Das Unwetterjahr 2007 in Sachsen und im Erzgebirge, ein Rückblick...

 

Anders als die beiden vergangenen Winter 2004/2005 und 2005/2006 sollte der diesjährige Winter nicht durch gewaltige Schneemassen auf sich aufmerksam machen, sondern durch wiederholte, stürmische Westlagen. Bereits die letzten Tage des Vorjahres waren geprägt von zyklonaler Aktivität, wobei Orkan Karla und Orkan Lotte für einen turbulenten Jahreswechsel in Europa sorgten. Die teils gewittrige Kaltfront von Orkan Lotte überquerte am Morgen des 1.1.07 nach einer stürmischen Sylvesternacht den Osten der Bundesrepublik. Gegen 8:00 Uhr überquerte sie den Landkreis Aue-Schwarzenberg im Westerzgebirge. Hier gab es in Verbindung mit der Passage schwere Sturmböen bis Bft. 10, mancherorts wurde auch Bft. 11 erreicht. Zudem gab es starken Regen und Graupel. Auch im weiteren Tagesverlauf gab es weitere Schauer, wobei gegen Mittag ein kleines Gewitter den südlichen Landkreis heimsuchte. Durch einen Blitzschlag in die Flugüberwachungsstation auf dem 1018 m hohen Auersberg bei Johanngeorgenstadt wurde dabei der Feueralarm ausgelöst. Gegen 18:15 Uhr zog noch ein gewittriges Niederschlagsgebiet durch, wobei erneut Starkregen und Graupel auftrat, dieser aber im weiteren Verlauf in Schneefall überging. Damit endete der erste Tag des neuen Jahres sehr vielversprechend...

 

Graue Wolken und Graupelschauerschauer ziehen übers Land...

 

Wieder interessant wurde es am 11.1.07. An diesem Tag beeinflusste Orkan Franz weite Teile Deutschlands. An der Küste und in den Höhenlagen des Harzes und Erzgebirges wurden orkanartige Böen, teils auch Orkanböen erreicht. Es gab auch im Erzgebirge Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume.

 

Die Sturmentwicklungen in diesem Winter gipfelten mit der Entwicklung eines neuen Sturmtiefs am 16.1.07 südlich von Grönland. 2 Tage später sollte daraus der schwere Orkan Kyrill entstehen und ganz Deutschland beeinflussen. Die Passage des Orkanwirbels am 18.1. war verbunden mit einem ausgeprägten Warmsektororkan - wobei die Temperatur durch die advehierte Warmluft in Deutschland verbreitet bei 10-15 °C lag - dem eine extrem wetteraktive Kaltfront folgte. An dieser wurden die 850er Werte von bis zu 100 kt heruntergemischt. Wie in den anderen deutschen Mittelgebirgen gab es im Erzgebirge und im gesamten Vorland bereits ab den frühen Nachmittagsstunden erste Orkanböen im Warmsektor, welche am Abend im Flachland bis zu 140 km/h, im Bergland bis 200 km/h erreichten.

 

Orkanböen im Warmsektor von Kyrill

 

Mit Passage der gewittrigen Kaltfront, welche gegen 21 Uhr quer über Sachsen lag, frischte der Orkan nochmals auf, teilweise gab es nun Mittelwinde um Bft. 10-12 und wesentlich höhere Böen. Auch im Flachland gab es an ihr Fallwinde bis über 200 km/h, ebenso zahlreiche Tornadoverdachtsfälle, wobei die 3 F3-Tornados in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zu erwähnen sind! Beachtenswert war auch die Gewitteraktivität, wobei die Blitzraten vor allem in Ostsachsen teilweise an ordentliche Sommergewitter erinnerten, ebenso die an der Front erreichten Niederschlagsintensitäten. Nicht selten war auch Hagel dabei.

 

Kaltfrontpassage (links vor, rechts während des Durchzugs)

 

Auch ab Mitternacht war die Sache noch nicht ausgestanden, der hereinschwenkende Trog verursachte in destabilisierter, eingeflossener Kaltluft weiterhin Orkanböen bis ins Tiefland. Erst ab 4 Uhr wurden die Böen in Sachsen deutlich schwächer, erreichten aber auch am kommenden Tag weiterhin noch Bft 10, auf dem Fichtelberg auch darüber.

