Hagelunwetter und MCS am 30.06./01.07.2012

 

Massive Warmluftadevktion eines Tiefs über den Britischen Inseln sorgte in Mitteleuropa bereits seit einigen Tagen für schwül-heißes Wetter. Gerade Richtung Westen waren dabei auch schwere Gewitter mit dabei, während im Osten und Süden bisher kaum Konvektion auftrat, da die potenziell hochlabile Luftmasse zu stark gedeckelt war. Doch dies änderte sich im Laufe des 30. Juni. Ein kleiner Randtrog löste bereits am Vorabend und in der Nacht erste Gewitter über Thüringen und Baden-W. aus. Gegen 4:30 Uhr bildeten sich auch in Nordostbayern einige Zellen, welche zu einer Multizelle zusammenwuchsen und Richtung Sachsen zogen. Gegen 5:00 Uhr erreichten sie die Grenze zu Sachsen und damit das sächsische Vogtland. Auch über Thüringen konnte sich ein kleiner Cluster bilden, welcher Richtung Leipzig zog.

 

In Bernsbach (Westerzgebirge) konnte ich gegen 5:30 Uhr den Aufzug des Gewitters über dem Vogtland beobachten. Allerdings schwächte sich das System auf seinem Weg Richtung NO wieder ab, es gab nur kurzzeitig starken Regen und einige Donner.

 

 

aufziehendes Morgengewitter aus dem Vogtland

 

Rückseitig wurden jedoch neue Zellen ausgelöst. Diese Zellen verclusterten später locker mit dem System aus Thüringen. Die Blitzrate war nicht sonderlich hoch und lag zwischen 1-5 Blitzen pro Minute, allerdings gab es viele positive Entladungen.

 

Erdentladung aus neuer Zelle Richtung Erzgebirge, nachfolgend weitere Aufnahmen dazu...

 

 

 

 

 

Gegen 7 Uhr erreichte mich eine Zelle des Verbandes mit kräftigem Starkregen und vereinzelt mal einem Naheinschlag. Rasch zogen die Gewitter Richung Dresden weiter, schwächten sich allerdings nachfolgend immer weiter ab.

 

kräftiger Starkregen zwischen Bernsbach und Aue

 

Nach den Gewittern lockerte es wieder auf und die Sonne konnte fast ungehindert in die feuchte Luftmasse einstrahlen. Entsprechend unerträglich schwül wurde es im Laufe des Nachmittags. Eine erste Zelle löste es im Erzgebirge gegen 16 Uhr bei Marienberg aus. Das kräftige Gewitter zog bis nach Lichtenberg bei Freiberg weiter. Auch weiter westlich wurde gegen 16:45 Uhr eine weitere Zelle ausgelöst. Diese Zelle fiel mir durch ihre markante Basis auf, sodass ich dem System entgegen fuhr. Als die junge Zelle über den Raum Markersbach zog, konnte ich bereits deutliche Rotation erkennen!

 

Zellneubildung über dem Oberbecken bei Markersbach am Nachmittag...

 

... deutliche Rotation ist erkennbar!

 

Ich verlegte meinen Standort weiter Richtung Annaberg, wo ich gegen 17 Uhr in den Abwind des neuen und inzwischen blitzaktiven Systems kam. Schlagartig setzte heftiger Starkregen ein, zu dem sich Hagel von 1-2 cm Durchmesser gesellte. Richtung Annaberg nahm der Hageldurchmesser auf knapp über 3 cm zu, hier fiel der Hagel fast ohne Regen! Ich fuhr anschließend wieder Richtung Core nach Wiesa bei Annaberg. Erneut gab es erst vereinzelten Hagel um 2-3,5 cm, anschließend heftigen Starkegen bei kleineren Hageldurchmessern von 1-2 cm. In Wiesa selbst gab es Überflutungen durch den Starkregen, Richtung Ortskern ging der Niederschlag wieder in größeren Hagel über, wobei erneut der Starkregen nachließ. Direkt im Ort und am Ortsausgang Richtung Warmbad fiel Hagel quasi ohne Regen, wobei die Körner hier 3-5 cm Durchmesser erreichten. Glücklicherweise fiel dieser große Hagel recht einzeln, sodass sich die Schäden in Grenzen hielten.

 

heftiger, mit Hagel gepaarter Starkregen nahe Wiesa bei Annaberg

 

3-5 cm großer Hagel in Wiesa - nahezu ohne Regen fallend

 

die Körner fallen einzeln aus dem Amboss

 

Ortsausgang Wiesa Richtung Warmbad - das gleiche Bild mit bis zu 5 cm großen Schlossen

 

4-5 cm große Hagelkörner, gesammelt in Wiesa

 

Ich folgte dem System noch bis Pockau. Immer wieder kam ich in Starkregen mit 1-2 cm großen Hagelkörnern, oft fiel der Hagel aber auch trocken, wobei weiterhin 2-3, vereinzelt 4 cm im Durchmesser erreicht wurden. Ab Pockau schwächte sich das Gewitter wieder ab, wobei direkt südwestlich eine neue, starke Zelle entstanden war.

