Zusammenfassung Winter 2011/2012

 

Nach einem hochdrucklastigen Herbst zeigte sich der Winter im Dezember 2011 mild und stürmisch, nur kurzzeitig gab es auch Schneefälle bis in tiefe Lagen, wie am 24.12. und Ende Dezember. Höhepunkt der dominierenden zyklonalen Entwicklung war dabei der schwere Sturm Joachim am 16.12.11.

 

Bereits in der Nacht zum 16.12. beeinflusste das sich rasch vertiefende System weite Teile Frankreichs. Vor allem an der Westküste traten dabei Orkanböen mit bis zu 140 km/h auf, im Binnenland Böen der Stärke 10, teils 11. Vor allem an der Kaltfront wurden auch einige Orkanböen registriert. Fast eine halbe Million Menschen war zeitweilig ohne Elektrizität, größere Schäden traten vor allem an der Westküste auf. Unter weiterer Vertiefung auf letztlich 964 hPa zog Joachim im Tagesverlauf des 16.12. über Deutschland, wobei der Kern von Düsseldorf Richtung Berlin zog. Vor allem südlich vom Kern, im ausgeprägten Windfeld des Tiefs, traten markante Böen auf. Der Warmsektorsturm führte anfangs vor allem in den mittleren und höheren Lagen der Mittelgebirge, des Schwarzwaldes und der Alpen zu Böen von 90-185 km/h! Aber auch im Flachland gab es bereits schwere Sturmböen, vereinzelt auch orkanartige Böen.

 

Im Erzgebirge begann dieser Tag mit kräftigen Niederschlägen, welche ab 400 m als Schnee fielen. Bis zum späten Vormittag steigerte sich der Warmfrontniederschlag zu einem heftigen Schneesturm in Lagen über 600 m. Ab 700 m traten Spitzenböen um Bft. 11-12 auf, in den Hochlagen Orkanböen von >130 km/h. Dazu fielen vor allem ab 800 m ca. 10 cm Neuschnee, was erhebliche Verwehungen und Verkehrsbehinderungen zur Folge hatte. Lokal gab es bereits ersten Windbruch, beispielsweise in den Kammregionen um Johanngeorgenstadt bis Carlsfeld und auf dem Spiegelwald bei Bernsbach/Grünhain. Später stabilisierte der Warmsektor etwas, wodurch der Wind vorerst abnahm. Erst mit der Kaltfront am Abend (ca. 19-20 Uhr) und nachfolgend im Trog traten wieder starke Böen auf. Im Rahmen der Kaltfront, welche sich durch staffelartig angeordnete Schauer bemerkbar machte, wurde der starke Höhenwind wieder bis zum Boden heruntergemischt, weshalb in Sachsen verbreitet schwere Sturmböen, vereinzelt auch orkanartige Böen bis ins Flachland auftraten. Richtung Südbayern wurden auch Orkanböen im Flachland an der Kaltfront registriert. In Bernsbach auf 600 m Höhe konnte ich im Rahmen eines Graupelschauers eine Spitzenböe von 110 km/h messen, dazu mehrere Böen um 95-105 km/h. Auch Eppendorf registrierte auf etwa 400 m eine orkanartige Spitzenböe, ebenso Riesa! Nach der Kaltfront traten rückseitig vom Tief verbreitet schwere Sturmböen von 85-100 km/h im Flachland von Sachsen auf, teils auch mal vereinzelt orkanartige Böen in der Nähe von Schauern. Ab 600 m gab es vermehrt orkanartige Böen, in den Hochlagen Orkanböen bis 130 km/h. Lokal kam es auch im Trogsturm noch zu Windbruch bis in tiefe Lagen. Erst ab Mitternacht beruhigte sich die Lage langsam, Sturmtief Joachim zog nach Polen ab.

 

orkanartige Böen auf dem 700 m hohen Spiegelwald im Westerzgebirge

 

Sturmschäden sind die Folge

 

Nachfolgend noch ein Video vom Sturm Joachim, aufgenommen im Westerzgebirge auf 600-700 m. Zu sehen ist der Schneesturm zu Beginn sowie die ersten Sturmschäden, nachfolgend noch der abendliche Trogsturm mit orkanartigen Böen.