 

Die Schäden, die Orkan Kyrill im Erzgebirge, in Sachsen sowie deutschlandweit und in Europa angerichtet hat, waren verheerend. Deutschland war neben England, Belgien, Holland, Polen und Tschechien am stärksten betroffen. Allein in der Bundesrepublik wird der Gesamtschaden nach neusten Erhebungen auf über 3,5 Mrd. Euro geschätzt, europaweit auf 6-8 Mrd. Euro. Deutschlandweit sind ca. 37 Millionen Festmeter Bruchholz angefallen, darunter in NRW 16 Millionen Festmeter, in Hessen 7 Millionen Festmeter, in Thüringen 2,4 Millionen Festmeter, in Sachsen 1,7 Millionen Festmeter und in Bayern 4 Millionen Festmeter (Quelle: Sachsenforst, AFZ, Bayrische Forstverwaltung). In Sachsen-Anhalt, Baden-Württhemberg, Brandenburg und Niedersachsen wurden jeweils mind. 1 Million Festmeter Bruchholz angegeben. Damit sind diese Schäden mit Orkan Lothar (26.12.1999) vergleichbar und beide gelten demnach als die verheerendsten Orkanlagen der jüngeren Forstgeschichte. Erstmals in der Geschichte musste die Bahn durch Kyrill bundesweit ihren Zugverkehr einstellen, Hundertausende waren ohne Strom, viele sogar über mehrere Tage.

 

 

 

Sturmschäden in den mittleren Lagen des Erzgebirges

 

Einige besonders interessante Bruchmuster...

 

Einige weitere, aber wieder schwächere Stürme folgten Orkan Kyrill noch im Laufe des Januars, erwähnt sei hier der schwere Sturm Lancelott am 20.1.07, welcher in Sachsen nochmals orkanartige Böen verursachte, unter anderem auch in Chemnitz.

 

Erst am 24.1.-26.1.07 zeigte sich die Witterung erstmals wieder winterlich und der Jahreszeit entsprechend. Das Tief Malte brachte aus dem Mittelmeerraum sehr feuchte Luft nach Deutschland. Ähnlich einer VB-Lage wurde dieser Niederschlag um den Tiefkern herum gegen das Erzgebirge und die Alpen gedrückt, wodurch es in Bayern und Sachsen ergiebig schneite. In 24 h fielen dabei im Erzgebirgsvorland bis zu 20 cm Neuschnee, im Erzgebirge 30-40 cm. Auch in den folgenden Tagen gab es mit einigen Schauern nochmals kräftige Schneefälle.

 

 

Ergiebige Schneefälle im Januar

 

Lange hielt diese winterliche Witterung jedoch nicht an, bereits Ende Januar wurde es wieder wärmer, der Februar fiel ebenso zu warm aus, besondere Wettererscheinungen brachte er für Sachsen und das Erzgebirge nicht hervor.

 

Auch der März und April waren geprägt von milder Witterung, wobei es Richtung April immer trockener wurde. Der April war bereits frühsommerlich warm und trocken, sodass die Waldbrandstufen bereits verbreitet in Sachsen auf 3-4 kletterten. Vielerorts fielen die Höhenfeuer Ende April wegen zu hoher Waldbrandgefahr aus.

 

Bereits im April beginnt die Kirschblüte...

 

Zugleich entstehen mit der Aufarbeitung des Bruchholzes durch Orkan Kyrill überall gewaltige Holzlager...

 

Der Mai begann ebenfalls erst sonnig und warm, später zyklonal geprägt, am 11.5. brachte der Sturm Ewald unter anderem im Erzgebirge einige Bäume zu Fall, da der Belaubungszustand bereits weit vorangeschritten war und die Laubbäume so eine größere Angriffsfläche aufwiesen.

 

 

 

Rapsblüte Anfang Mai

 