 

Weiter Richtung Pockau: Starkregen und kleiner Hagel bei Marienberg

 

Auch diese Zelle hatte einen massiven Aufwind und strukturierte sich immer weiter. Ich fuhr von Marienberg Richtung Großolbersdorf, um an das System ran zu kommen. Vor Großolberdorf setzte heftiger Starkregen und 1-2 cm großer Hagelschlag ein, sodass ich mir ein Beobachtungsplatz abseits der Straße suchte. Nach dem heftigen Wolkenbruch mit Hagel setzte rückseitig nochmal Hagelschlag ein, wobei die Körner bis zu 2,5, vereinzelt um 3 cm groß waren. Nur wenige hundert Meter weiter nördlich direkt in Großolberdorf fielen während des Gewitters Schlossen von bis zu 4 cm vom Himmel.

 

neue Zelle über Scharfenstein bei Zschopau

 

Core mit Starkregen und Hagel bis 2 cm - schön sind hier die fallenden Körner zu sehen

 

nahe Großolbersdorf, Wolkenbruch und Hagel

 

Hagel in Großolbersdorf - 3-4 cm große Körner sind hier gefallen

 

weitere Aufnahme vom Hagel in Großolbersdorf

 

Nachfolgend schwächte sich auch diese Zelle langsam wieder ab. Eine 4. Entwicklung gab es noch Richtung Zwönitz, allerdings erreichte ich diese Zelle nicht mehr, da sie sich vorher wieder abschwächte. Der Abend blieb sonnig und warm, während es Richtung Thüringen und im Vogtland vereinzelt mal ein paar Gewitter gab. Interessant wurde es wieder gegen 23:30 Uhr, als der NO-Teil einen gewaltigen Gewitterclusters aus Bayern/BW die Grenze zu Sachsen erreichte. im Süden hatte das an ein Bodentief gekoppelte System bereits erhebliche Sachschäden verursacht, verbreitet traten Sturm-/ schwere Sturmböen auf, z.T. auch orkanartige Böen und Orkanböen, was lokal erhebliche Sturmschäden nach sich zog. Auch Großhagel mit bis zu 8 cm Durchmesser trat im Vorfeld des Clusters auf. Eine sehr starke Zelle - gebunden am MCS - zog ab 23:30 Uhr in das sächsische Vogtland. Ich verlegte zusammen mit Teamkollegen Daniel Bertram nach Zwickau, um die Zelle besser abfangen zu können. Richtung Vogtland konnte man nun unzählige Blitze beobachten, meist Wolkenentladungen. Die Blitzrate schwankte zwischen 15 und 30 Blitzen pro Minute! Möglicherweise war sogar eine Superzelle in diesem Bereich des MCS integriert, da neben erkennbaren, verdächtigen Radarsignaturen aus dem Vogtland auch Hagelkörner mit bis zu 4 cm gemeldet wurden!

 

aufziehendes Gewitter aus dem Vogtland - beobachtet von Zwickau aus

 

eine Böenfront wird erkennbar

 

Gewitter erreicht das Zwickauer Stadtgebiet...

 

...

 

Kurz nach Mitternacht erreichte das Gewitter Zwickau mit schwerem Sturm und zeitweilig heftigem Starkregen. Ich verlegt nun von Zwickau Richtung Aue, da dort der stärkste Bereich des Cluster hinzog. Richtung Hartenstein konnte man bereits kleinere Sturmschäden erkennen, wie abgebrochene Äste. Ab Hartenstein kam ich wieder in heftigsten Starkregen, immer wieder gepaart mit kleinem Hagel bis 1 cm. Vor allem Richtung Lössnitz war der Niederschlag besonders intensiv. Gut 20 min hielt der Wolkenbruch an. Zudem gab es immer wieder heftige Blitzentladungen, anfangs >15 Blitze pro Minute, später um 5-10 kraftvolle Entladungen, z.T. postive Erdentladungen mit krachendem Donner.

 

heftiger Sturm und einsetzender Starkregen bei Zwickau

 

Wolkenbruch bei Lössnitz...

 

...und es schüttet und schüttet

 

der anhaltende sehr starke Regen führt vielerorts zu Überschwemmungen

 

Der starkste Bereich des Clusters, welcher Sachsen behelligte, zog von SW Richtung Dresden weiter. Lokal traten schwere Sturm- und Orkanböen auf. So wurden auf dem Fichtelberg mit der Passage der Gewitter fast 150 km/h gemessen! Rückseitig gab es immer wieder kräftigeren Regen und einige Crawler sowie positive Erdentladungen. Erst im Laufe der Nacht beruhigte sich das Wetter wieder.

 

Vor allem Wasser- und Sturmschäden wurden nach dieser Gewitternacht aus Sachsen gemeldet sowie Hausbrände in Folge von Blitzeinschlägen. So gab es u.a. Brände in Halsbrücke bei Freiberg, bei Zwickau oder Annaberg. Im Süden Deutschlands sowie auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg traten ebenfalls zahlreiche Schäden in Folge des gewaltigen MCS sowie vorgelagerter Zellen auf. Allein in Sachsen wurden mehr als 50 Menschen verletzt, deutschlandweit gab es mind. 1 Todesopfer. Es war die bisher heftigste Unwettersituation der laufenden Saison 2012 in Deutschland.

 

© Michel Oelschlägel

 

Datum: 27. März 2017

                  

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