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=vh68b6Tjm8Q)

 

Das Jahr 2012 startete mild und regnerisch. Ein weiterer Höhepunkt der vorherrschenden zyklonal geprägten Westwindwetterlage war der 4. und 5. Januar mit dem Orkantief Ulli und dem schweren Sturm Andrea. Ulli führte am 3.1. und 4.1. vor allen auf den britischen Inseln und in Dänemark zu orkanartigen Böen und Orkanböen bis in tiefe Lagen und richtete erhebliche Schäden an! In Deutschland traten im Warmsektorsturm auf den Bergen Orkanböen über 160 km/h und an den Küsten orkanartige Böen auf, sonst blieb es meist bei Sturm- und schweren Sturmböen, vereinzelt gab es in Westdeutschland auch einzelne orkanartigen Böen. Mit der Kaltfront und im Trog traten in Nordeutschland nochmals verbreitet schwere Sturmböen, lokal orkanartige Böen im Binnenland auf. Anders war allerdings die Situation in den Leegebieten der Mittelgebirge. Hier labilisierte es im Warmsektor des Orkantiefs, sodass der starke Höhenwind teilweise herabgemischt werden konnte. Im Lee traten dabei verbreitet schwere Sturmböen, teils auch orkanartige Böen und Orkanböen bis in tiefe Lagen auf. Unter anderem war dieser Effekt auch am Erzgebirge zu beobachten. Vor allem im Raum Zwickau, Chemnitz und teils Freiberg traten in der ersten Nachhälfte föhnbedingt verbreitet und anhaltend schwere Sturmböen, teils orkanartige Böen auf, ab 600 m im Erzgebirge auch einzelne Orkanböen! Vereinzelte Schäden an Dächern und viele umgestürzte Bäume waren die Folge dieser Sturmnacht in Südwestsachsen, während der Rest von Sachsen außerhalb des Erzgebirgslees kaum vom Sturm beeinflusst wurde. Allein im Werdauer Forst bei Zwickau sind etwa 1000 Bäume durch den Sturm gebrochen. Niederschläge gab es den ganzen Abend lang keine in Sachsen, da der starke SW-Föhn ein Abtrocknen der aus W/SW hereinziehenden Niederschläge verursachte. Kaltfront und Trog beeinflussten Sachsen später kaum noch.

 

Föhnbewölkung

 

farbenfroher Sonnenuntergang vor der Sturmnacht

 

Sturmfolgen der vergangenen Nacht

 

Nachfolgend ein Video von der aufziehenden Warmfront und dem von Ulli verursachten Föhnsturm, aufgenommen auf 600 Höhenmetern.

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=FRmJ4BlUUMs)


Nach vorübergehender Windabschwächung am 4.1. nahm am Abend der Wind wieder zu - der nächste Sturm zog Richtung Mitteleuropa. Der schwere Sturm Andrea beeinflusste auf seiner Zugbahn zunächst die britischen Inseln und Teile Frankreichs mit schweren Sturmböen, in Küstennähe und auf den Bergen mit Böen um Bft. 11-12. Insgesamt blieben allerdings gerade in Großbritannien die Spitzenböen unter denen von Orkan Ulli am Vortag. Ab Mitternacht breitete sich der Warmfrontniederschlag über Deutschland aus, teils fiel ergiebiger Regen mit >30 mm/24 h. Vor allem in den Leegebieten gab es bereits verbreitet schwere Sturmböen, vereinzelt auch mal eine orkanartige Böe im sonst eher stabilen Warmsektor. Im Erzgebirge trat ebenfalls wieder Leesturm auf, wobei diesmal auch in Dresden schwere Sturmböen >90 km/h gemessen werden konnten. In Nossen wurden sogar orkanartige Böen bis 108 km/h registriert. Dafür war die Zwickauer Region weniger stark betroffen. Diesmal drückte der Niederschlag auch massiv aus Westen nach Sachsen hinein, sodass trotz anfänglicher Abtrocknungseffekte im Lee später überall Regen, ab 800 bis 900 m auch kräftiger Schneefall fiel. Ab 650-700 m traten am Morgen zum Sturmhöhepunkt orkanartige Böen auf, weiter oben auch Orkanböen. Erneut gab es hier und da Sturmschäden durch den schweren Sturm in Teilen von Sachsen.