Ab dem 12.5. wurde es wieder wärmer und die ersten kräftigen Gewitter sollten am 13.5. erste Teile Westsachsens beeinflussen. Vor allem in der Nacht zum 14.5. gab es Richtung Westerzgebirge und Leipzig kräftige Gewitter, welche sich im Laufe der Nacht wieder abschwächten. Der 14.5. hielt eine markante Unwetterlage für Sachsen und Bayern bereit. In schwülwarmer Luft entwickelten sich ab dem späten Nachmittag einzelne Gewitterzellen, welche unwetterartig ausfielen. In Bayern gab es dabei eine LP-Superzelle, welche angeblich bis zu 8 cm große Hagelkörner hervorbrachte. In Sachsen bildete sich über dem Vogtland eine schwere Gewitterzelle, welche ebenfalls stark rechts ausscherte und bis nach Bautzen zog. Diese brachte neben heftigem Platzregen und Überschwemmungen verbreitet Hagel, meist um 1-2 cm, örtlich auch 3-4 cm im Durchmesser. Teilweise lag die "weiße Pracht" bis zu 10 cm hoch, beispielweise in Bischofswerda. Gelegentlich, wie bei Dresden oder Chemnitz, zeigte diese Gewitterzelle auch markante Strukturen, die den dringenden Verdacht auf eine Meso aufkommen lassen.

 

Eventuelle Superzelle zwischen Chemnitz und Dresden nahe Freiberg

 

Am Abend überrollte eine mächtige Squallline noch das gesamte Bundesland Sachsen und den Süden Brandenburgs. Diese Squallline verursachte verbreitet schwere Sturmböen, teils auch orkanartige Böen und Orkanböen. Zugleich gab es an ihr erneut heftige Niederschläge, teils auch gepaart mit kleinerem Hagel bis 1 cm.

 

Squallline mit Böenfront am Abend des 14. Mai

 

Der Mai beeindruckte auch weiterhin durch seine heftigen Gewitterlagen. Die nächste, wenngleich etwas überraschende Unwetterlage gab es am 22.5.07. An diesem Tag entwickelten sich unter anderem in Sachsen schwere Gewitter, welche mehr und mehr verclusterten und ein ausgeprägtes MCS bildeten. Beeindruckend waren die langanhaltenden, teils extremen Niederschläge, immer wieder verbunden mit Hagel meist um 1-1,5 cm, örtlich auch bis 3,5 cm! Vom Erzgebirge bis Richtung Hoyerswerda und Kamenz gab es durch die langsame Verlagerung dieser Zellen erhebliche Regenmengen, verbreitet zwischen 40-60 mm, in den Spitzen zwischen 70-110 mm! Es gab erhebliche Überschwemmungen, im Erzgebirge waren zahlreiche Straßen wegen Schlammlawinen und Erdrutschen blockiert, unzählige Keller liefen voll. In Olbernhau (Mittlerer Erzgebirgskreis) stand das Wasser bis zu 50 cm hoch in den Straßen. Zugleich waren diese Gewitter sehr blitzaktiv, im Landkreis Freiberg brande ein Gehöft nach Blitzschlag ab.

 

 

 

Unwetter am 22. Mai im Landkreis Freiberg (Erzgebirge)

 

Auch in den folgenden Tagen gab es oft teils kräftige Gewitter in Sachsen, vor allem Richtung Ostsachsen, Dresden und im Osterzgebirge. Auch diese verursachten teils größere Schäden, wie am 26.5.07 bei Müdisdorf im Landkreis Freiberg, wo eine Schlammlawine in das Dorf eindrang. Der Höhepunkt der Unwetterlage wurde für Sachsen am Pfingstsonntag, dem 27.5., erreicht. An diesem Tag bildete sich am Mittag eine Superzelle im Erzgebirge, welche vom Landkreis Annaberg über den Mittleren Erzgebirgskreis bis Freiberg und Dresden zog. Verbreitet gab es extreme Hagelschläge, meist um 2-4 cm, örtlich aber auch bis zu 7 cm im Durchmesser. Unter anderem gab es in Marienberg und Lichtenberg so beispielweise große Schäden an Fahrzeugen und Häusern durch Hagelkörner von 5-7 cm im Durchmesser. Beeindruckend waren aber auch die gefallenen Hagelmassen. Diese lagen teilweise bis zu 30 cm hoch, wie beispielsweise in Großhartmannsdorf (Landkreis Freiberg). Die schweren Hagelschläge und gefallenen Wassermassen sowie die erneut verursachten Schlammlawinen verursachten Millionenschäden im Erzgebirgsraum. Bei Dresden schwächte sich diese Zelle aber anschließend deutlich ab, wobei es dennoch in der Stadt zahlreiche Wasserschäden gab.

 

 

 

 

Superzelle mit Großhagel und Hagelmassen im Landkreis Freiberg am 27.5.07 (Fotos: Michael Popp)

 

Auch am Abend gab es in West- und Nordsachsen weitere, teils schwere Gewitter. Erst im Laufe der Nacht lies die Unwetteraktivität langsam nach.

