Heftige Nassschneefälle durch Vb-Tief Heike am 29.11. und 30.11.2012

 

Nach einem hochdruckdominanten und recht milden November folgte in den letzten beiden Novembertagen eine drastische Umstellung der Wetterlage in Mitteleuropa. Tief Heike zog vom Mittelmeer kommend auf einer sogenannten Vb-Zugbahn Richtung Polen. Dabei bildete sich über Südwestpolen ein neuer Druckkern, welcher für Sachsen und Teile Süddeutschlands eine markante Schneelage hervorbingen sollte.

 

Vor allem für Sachsen sind solche Wetterlagen nicht ungefährlich, da westlich des Tiefkerns über Polen die Windanströmung auf nördliche Richtungen dreht und damit eine markante Anstaulage am Erzgebirge hervorgerufen werden kann. Viele folgenreiche Hochwasserlagen, wie die im August 2002 oder 2010, gehen auf solche Wetterlagen zurück.

 

In Sachsen dominierte am 28.11. noch neblig trübes Regenwetter. Ab den Abendstunden verstärkte sich der Niederschlag in Sachsen immer weiter, allerdings fiel dieser noch bis in höhere Lagen als Regen. Ab Mitternacht sank die Schneefallgrenze langsam ab, ab den Morgenstunden schneite es bereits auf unter 400 m im West- und mittleren Erzgebirge. In den nachfolgenden Stunden führte die angesprochene Staulage im Erzgebirge und dessen Vorland oberhalb von 300-350 m zu ergiebigen und heftigen Schneefällen, welche vor allem unterhalb von 600 m lange Zeit in Form von schwerem Nassschnee fielen. Neben den typischen Begleiterscheinungen eines jeden Wintereinbruchs, wie Schneeverwehungen in den höheren Lagen und erheblichen Verkehrsproblemen, kamen ab den frühen Nachmittagsstunden vermehrt Probleme durch Schneebruch auf. Im Verlaufe des Nachmittags verschlimmerte sich die Schneebruchsituation erheblich, immer mehr Straßen wurden gesperrt, Feuerwehren waren nun vermehrt im Dauereinsatz, um Straßen von umstürzenden Bäumen und abbrechenden Ästen zu beräumen. Allerdings mussten nach und nach weitere Straßen aufgegeben werden, da immer wieder neue Bäume und Äste brachen. In den Wäldern hörte man unentwegt das Brechen von Bäumen und Ästen, es bestand dort akute Lebensgefahr! Ab den Abendstunden kamen großflächigere Stromausfälle hinzu, da Bäume in Leitungen stürzten oder Leitungsmasten in Folge des Nassschnees umfielen. So saßen am Abend zeitweise 13.000 Haushalte im Erzgebirge im dunkeln. Bis zum Abend fielen verbreitet 20-30 cm Nassschnee im Erzgebirge und dessen Vorland, in den höheren Lagen auch 40-50 cm Neuschnee in 12-24 h. In Freiberg beispielsweise kamen auf 450 m Höhe ca. 25 cm Nassschnee in 12 h zusammen, in 24 h wurden insgesamt 30 cm erreicht.

 

einsetzender starker Schneefall in Freiberg (450 m) am Morgen des 29.11.

 

bis zum Nachmittag sind bereits ca. 15 cm Neuschnee gefallen

 

schwerer Nassschnee lastet auf den Bäumen

 

der starke Schneefall hält unvermindert an

 

erster Schneebruch setzt bereits ab dem frühen Nachmittagsstunden ein und verschlimmert sich zunehmend mit jeder Stunde

 

auch am späten Nachmittag schneit es weiterhin ergiebig, ca. 20 cm nasser Neuschnee sind bereits gefallen 

 

 

 

Schneebruch macht auch in der Stadt der Feuerwehr zu schaffen

 

Bis zum Abend erreicht die 12-stündige Neuschneemenge in Freiberg ca. 25 cm, aber es schneit weiter...

 

 

 

 

 

bis Freitag Morgen (30.11.) erreicht die Neuschneehöhe bis zu 30 cm (gefallen in 24 h)

 

Auch am Folgetag schneite es im Osterzgebirge und nun auch vor allem in Ostsachsen nochmals recht intensiv. Während am 29.11. Ostsachsen noch in milderer Luft verblieb und daher hier meist Regen fiel, setzte sich am 30.11. auch hier kalte Luft mit starkem Schneefall durch. 20-30 cm teils sehr nasser Neuschnee fielen nun auch in der Region um Bautzen, im Bautzener Bergland und in der Sächsischen Schweiz kamen auch 24-stündige Neuschneemengen von >40 cm zusammen. Beeindruckend waren teils die Gesamtschneehöhen in der Sächsischen Schweiz. In Rosenthal-Bielatal (460 m) kamen beispielsweise 55 cm Neuschnee in 48 h zusammen, teils auch >60 cm! Schneebruch war auch in diesen Regionen ein Thema, hunderte Feuerwehreinsätze und zahlreiche Straßensperrungen die Folge. In der Freiberger Region im Osterzgebirge kamen auch noch paar Zentimeter Neuschnee zusammen, sodass hier auf 450 m Höhe insgesamt 35 cm nach 36 h erreicht wurden. Im Tagesverlauf des 30.11. zogen die Schneefälle schließlich nach Osten ab. Der Wassergehalt der gefallenen Schneedecke war ebenso erheblich und verdeutlicht auch die Last des gefallenen Schnees. So fielen verbreitet 30-50 mm, teils auch 50-70 mm Niederschlag binnen 48 h in Form von Schnee.

 

schwere Schneelast auf den Bäumen

 

immer wieder brechen Bäume und Äste unter der schweren Last, und es schneit weiterhin

 

auch Teile dieser Birke werden in den kommenden Stunden noch brechen

 

niedergedrückte Bäume am Waldrand

 

Mit jedem Schritt in den Wald nimmt der Schneebruch zu...

 

Druck- und Bruchschäden im Birkenbestand

 

 

Wald- und Schienenwege sind von gebrochenen oder gebogenen Bäumen blockiert

 

 

Auch Fichten sind vom Schneebruch stark betroffen...

 

... und der schwere Nassschnee führt hier verbreitet zum Abbrechen der Fichtenspitzen.

 

Weiterhin schneit es, sodass bis zum Abend in Freiberg (450 m) eine Gesamtschneehöhe von 35 cm (gefallen in 36 h) erreicht wird...

 

hier gehts zu Teil 2 (Dokumentation der heftigen Schneebruchlage im Erzgebirge)

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 27. März 2017

                  

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