Schwerer Sturm in Sachsen durch Sturmtief Wilfried am 02.03.2017

 

Eine etwas überraschende Sturmlage folgte nach dem schweren Sturm Thomas bereits am 02.03.2017. Das Tief Wilfried formierte sich am 01.03. über dem Atlantik und zog nachfolgend mit seinem Kern über den Ärmelkanal Richtung Ostsee. Dabei wurde die Mitte Deutschlands am 02.03. vom Sturmfeld erfasst. Die Modelle rechneten allerdings gerade mal mit 70-80, teils um 90 km/h in der Spitze. Schon über Frankreich gab es in der Nacht um Paris allerdings orkanartige Böen im Binnenland, gebunden an Schauer. Auch sonst traten dort 90-100 km/h auf, vereinzelt auch etwas mehr. Am Vormittag traf es dann vor allem den Westen Deutschlands, wobei Böen von 70-80, teils um 90 km/h auftraten. An Schauern und einzelnen Gewitter traten auch orkanartige Spitzen >103 km/h auf.

 

Zu dieser Zeit zog bereits eine erste kräftige Schauerlinie über Sachsen. Diese erreichte gegen 9:55 Uhr Freiberg. An ihr gab es Sturm, teils schwere Sturmböen. Richtung Ostsachsen wurden sogar Blitze in dieser Linie registriert. Mit dieser Linie startete in Sachsen ein stürmischer Tag, denn der Wind steigerte sich nach der Passage der Schauerzellen immer weiter bis zum Mittag. Das Wetter selbst war allerdings freundlich - Sonne und Wolken wechselten sich ab.


In Thüringen, Sachsen und Teilen Sachsen-Anhalts gab es in den Mittagsstunden vielerorts Böen von 80-90 km/h, lokal auch um 95 km/h. Vor allem im Erzgebirgsvorland traten aber verbreiteter und über eine längere Zeit hinweg Böen um 90-100 km/h auf, teils auch orkanartige Böen um 105 km/h. Richtung Leipzig zogen auch Schauer durch, sodass es dort lokal und kurzzeitig einige heftige Böen aus der Höhenströmung heraus runtermischte. Im Umfeld dieser Schauer traten orkanartige Böen auf (117 km/h in Leipzig-Knautkleeberg, 110 km/h Bad Dürrenberg).


Durch den Sturm gab es vor allem in Mittelsachsen Sturmschäden durch umgestürzte Bäume. Zahlreiche Feuerwehren waren hier im Einsatz. In der labilen Luft konnte es hier - ev. bedingt durch einen zusätzlichen Leitplanken- oder gar leichten Leeeffekt am Erzgebirge - besonders gut labilisieren und Böen heruntermischen, sodass 1-2 h lang Spitzenböen um Bft. 10, teils 11 auftraten. Aber auch anderenorts, beispielsweise wo durch die Schauer starke Böen auftraten, gab es Feuerwehreinsätze in Folge von Sturmschäden.


Ab dem Nachmittag nahm der Wind in weiten Teilen Sachsen langsam ab und das Sturmfeld zog langsam Richtung Ostsachsen weiter. Auch in Ostsachsen gab es nachfolgend vielfach Böen von 80-90, teils um 95 km/h. Durch die Schauer gab es aber teils noch weit höher Spitzen. Insbesondere zwischen Bautzen und Görlitz traten auch Gewitter auf. Entsprechend heftig waren die Böen durch diese hochreichende Konvektion. Orkanartige Böen, teils Orkanböen wurden gemessen, beispielsweise Böen bis 126 km/h in Löbau (Quelle UWZ). Damit wurden in Ostsachsen sogar höhere Windgeschwindigkeiten als auf dem 1214 m hohen Fichtelberg gemessen (124 km/h). Entsprechend gab es auch in dieser Region Sturmschäden und Feuerwehreinsätze. Zahlreiche Bäume fielen um, Dächer wurden beschädigt.


Rückseitig gab es nachfolgend im Süden von Sachsen-Anhalt und in Nordwestsachsen nochmals einige schwere Sturmböen von 90-100 km/h, lokal um 105 km/h. Durch schwächere Schauer traten auch hier nochmal höhere Spitzen auf (Kabelsketal mit 113 km/h). Richtung Ostsachsen gab es nachfolgend auch eine 2. Phase mit 80er bis 90er Böen, lokal wurden sogar bis zu 100 km/h gemessen. Ab 16 Uhr schwächte sich der Wind dann aber endgültig ab und das Sturmfeld zog nach Osten ab. In Polen gab es übrigens auch verbreitet 80-90er Böen an diesem Tag, teils auch mehr. Da es dort auch kräftige Schauer- und Gewitterlinien gab, mischte es auch hier teils orkanartige Böen, lokal Orkanböen bis in tiefe Lagen herab. Es gab entsprechend Schäden.


Nach der allgemeinen Beschreibung des Ablaufs von Sturm Wilfried nun zum Chasingbericht. Ich dokumentierte die oben angesprochene erste kräftige Schauerlinie gegen 10 Uhr bei Freiberg und verlegte dann zu einem Standort zwischen Oederan und Freiberg. Dort traten gegen Mittag Böen um 100 km/h auf, teils auch orkanartige Spitzenböen. In einem Waldstück, in dem bereits durch Sturm Egon und Thomas einige Bäume umfielen, wurden auch diesmal mind. 4 Bäume umgeworfen. Zwei weitere Bäume stürzten in andere Bäume und wurden in Schieflage noch gehalten. Kräftige Schauer gab es während des Sturmhöhepunktes nicht. Das Wetter war freundlich mit einem Wechsel aus Sonne und Wolken. Kräftige Schauer zogen später aber nördlich an mir vorbei und streiften den Freiberger Raum. An diesen Schauern traten bei Leipzig und Richtung Ostsachsen orkanartige Böen und lokal Orkanböen auf. Im Laufe des Nachmittages ließ der Sturm dann nach.