 

Der Juni zeigte sich erneut teilweise sehr warm und teils gewittrig. Nennenswert kräftige Gewitter gab es am 10. und 15. des Monats. Die Intensitäten der Unwetter vom Mai wurden jedoch nicht erreicht.

 

Gewitter am 15. des Monats Juni

 

Mitte Juli gab es eine Hitzewelle mit Temperaturen um 35-37 °C in Sachsen. Am 16.7.07 war der Höhepunkt dieser Hitzewelle, wobei gegen Mittag im Westerzgebirge nacheinander orographisch 2 Gewitterzellen ausgelöst wurde. Beide waren recht blitzaktiv und bildeten nur zögerlich Niederschlag auf, was wohl auch an den sehr trockenen unteren Luftschichten lag. Dennoch gab es gegen Ende der Entwicklungen örtlich kräftigen Starkregen, teils auch kleinen Hagel bis 1 cm. Abkühlung brachten diese beiden Einzelzellen jedoch nicht...

 

Zelle 1 am 16.7.07

 

Zelle 2 am 16.7.07

 

Mit dem 19.7. ging die angesprochene Hitzewelle langsam zu Ende. Erste kräftige Gewitter tobten vor allem über Nordbayern, in Bayreuth richtete ein schwerer Gewittersturm erheblich Sachschäden an. Das Westerzgebirge wurde nur von auslaufenden Systemen gestreift, welche aber noch den ein oder anderen Blitz hervorbachten.

 

Blitz aus dem auslaufenden System am 19.7.

 

Einen Tag später, am 20.7., wurde die schwülheiße Luftmasse aus Deutschland ausgeräumt. Diese Vorgang war verknüpft mit verbreitet schweren Gewittern. In Sachsen bildete sich eine Squallline aus, welche am späten Nachmittag und Abend das Bundesland überquerte. Sie verursachte neben sehr starken Regenfällen an ihrer ausgeprägten Böenfront verbreitet Sturmböen, teils auch schwere und orkanartige Böen. Auf dem Fichtelberg gab es Orkanböen über 120 km/h. Durch den vielerorts noch trockenen Boden gab es teilweise beeindruckende Staubaufwirbelungen und Staubstürme. Einige Bäume und größere Äste hatten den Böen nichts entgegen zu setzen und wurden um- oder abgebrochen. Örtlich gab es auch einige Überschwemmungen durch den heftigen Starkregen. Zugleich war dieses System sehr blitzaktiv!

 

Extremer Naheinschlag am 20.7. bei Kesselsdorf (bei Dresden)

 

Der Beginn des Augustes war geprägt von einer VB-ähnlichen Lage in Mitteleuropa, sodass es zu teils ergiebigen Niederschlägen in weiten Teilen Deutschlands kam. Prägnant waren die in feuchtwarmer Luft ausgelösten Gewitter, welche zu erheblichen Schäden führten. Auch im Erzgebirge gab zahlreiche, teils schwere Gewitter. Derartige unwetterartige Gewitter gab es an diesen Tagen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen, Tschechien, Slowenien und Kroatien. Da ich mit in dieser Zeit gerade im Urlaub auf der Insel Cres in Kroatien befand, konnte ich dort am 9.8. im Rahmen eines schweren Gewitters 2 Tornados (Wasserhosen) beobachten. Ab halb 7 am Morgen konnte ich von der Küste aus beobachten, wie ein entstehendes, multizelluläres System Richtung Festland zog und dabei immer wieder in meine Richtung anbaute.

 

Entstehende Multizelle in Kroatien - angestrahlt von der aufgehenden Sonne

 

Ständige Neubildungen an der Südflanke

 

Gegen 10 Uhr bildeten sich kurz vor Cres erneut neue Aufwindbereiche aus, diesmal aber entstanden auch 2 Tornados, wobei sich einer davon sehr gut weiterentwickelte und vollständig auskondensieren konnte. Dieser schien auch sehr kräftig zu sein, da das Wasser hunderte Meter hoch emporgewirbelt wurde. Zugleich wurden diese neuen Zellen immer blitzaktiver, gleichzeitig begann weiter nördlich Niederschlag auszufallen. Die grünliche Farbe des Niederschlagsvorhanges deute auf nichts Gutes hin.

