt 60-80 mm Regen zu Boden. Im Bereich des stärksten Niederschlages war die Blitzrate nicht besonders hoch. Wesentlich mehr Entladungen gab es etwas nördlich des stärksten Niederschlagscores Richtung Bad-Düben. In diesem Gebiet gab es in der Folge auch einen Dachstuhlbrand, welcher durch Blitzschlag verursacht wurde. Ich hielt mich während des Unwetter zwischen Delitzsch und Krostitz im angesprochenen Starkniederschlag auf. Hagel gab es an meinem Standort allerdings keinen. Nach einer reichlichen Stunde ließ der Regen langsam nach und das Gewitter zog nach ONO ab.

 

Blick Richtung Delitzsch, wo das Gewitter aus Leipzig und die von Osten her aufziehende Gewitterlinie aufeinandertreffen...

 

 

heftiger Starkregen setzt ein

 

Blitzentladungen gibt es vor allem nördlich des Starkregencores

 

anhaltender Starkregen im Raum Delitzsch

 


Die Felder hatte sich durch den Starkregen inzwischen in gewaltige Seenlandschaften verwandelt. Während im Erzgebirge solche Gewitter oft zu Hochwasser und Schlammlawinen führen, war das Problem hier ein anderes. Das Wasser konnte kaum abfließen und stand auf den Feldern und auf den Straßen. Ich fuhr derweil nach Delitzsch, doch weit kam ich nicht. Eine erste Unterführung stand voller Wasser und ein BMW X5 war im Wasser liegengeblieben. Das Wasser stand dort >50 cm hoch. Es war letztlich gar nicht so leicht, in die Stadt zu kommen, da viele Straßen überschwemmt waren. In der Stadt ein ähnliches Bild - überflutete Straßenzüge und vollgelaufene Häuser sowie Keller. Teilweise gab es auch kleinere Sturmschäden, wie abgebrochene kleinere und teils auch größere Äste. Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun und war im Dauereinsatz, um insgesamt 104 Einsätze in Delitzsch abzuarbeiten. Auch das Feuerwehrdepot war vom Wasser betroffen. Darüber hinaus gab es auch in den umliegenden Orten zahlreiche Feuerwehreinsätze in Folge des Unwetters.

 

Die Felder nach dem Unwetter...

 

Überflutungen in Delitzsch

 

In dieser Senke ist ein BMW X5 hängengeblieben und musste von der Feuerwehr geborgen werden...

 

Überall sieht man Feuerwehrleute beim Auspumpen von Kellern und Häusern...

 

Überflutungen im Stadtgebiet von Delitzsch

 

ganze Straßenzüge sind betroffen


Nachfolgend schwächten sich die Gewitter immer weiter ab und es wurde zunehmend neblig. Richtung Ostsachsen entwickelten sich am Abend noch einzelne Gewitter, aber diese erreichten nicht mehr die Intensität der Gewitter zuvor. Damit ging ein heftiger Unwettertag zu Ende, welcher vor allem in Westsachsen, in der Leipziger Region, in Zwickau sowie im Westerzgebirge erhebliche Schäden verursachte. Stark betroffen waren durch die Gewitter auch Ostthüringen und Teile von Sachsen-Anhalt.

 

© Michel Oelschlägel

 

Datum: 27. Juni 2017

                  

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