 

Aufziehende Schauerlinie gegen 10:00 Uhr bei Freiberg...

 

 

Die Linie ging mit Graupel und Schnee sowie Sturmböen, lokal schweren Sturmböen einher...

 

Schauerrückseite

 

Sturmhöhepunkt gegen Mittag zwischen Oederan und Freiberg

 

Böen erreichen 90-100 km/h, teils um 105 km/h (= orkanartige Böen); im Vordergrund der Stamm von einem kurz zuvor abgebrochenen Baum...

 

Kurz darauf fällt der nächste Baum...

 

Heftige Böen biegen die Bäume...

 

Ein Baum wird entwurzelt, fällt in einen 2. Baum und bleibt hängen...

 

 

Ein weiterer Baum fällt dem Sturm zum Opfer...

 

 

Graupel- und Schneeschauer streifen die Region Freiberg und ziehen nördlich vorbei - teils verursachen sie orkanartige Böen, später in Ostsachsen Orkanböen...

 

 

Sturmschaden bei Memmendorf...

 

Weitere "frische" Sturmschäden bei Langenstriegis - hier hat zuvor auch Sturm Egon und Thomas bereits erheblichen Schaden hinterlassen

 

Heftige Böen am Nachmittag - allerdings lässt der Sturm nun langsam nach...


Überraschenderweise fiel der Sturm doch heftiger aus als erwartet. Gerade in Sachsen wurden orkanartige Böen und teils sogar Orkanböen bis in tiefe Lagen gemessen - neben zahlreichen schweren Sturmböen. Die Modelle gingen zuvor allerdings meist "nur" von Spitzenböen um 90 km/h aus. Sturm Wilfried war der 3. schwere Sturm in Sachsen in diesem Winterhalbjahr nach Sturm Egon und Thomas. Wilfried war in Mittelsachsen ähnlich stark wie Thomas (direkt bei/ um Freiberg sogar etwas stärker, dafür im südwestlichen Teil des Kreises eher leicht schwächer), obwohl der Höhenwind weit weniger stark war. Daher wurden bei Wilfried auf den Bergen auch geringere Spitzen gemessen als bei Thomas. Diesmal hat die vergleichsweise hohe Zuggeschwindigkeit des Tiefs zusammen mit der hohen Labilität und der damit einhergehenden Durchmischung in der höhenkalten Luft für die tieferen Lagen allerdings viel ausgeglichen - insbesondere lokal in einigen "begünstigten" Teilen Sachsens, wo auch leichte Leeeffekte oder Leitplankeneffekte verstärkend wirkten. Weiterhin war die Konvektion diesmal hochreichender als bei Thomas, weswegen auch heftigere Schauerböen auftraten. Richtung Erzgebirge war dagegen Thomas deutlich stärker. Egon war - bezogen auf die Spitzenböen - im Raum Chemnitz heftiger (offiziell bei Egon 112-113 km/h, bei den letzten beiden Stürmen 96-100 km/h, teils etwas mehr), in Mittelsachsen gebietsweise ähnlich stark - Richtung Freiberg wiederum schwächer als Wilfried. Durch die dicke Schneedecke und die teils gefrorenen Böden hielten aber mehr Bäume den Böen von Egon stand.


Insgesamt gab es durch alle 3 Stürme doch einige Sturmschäden in den Wäldern. Meist handelt es sich um Einzelwürfe, teils gibt es aber auch Wurfnester. Zwischen Hartha und Langenstriegis beispielsweise wurden >15 große Fichten gefällt - die meisten durch Sturm Thomas. Insgesamt werden sicherlich einige Festmeter Sturmholz in diesem Winter in Sachsen zusammengekommen sein. Nachfolgend noch einige Fotos von Sturmschäden durch Wilfried im Freiberger Wald:

 

Sturmschäden durch Sturm Wilfried im Wald zwischen Freiberg und Kleinwaltersdorf...

 

Auch hier hat es nach Sturm Thomas wieder einige große Fichten entwurzelt...

 

Die Sturmschäden waren in diesem Bestand diesmal sogar etwas höher als bei Sturm Thomas!

 

 

 

Sturmschäden durch Wilfried in einem anderen Waldgebiet zwischen Freiberg und Oberschöna

 

Nach umgestürzten Bäumen durch die Tiefs Egon und Thomas sind hier erneut große Fichten durch Wilfried gebrochen...

 

Auch hier war Wilfried etwas schadensträchtiger als die beiden Stürme zuvor (an dieser Stelle 3 gebrochene Fichten durch Thomas und Egon, mind. 4 durch Wilfried)...

 

Durch Wilfried neu gebrochene Bäume...

 

 

 

Ein weiterer durch Wilfried oder Thomas gebrochener Baum zwischen Kleinschirma - Freiberg...

 

Zuletzt noch das Video zum Sturmereignis:

 

(externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=bChC1sJo9l4)

 

© Michel Oelschlägel

Datum: 1. Mai 2017

                  

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