 

Tornado + Blitz (links) und weitere kräftige Entladung (rechts)

 

 

 

Tornado!

 

Nach etwa 12 Minuten schwächte sich der Tornado wieder ab, der schwächere 2. Tornado verlor bereits Minuten vorher seinen Bodenkontakt. Gegen 10:30 Uhr überquerte das Gewittersystem die Hafenstadt Mali Losinj mit orkanartigen Böen, sehr starken und sturmgepeitschten Platzregen und kleinen Hagelkörnern um 1 cm. Nach 10 Minuten lies das Unwetter rasch nach und zog ab. Teilweise standen die Straßen nun bis zu 20 cm hoch unter Wasser.

 

 

tobendes Unwetter in Kroatien

 

Während es nach dem Unwetter und einigen weiteren Schauern im Verlaufe der nächsten Tage wieder schöner und wärmer wurde, gab es in Deutschland weiterhin immer wieder ergiebige Niederschläge. Teilweise gab es in Folge der andauernden Niederschläge auch einige markante Hochwassersituationen, wobei Sachsen hier kaum betroffen war. Gegen Mitte des Monats wurde erneut feucht-warme Mittelmeerluft herangeführt. Es gab so unter anderem am 22.8. im Erzgebirgsraum und im südlichen und östlichen Sachsen einige, teils starke Gewitter. Diese führten zu Überschwemmungen, unter anderem in den Städten Geyer und Ehrenfriedersdorf im Landkreis Annaberg.

 

 

Gewitter gab es am 22.8. auch am Erzgebirgskamm

 

Der Abend war aber bereits recht kühlt, wobei sich die tagsüber gebildeten Gewitter in klarer, kühler Abendluft rasch abschwächten.

 

 

Regenbogen und zusammenfallende Schauer und Gewitter am Abend

 

Der Höhepunkt der Gewitterserie Mitte August war der 23.8.07. Ein Tief über Mitteleuropa lenkte weiterhin schwülwarme Luft nach Mitteleuropa. Bereits am frühen Morgen des 23.8. gab es von Bayern heranziehend im Erzgebirge erste kräftige Gewitter, welche teilweise sehr blitzaktiv waren, aber kaum den Sprung über den Erzgebirgskamm schafften.

 

 

 

Blitze des morgentlichen Gewitters

 

Über Baden-Württhemberg hatte sich unterdessen ein Gewittercluster gebildet, an dessen rechter Flanke eine starke Gewitterzelle auf sich aufmerksam machte. Möglicherweise handelte es sich hierbei bereits um eine Superzelle, zumindest deuteten die ausdauernd hohen Reflektivitäten und das rechtswärts gerichtete Abwandern darauf hin. Nach einigen weiteren schwachen Zellen über Südwestsachsen erreichte dieser Cluster aus BW gegen 11 Uhr die Grenze zu Thüringen und Sachsen. Allerdings hatte sich das System schon erheblich abgeschwächt, die Superzelle an der Südostflanke war bereits über Nordbayern "verendet". Allerdings bildeten sich nun am Erzgebirgskamm an dieser Flanke neue Zellen aus, wobei eine einzelne Zellstruktur daraus herausragte. Diese Zelle entwickelte sich in den kommenden Stunden zu einer starken Superzelle, welche nicht wie die anderen Gewitter Richtung Norden zog, sondern nach Osten ausscherte und dabei über das Erzgebirge und dessen Vorland bis nach Polen hinein wanderte. Die Lebensdauer betrug also gute 5 h! Auf ihrem Weg nach Osten verursachte sie extreme Niederschläge mit erheblichen Überschwemmungen und großen Schlammlawinen, Hagel von bis zu 7 cm Durchmesser und teils schwere bis orkanartige Sturmböen. Die Schäden durch Wasser und Hagel gingen weit in die Millionen, unter anderem wurden Ehrenfriedersdorf und Venusberg von Schlammlawinen verwüstet. Auch gab es mehrere Tornadoverdachtsfälle und Funnelsichtungen sowie ein gewaltiges Hook-Echo zu vermelden.

 

 

 

 

 

Hagelunwetter durch Superzelle bei Grünhain am 23.8.07

 

Der September startete anfangs recht kühl, ein paar Graupelgewitter am 5. des Monats brachten sogar mit einem Temperatursturz die ersten Schneeflocken in den mittleren und höheren Erzgebirgslagen hervor. Auf dem Fichtelberg konnte man sogar die erste geschlossene Schneedecke beobachten! Ab der Monatsmitte wurde es wieder deutlich wärmer und sonnig. Erst gegen Monatsende wurde es zunehmend kühler.

