8.5.2003 Extremhagel durch Superzelle

 

Der 8. Mai 2003 war ein für die Jahreszeit ungewöhnlich warmer Maitag. Wir hatten hier Temperaturen gegen 28 °C. Gegen 18 Uhr zog dann eine großer Cumulonimbus  von Westen heran. An einer Stelle der Wolke im Abwindbereich war bereits Niederschlag erkennbar.

 

Nun wuchs die Wolke rasch weiter an und schließlich senkte sich Niederschlag aus der gesamten Wolke zu Boden. Gegen 18:15 zeigte der nun zur Superzelle angewachsene Wolkengigant eine deutliche Rotation. Der Niederschlag hatte eine gelbe Färbung, was auch ein Hinweis auf Hagel war. Es blitzte zudem fast ununterbrochen in den Wolken. Nun senkte sich ein riesiger Hagelstreifen aus der Wolke, welcher in seiner weißen Farbe einen deutlichen Kontrast zum übrigen Niederschlagsgebiet darstellte.

 

Superzelle - noch befindet sie sich über dem Vogtlandkreis

 

Superzelle über dem Landkreis Aue-Schwarzenberg - die untergehende Sonne durchleuchtet nun den Niederschlag

 

     

heranziehendes Unwetter

 

Der gesamte Wolkenkolos zog nun immer weiter auf meinen Beobachtungspunkt zu. Es war eine wirklich sehr bedrohliche Wolkenstimmung, als der erste Niederschlag inform von großen Wassertropfen auf das Dach schlug.

 

Gegen 19 Uhr begann schließlich der Starkniederschlag. Es mischten sich nun mehr und mehr Hagelkörner in den Regen. Nach wenigen Minuten viel der Hagel sehr dicht herab. Die Körner waren teilweise 3 cm im Durchmesser groß. Man konnte kaum das eigene Wort verstehen, weil der Hagel in solcher Lautstärke auf das Dach viel. Teilweise war aufgrund des heftigen Niederschlages die Sicht stark eingeschränkt. Nach 10 Minuten wurde der Hagelschlag allmählich leichter, es schüttete jedoch noch etwa 5-10 Minuten weiter, während die Sonne wieder sichtbar wurde.

 

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Beginn des Unwetters: Extremer Starkregen und Hagel

 

  

 

 

In den Wolkenbruch dringen erste Sonnenstrahlen, unsere Terasse ist zum See geworden.

 

Es hörte fast schlagartig auf zu regnen. Nun wurde deutlich, dass der Hagel fast alle Pflanzen in der Umgebung zerschlagen und Bäume teilweise entlaubt hatte. Durch den intensiven Regen hatte sich ein kleiner Teil des Hagels bereits wieder aufgelöst. Dennoch waren die Spuren des Gewitters sichtbar. Kurz darauf ertönten die Feuerwehrsirenen. Vielerorts wurden die Straßen durch ausgespülten Schlamm unpassierbar, viele Keller waren überflutet. Auch mussten mehrere Staßen voll gesperrt werden, weil Hänge abgerutscht waren oder die Straßen einfach unter Wasser standen. Doch schlimmer noch war der Hagel. In Scheibenberg, Crottendorf und Königswalde in Kreis Annaberg vielen 6-7 cm große Hagelbrocken vom Himmel und zerschlugen Dachfenster, Schieferdächer, Gartenhäuser sowie Fensterscheiben und Autos. In der Grundschule des Ortes war nach dem Unwetter kein einziges Fenster mehr ganz. Auch andererorts fielen 5 cm große Hagelkörner zu Boden und verursachten erhebliche Schäden. Teilweise wurde der Schneepflug eingesetzt, um den Hagel von der Straße zu räumen. Es fielen dabei zusätzlich örtlich bis zu 35 Liter Regen pro Quadratmeter in 15-20 Minuten. Die Temperatur sank von 28 °C auf 15 °C.

 

Folgend Fotos aus Scheibenberg, vielen Dank an Andy Offenderlein für die Bilder:

 

 

 

Hagelschäden in Scheibenberg (Fotos: Andy Offenderlein)

 

Hier einige Bilder (die mir freundlicherweise von der FFW Jocketa zur Verfügung gestellt worden sind) aus Jocketa, wo das Unwetter zuvor gewütet hatte.

 

 

 

 

bis zu 4cm große Hagelkörner in Jocketa

 

Für eine Superzelle typisch scherte die Zelle nach rechts in die Tschechei aus, wo sie erst gegen Mitternacht im Riesengebirge zerfiel. Auf ihren Weg durch Tschechien fielen teilweise immer noch 5 cm Hagelkörner vom Himmel und Gebietsweise lag der Hagel bis zu 20 cm hoch.

 

Hier gehts zum synoptischen Analysebericht zur Extremhagelentwicklung am 8.5.03 im Erzgebirge

 

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 23. Juni 2017

                  

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