Mit Sonnenaufgang schwächte sich der Sturm langsam wieder ab, gegen 11:00 Uhr zog von NW noch die Kaltfront nach Sachsen. Insbesondere in West- und Mitteldeutschland war diese mit kräftigen Gewittern verbunden und es traten an ihr teils schwere Sturmböen, vor allem nach Südbayern hin auch orkanartige Böen bis ins Tiefland auf. In Sachsen dagegen blieb es bei Sturm-, teils schweren Sturmböen und leichten Gewittern in Südwestsachsen. Vor allem im Erzgebirge brachte die Front kräftige Schneefälle mit 5-10 cm, teils auch >12 cm Neuschnee in 3 h! Am Abend beeinflusste der Trogsturm noch Sachsen. Wie zuvor in Norddeutschland traten dabei vielfach schwere Sturmböen, vereinzelt an Schauern auch einzelne orkanartige Spitzenböen auf. Lokal gab es durch den Trogsturm noch einzelne Sturmschäden. Erst im Laufe der 2. Nachthälfte lies der Wind überall spürbar nach. Vor allem in den Hochlagen der Mittelgebirge und Alpen hatte Andrea beachtliche Spitzenböen von 170-210 km/h gebracht, im Tiefland dagegen waren es meist schwere Sturmböen, lokal traten aber auch orkanartige Böen auf.

 

orkanartige Böen am Morgen auf 700 m

 

Sturmschäden in einem durch Holzeinschlag windanfälligen Waldstück nahe Grünhain im Westerzgebirge

 

Starkschneefall an der Kaltfront von Andrea

 

Nachfolgend ein Video von den Auswirkungen des Sturmes Andrea im Erzgebirge, aufgenommen auf 700 Höhenmetern.

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=QDMP07Q88fI)


Nach einer etwas trockeneren Phase zur Monatsmitte nahm in der 3. Monatsdekade die Tiefdruckaktivität wieder zu. Tief Fabienne und Gisela beeinflussten in der Folge Mitteleuropa mit Sturm, Regen und vor allem in den Hochlagen mit reichlich Schnee. Vielerorts gab es kräftige Schauer und Wintergewitter, wie gegen Mitternacht am 22.1., als ein kräftiges Wintergewitter von Thüringen kommend über Zwickau und in der Folge bis zum Fichtelberg zog. Das Gewitter brachte heftigen Graupel und Starkschneefall von 4-8 cm in 30-40 min.

 

aufziehendes Gewitter im Westerzgebirge am 22.01.12 mit Böenfront

 

Gegen Monatsende deutete sich eine ausgeprägte NO-Lage an, welche in Verbindung mit einem Hochdruckgebiet über Osteuropa stand. Das kräftige Hoch Dieter beeinflusste ab dem 30.1. das Wetter in Mitteleuropa und verlagerte sich weiter Richtung Ostsee. Einher ging diese Hochdrucklage mit einer extremen Kältewelle. Vom 31.1. bis 12.2. wurden in fast ganz Deutschland eisige Temperaturen gemessen. In Sachsen lagen die Tageshöchstwerte kaum über -7 °C, oft sogar unter -10 °C. Nachts fiel das Thermometer meist auf -15 bis -25°C, teils wurden auch Werte um -30 °C gemessen. Am 7.2. und 9.2. fiel durch kleinere Störungen auch Schnee, wobei gerade am 9.2. im Erzgebirgsstau lokal 10-15 cm Neuschnee zusammen kamen. Durch die extreme Kälte froren die Flüsse und Seen in Deutschland zu, die Schifffahrt kam zum erliegen. Durch die massive Eisbildung stiegen vielerorts auch die Pegel auf Hochwasserniveau an. Eisstau führte ebenso lokal zu Hochwasser und Überschwemmungen. Beispielweise waren im Erzgebirge die Flüsse Zschopau, Flöha, Bobritzsch und die Zwickauer Mulde mit Schwarzwasser sowie den kleineren Zuflüssen betroffen. Lokal musste Problemstellen ausgebaggert werden, um den Wasseranstau durch das Eis zu reduzieren.

 

Vereisungszustand des Schwarzwassers in Schwarzenberg am 12.02.12 nach 2 Wochen eisiger Kälte

 

ein seltener Anblick

 

durch massive Grundeisbildung ist auch der Pegel erheblich angestiegen

 

dampfende Gewässer bei -20 °C am Morgen

 

dicke Reifkristalle an den Bäumen

 

Nachfolgend Videoaufnahmen vom 12.02.2012. Erneut gab es eine extrem kalte Nacht mit Tiefstwerten von -25 bis unter -30°C. Im Video ist auch der Vereisungszustand der Elbe zu sehen, welche seit 50 Jahren erstmals komplett für den Schiffsverkehr gesperrt werden musste.