 

Altweibersommer Mitte September - hier das Wahrzeichen der Stadt Schwarzenberg, Schloss und Kirche

 

Im Oktober wurde es dann merklich kühler, aber auch recht trocken. Erst ab der 2. Monatshälfte gab es wieder nenneswerte Niederschlagsmengen.

 

Im November gab es schließlich den ersten nennenswerten Wintereinbruch im Erzgebirge. Am 9.11. und in den folgenden Tagen beeinflusste das Sturmtief Tilo Mitteleuropa. Während es an der Nordsee neben Orkanböen bis 140 km/h sogar eine nennenswerte Sturmflut gab, fiel im Erzgebirge nach der Passage einer gewittrigen Kaltfront oberhalb von 500 m Schnee. Allein am 10.11. schneite es fast 12 h lang ohne Unterbrechung, wobei in den mittleren Lagen des Erzgebirges 10-15 cm zusammen kamen. Mit weiteren Schneefällen in den folgenden Tagen lagen so insgesamt verbreitet 20-25 cm in den mittleren und bis zu 40 cm Schnee in den höheren Lagen des Erzgebirges, in den höchsten Kammlagen wie auf dem Fichtelberg noch weit mehr. Dieser Schnee war allerdings vor allem < 800 m sehr nass und schwer, wodurch es auch die ersten Schneebrüche gab.

 

 

Schneefälle am 10.11.07

 

Bis Mitte Dezember taute der Großteil des Schnees in den tieferen und mittleren Lagen aber wieder ab. Ursache war das erneute Einstellen einer milderen und teils stürmischen Westwetterlage.

 

Ab Mitte Dezember bis Ende des Jahres 2007 dominierte eine ausgedehnte Hochdrucklage. Anfangs war diese geprägt von tristem Hochnebel und kalten Temperaturen. Im Laufe des Dezembers sank die Hochnebelgrenze immer weiter ab. In den Hochlagen des Erzgebirges wurde es dadurch immer wärmer, während in den tieferen Regionen durch den Hochnebel ganztags die Temperaturen im Dauerfrostbereich blieben. Durch diese Inversion gab es teilweise herrliche Raureifanlagerungen in den Nebelgebieten zu beobachten, während oberhalb der Inversionsschicht klares und sonniges Wetter auf sich aufmerksam machte. Die Nächte waren allerdings durchweg frostig kalt, immer wieder bildete sich Nebel und Reif.

 

 

 

Frostige, klare Nächte, teils mit Nebelbildung

 

 

 

 

Eiskalter Morgen in glasklarer Luft

 

 

 

Blicke vom Fichtelberg bei strahlendem Sonnenschein und glasklarem Wetter - im Egergraben (erstes Bild) herrscht dichter Nebel

 

Damit endet auch das Wetterjahr 2007, wenngleich am 30.12. und 31.12. wieder leichte Schneefälle zu beobachten waren und die Hochdrucklage mehr und mehr ihren Einfluss verlor. Doch was lässt sich zum zurückliegenden Jahr zusammenfassend sagen? Die Saison 2007 - eingeführt gleich durch einen "Paukenschlag", nämlich dem schweren Orkan Kyrill, welcher vielerorts fast historische Forst- und immense Sachschäden verursachte, gefolgt von einem außerordentlich schneearmen Hochwinter und einem sehr warmen und trockenen Frühjahr. Bereits die erste Hälfte des Jahres war etwas Außergewöhnliches. Doch auch die Gewittersaison lies keine "Wünsche" offen, wenngleich sie in Sachsen ungemein schadensträchtig ausfiel. Vor allem seien hier nochmals die markanten Superzellen am 27.5. und 23.8. erwähnt, welche allein schon Millionenschäden anrichteten, aber auch die extremen Regenmengen des 22.5.07. Nichtsdestotrotz liegt ein mehr als spannendes und zugleich sehr abwechslungsreiches Jahr hinter uns, welches uns einmal wieder gezeigt hat, wie einzigartig, aber auch wie gewaltig die Vorgänge in unserer Atmosphäre sein können...

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 25. Mai 2017

                  

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