Hochwasser in Sachsen Ende Mai/ Anfang Juni 2013

 

Ein quasistationäres Höhentief über dem östlichen Alpenraum verursacht eine außergewöhnlich kühle und nasse Witterungsperiode in Mitteleuropa. Randtröge entlang des Höhentiefs lösten dabei auch Bodentiefentwicklungen aus, welche durch die ebenfalls um das Höhentief herumgeholte subtropische Luftmasse mit viel Niederschlag einhergingen. Erste Starkniederschläge gab es durch diese Lage am 26. und 27.5. in Folge von Tief Christoffer, insbesondere in Niedersachsen und Thüringen sowie Teilen Westsachsens und Bayerns. 30-60 mm Niederschlag fielen dabei in 24-48 h, im Bereich des Harzes auch bis 100 mm. Auch in den Folgetagen bildeten sich immer wieder neue Niederschlagsgebiete, wie durch Tief Dominik am 28. und 29.5.2013. Dominik war ebenfalls Folge des angesprochenen Höhentiefs, ebenso wie alle nachfolgenden Entwicklungen. Am 30.5. bildete sich das Bodentief Frederik, welches schließlich die heftigsten Niederschlagsmengen mit sich bringen sollte.

 

Bereits im Vorfeld gab es am 28.5. und 29.5. durch das angesprochene Tief Dominik in Sachsen und Brandenburg einige heftige Gewitterschauer, welche bereits lokal 20-45 mm Regen mit sich brachten. So fielen am 29.5. beispielsweise um Chemnitz bereits >40 mm Niederschlag und verursachten erste Schäden. Am 30.5. gab es weiterhin Regen in Teilen West- und Mittelsachsens, bevor von Osten am späten Nachmittag ein großes Regengebiet vom besagten Bodentief Frederik hereinzog. Dieses konvektiv durchsetzte Niederschlagsgebiet brachte in Sachsen bereits 30-50, teils >60 mm Niederschlag in 12 h. Insgesamt, zusammen mit den Niederschlägen vom 29.5., fielen so bereits >70 mm Niederschlag in Teilen Sachsens, wodurch am Morgen des 31.5. viele Flüsse auf die Niederschläge reagierten. Verbreitet wurden die Hochwasserwarnstufen 1-2, z.T. auch 3 erreicht. Straßen waren bereits wegen Überschwemmungen und Hochwasser gesperrt, Hainichen in Mittelsachsen hatte bereits mit der Kleinen Striegis zu kämpfen, welche Teile der Innenstadt überflutete.

 

starker Regen in der Nacht vom 30. auf den 31.5.

 

 

Die Große Striegis bei Pappendorf im Landkreis Mittelsachsen führt nach dem Regen der Nacht bereits sehr viel Wasser...

 

 

Nach kurzer Regenpause am Morgen breiteten sich ab den Mittagsstunden neue Niederschläge aus Ostsachsen westwärts aus. Dabei verstärkten sich diese erheblich. Vor allem von Hainichen Richtung Döbeln und bis nach Zwickau und Chemnitz gingen schließlich heftige, gewittrige Starkregenfälle nieder. Ich stationierte mich in Hainichen, wo ich schon bald in heftigen Starkregen kam. Die Dauer und anhaltend hohe Intensität war schon sehr beeindruckend. Ich fuhr anschließend weiter Richtung Döbeln, da es dort vermehrt auch Blitzentladungen gab. Auf dem Weg dahin gab es bereits erste größere Überschwemmungen. Ich schaffte es, mich nochmal vor das Starkregenband zu setzen, wo es äußerst dynamische Wolkenformationen zu sehen gab. Schließlich wurde ich wieder vom Starkregen eingeholt. Ab und an gab es auch einen Blitz, wobei die Blitzrate nicht sehr hoch war.

 

heftiger Starkregen setzt ab dem Nachmittag - hier in Hainichen -  ein...

 

...und hält unvermindert an.

 

Der heftige Starkregen bleibt nicht lange ohne Folgen...