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=Vbtp7N-2a7A)


Ab dem 13.2. wurde es wieder wärmer, die Tageshöchstwerte lagen am 13. und 14. des Monats verbreitet über 0°C, was zu leichten Tauwetter führte. Am Abend des 14.2. zog Tief Olivia aus NW mit seinem Kern über Polen hinweg und führte in Sachsen nach einer kurzen Eisregenphase mit gefährlicher Glätte zu Starkschneefall in Lagen über 300 m. Im Laufe der Nacht nahm zudem der Wind markant zu, sodass am Morgen und gegen Mittag im Trog verbreitet Sturmböen, lokal auch schwere Sturmböen im Erzgebirgsvorland sowie orkanartige Böen und Orkanböen im oberen Erzgebirge ab 1000 m auftraten. In Verbindung mit den verbreitet gefallenen 10-20 cm Neuschnee aus der vergangenen Nacht kam es zu heftigen Schneeverwehungen. Vor allem im Erzgebirge waren zahlreiche Straßen gesperrt, Autos blieben in Schneeverwehungen stecken. Auf der B95 bei Bärenstein mussten meterhoch eingewehte Fahrzeuge durch die Feuerwehr geborgen werden (vielen Dank an Bernd März für die Fotos)! Zahlreiche Unfälle waren die Bilanz dieser markanten Lage in Sachsen. Beeindruckend sind auch die Wetterdaten aus anderen Regionen Mitteleuropas in Folge von Tief Olivia. So fiel in den Alpen teils 1 m Neuschnee in 48 h bei Spitzenböen bis 170 km/h auf einigen Alpengipfeln!

 

Schneesturm in Freiberg

 

 

Verwehungen führen zu teils massiven Verkehrsbehinderungen

 

Vor allem in den höheren Lagen des Erzgebirges ist die Situation teils dramatisch! (Foto: Bernd März)

 

Eingewehte Fahrzeuge müssen bei Bärenstein von der Feuerwehr befreit werden... (Foto: Bernd März)

 

Nachfolgend Aufnahmen vom Schneesturm in Freiberg auf 400-450 m, wo binnen 8 h etwa 13-14 cm Neuschnee fielen.

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=jPM7ioxQnvY)


Nach Olivia brachte Tief Patricia ab dem 17.2. Tauwetter bis auf 700 m, später 1000 m hinauf. Trotz eher wenig Schnee in den tiefen und mittelhohen Lagen in Sachsen war für die Hochlagen des Erzgebirges der Winter 2011/2012 recht schneereich! Auf dem Fichtelberg und Keilberg kamen bis zum 18.2. Gesamtschneehöhen von 190-200 cm zusammen. Verwehungen erreichten deutlich über 3 m!

 

Schneemassen nahe des Fichtelberges auf etwa 1000 m

 

Grenzübergang nach CZ

 

Nachfolgend einige Videoaufnahmen aus dieser Region:

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=RrqBEI21qOY)


Im Laufe der 3. Februardekade setzte sich Tauwetter jedoch auch bis in die Hochlagen des Erzgebirges hinauf durch. In den tiefen Lagen führte Tauwetter und der Regen lokal zu Hochwasser. Dies wurde durch die tief gefrorenen Böden und den hohen Vereisungszustand der Gewässer begünstigt. Lokal führte mitgerissenes Eis, welches im Rahmen der Hochdrucklage Anfang Februar entstanden war, zu Eisstau und Hochwasser, beispielsweise auf der Chemnitz in der gleichnamigen Stadt Chemnitz oder auf der Freiberger Mulde sowie auf Flüssen in Ostsachsen. Bis zum 25.2. taute der Schnee bis auf 500 m hinauf fast vollständig ab. Am 26.2. gab es nochmals 5-10 cm Neuschnee und kräftige Schneeschauer im Erzgebirge, bevor der Februar unter zunehmenden Hochdruck und milden Temperaturen bis 10 °C zu Ende ging.

 

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 1. Mai 2017

                  

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