 

dynamische Vorderseite der gewittrigen Starkregenlinie

 

Core wenig später bei Döbeln

 

Ich fuhr derweil von Döbeln nach Niederstriegis, wo es immer wieder Überflutungen gab. Vor Mahlitzsch gab es teils Erdrutsche und Schlammlawinen, welche sich in die Freiberger Mulde ergossen (zu dem Zeitpunkt HWW-Stufe 3). In Niederstriegis konnte ich einen Blick auf den Unterlauf der Striegis werfen, deren Flussverlauf ich anschließend flussaufwärts folgte. Weiter ging es nach Grunau, wo die Striegis HWW-Stufe 2 aufwies. Nachfolgend fuhr ich nach Böhrigen. Dort war die Situation schon dramatischer. Viel Wasser ergoss aus den Wäldern und von den umliegenden Feldern in die Gärten und Häuser sowie in die übervolle Striegis. Feuerwehrleute waren mit dem Auspumpen von Gebäuden beschäftigt.

 

Schlamm und Geröll bei Mahlitzsch

 

 

Blick auf die Hochwasser-führende Freiberger Mulde bei Mahlitzsch (HWWS 3)

 

Striegis bei Niederstriegis mit HWWS 2

 

Striegis bei Grunau

 

 

Situation in Böhrigen

 

Blick auf die Striegis bei Böhrigen

 

überall das gleiche Bild

 

Weiter ging es nach Etzdorf, wo ein kleiner Dorfbach erhebliche Überschwemmungen verursachte. Auch hier gab es überflutete Grundstücke und Straßen sowie vollgelaufene Keller.

 

Situation in Etzdorf, hier ufert ein kleiner Dorfbach erheblich aus...

 

Ich fuhr anschließend über Pappendorf nach Hainichen. Dort fiel mir die Kleine Striegis, ein Nebenarm der Striegis, auf. Diese führte erhebliches Hochwasser und übertraf die Pegelwerte der vorangegangenen Nacht. Teilweise stand das Wasser >50 cm hoch in den Straßen, überall wurde an Sandsackbarrieren gebaut. Auch rund um Hainichen war vielerorts kein Durchkommen, weil Straßen von Wasser und Schlamm bedeckt waren.

 

Impressionen vom Hochwasser der Kleinen Striegis in Hainichen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überall um Hainichen das gleiche Bild...

 

Über diverse Schleichwege fuhr ich dann über Frankenberg nach Lichtenau/Auerswalde. Ach dort gab es viele Ausspülungen, einen erheblich ausgeuferten Dorfbach und Feuerwehren, welche mit dem Auspumpen von Häusern beschäftigt waren. Richtung Chemnitz konnte ich einen Blick auf den gleichnahmigen Fluss werfen, welcher kurz vor dem Erreichen von HWW-Stufe 3 stand. Entsprechend beeindruckend breit war er bei Wittgensdorf. Weiter durch das Tal nach Chemnitz ging letztlich auch nicht, da in Draisdorf das Grundwasser in viele Häuser drückte und die Hauptstraße überflutete. Feuerwehren und laufende Pumpen bestimmten auch dort wieder das Bild.

 

Hochwasser der Chemnitz zwischen Auerswalde und Chemnitz

 

 

Grundwasser drückt in Draisdorf bei Chemnitz in Flussnähe nach oben...

 

Über Chemnitz ging es dann nach Oberlungwitz, wo man die Hinterlassenschaften eines erheblichen Hochwassers sehen konnte, welches dort einige Stunden zuvor gewütet hatte. Die Hauptstraße und zahllose Häuser waren vom Hochwasser betroffen.

 

Auch die Zwickauer Mulde erreichte nach kräftigen Regenfällen bereits teilweise die HWW-Stufe 3. Im Unterlauf wurde Stufe 4 nur knapp verpasst. Durch den Regen des Tages wurden in West- und Mittelsachsen vielerorts die Warnstufen 2-3 erreicht, wobei durch die Starkregenfälle z.T. 20-40 mm binnen 1-2 h fielen. Damit lagen die 24-stündigen Niederschlagsmengen bereits bei 50-100 mm! Berücksichtigt man die Niederschläge ab dem 29.5., so sind bereits vielerorts >100 mm Niederschlag binnen 72 h gefallen. Abends sanken die Pegel vorerst, da der Regen aufhörte und es zeitweise auflockerte. Doch die Hochwasserlage sollte sich in den kommenden Tagen nochmals dramatisch zuspitzen... 

 

weiter zu Teil 2

 

© Michel Oelschlägel

 

Datum: 23. Juni 2017

                  

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