Das Unwetterjahr 2005, ein Rückblick...

 

Das Jahr 2005 war wettertechnisch ein unvergessliches Wetterjahr. Im Erzgebirge war es allerdings auch die schadensträchtigste Saison seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Eingeleitet wurde das Jahr 2005 durch das kräftiges Sturm- und Orkantief Erwin am 8.1.2005. Vor allen Norddeutschland, England, Dänemark und Schweden leideten unter der Wucht dieses Sturmwirbels. Kennzeichnend war wohl auch der für Januar außergewöhnliche Warmlufteinbruch, verursacht durch die weit augetriebene Warmfront von Orkan Erwin. Im Erzgebirge gab es verbreitet Sturm- und Schwere Sturmböen, oberhalb von 800 m Bft 11-12. Auf dem Fichtelberg wurden 144 km/h registriert. Die Schäden im Umfeld der Mittelgebirge waren allerdings relativ gering, einige Bäume hielten dem Sturm jedoch nicht stand.

 

Wolkengrenze bei Frontdurchgang

 

Ab dem 24.1.05 setzten in Folge von Tief Lutz, welches von Norden her nach Deutschland hineinzog, starke Schneefälle ein. In den folgenden 48 h fielen im mittleren Erzgebirge verbreitet 45-50 cm Pulverschnee. Schlimmer noch war jedoch das folgende Unwettertief Michael am 31.1.-2.2.05. Dieses brachte mit einer nordwestlichen Strömungsrichtung leicht milder Luft nach Mitteleuropa, sodass in den Tieflagen kräftiger Regen einsetzte und die dort zuvor entstandene Schneedecke wieder abtaute. Oberhalb von 400 m fiel jedoch heftiger Nassschneefall. Innerhalb von nur 12 h fielen 30 cm schwerer Nassschnee, nach kurzer Beruhigung bei Annäherung einer markanten Kaltfront mit eingelagerten Wintergewittern nochmals 15 cm innerhalb von nur 30 Minuten! Das war der heftigste Schneefall in Verbindung eines Gewitters, den ich je erlebt habe. Die Gesamtneuschneehöhe betrug also gut 40-50 cm (Nassschnee). Dazu kommen noch zusammengesackten 30 cm von Tief Lutz, ingesamt also 80 cm, welche jedoch in den Folgetagen aufgrund des hohen Eigengewichtes auf 70 cm zusammensank. Die Schäden dieses Nassschneefalls waren bereits erheblich! 30.000 Festmeter Bruchholz im Landkreis Aue-Schwarzenberg, 20.000 Festmeter im Vogtland. Mehrere Dächer wurden beschädigt, das Dach einer Einkaufsfiliale in Beierfeld (ASZ) brach sogar teilweise ein.

 

heftiger Schneefall

 

heftiger Schneefall

 

Schneemassen

 

Schneeberge in Bernsbach

 

 Schneebruch

 

Schneebruch

 

Die schönen Seiten des Winters...

 

Am 12.2. näherte sich Orkantief Ulf, welches einen deutlichen Temperaturanstieg zur Folge hatte. Die hohen Temperaturen und der Sturm/Regen verursachten heftiges Tauwetter, unterhalb von 500 m taute die Schneedecke vollständig ab, auf 700 m reduzierte sich die 70 cm hohe Schneedecke auf 10 cm. Dieses Tauwetter blieb nicht ohne Folgen, vor allem kleinere Bäche traten massiv über ihr Flussbett, unzählige Keller und Straßen wurden überschwemmt. Dazu kam noch der kräftige Sturm, gegen Abend wurden mit Durchzug einer gewittrigen Kaltfront sogar Böen von Bft 11-12 in der Erzgebirgsregion erreicht.

 

Überschwemmungen nach Tauwetter

 

Im weiteren Verlauf des Februar gab es immer wieder kräftige Schneefälle, sodass die Schneedecke nochmals auf gut 60-70 cm heraufkletterte. Unbedingt erwähnenswert ist das abschließende "Highlight" des andauernden Winters am 11.3.05. Sturmtief Gerhard zog über Deutschland, sein Sturmfeld beeinflusste vorrangig die deutschen Mittelgebirge. Bereits tagsüber gab es schwere Schneeverwehungen bei Böen von Bft 6-8, gegen 17 Uhr nahm der Wind schließlich rasant zu und erreichte in Böen Bft 10 im mittleren Erzgebige. Zusammen mit der bereits vorhandenen Schneedecke und neu einsetzenden Schneefällen gab es die schlimmsten Schneeverwehungen des Winters, verbreitet gab es Schneeverwehungen von über 2 m! Die Sicht lag dabei bei höchstens 5 m! Der Verkehr brach im gesamten Erzgebirge zusammen, mehrere Landkreise riefen folglich Katastrophenalarm aus, da zahlreiche Fahrzeuge auf den Straßen im meterhohen Schnee feststeckten und sich die Fahrer aus eigener Kraft nicht mehr befreien konnten. Die Lage spitzte sich nachts mit Annäherung einer gewittrigen Kaltfront, welche massive Schneefälle mit sich brachte, nochmals zu. Am nächtem Morgen war so gut wie keine Straße im mittleren und oberen Bergland des Erzgebirges mehr befahrbar. Es dauerte Tage, bis die letzten Straßen wieder freigefräst werden konnten. Das Sturmtief brachte zu den 60-70 cm Altschnee nochmals ca. 30-40 cm Neuschnee. Es waren die größten Schneemassen seit 10 Jahren in vielen Regionen des Erzgebirges!

 

starke Schneeverwehungen am Nachmittag

 

starke Schneeverwehungen am Nachmittag

 

 totaler "white out" auf der Verbindungsstrecke Grünhain - Bernsbach gegen Abend

 

 Schneefräsen versuchen, die Straßen frei zu halten

 

meterhoher Schnee im Sonnenschein am 12.3.

 

Vom 12.3.-19.3. setzte dann schließlich immer intensiveres Tauwetter ein. In der Nacht zum 19.3. kamen kräftige Regenfälle dazu, was zu einem starken Pegelanstieg der Flüsse führte. Zahlreiche Flüsse in Westsachsen erreichten Meldestufe 3, die Zschopau sogar 4! Wieder gab es massive Überschwemmungen, es war das erste größere Hochwasser seit der Flut 2002.

 

Hochwasser des Schwarzwassers in Schwarzenberg

 

Ab Mai konnten schließlich die ersten nennenswerten Sommergewitter verzeichnet werden. Allerdings blieb es meist bei kräftigem Regen und einigen Entladungen, einzelne kleinkörnige Hagelfälle traten auf. Das erste schwere Gewitter gab es am 21./22.6.05. Ein MCS zog von Thüringen und Hessen nach Sachsen und führte zu einem unvergesslichen Feuerwerk, welches gut 5 h anhielt. Die Blitzrate lag teilweise bei 30-40 Blitzen pro Minute. Die Begleiterscheinungen der Gewitter waren jedoch für Sachsen nicht relevant, Niederschlag oder Sturmböen gab es kaum.

 

Blitzentladungen und Naheinschlag (letztes Bild)

 

Das erste unwetterartige Schwergewitter ereignete sich am 25.6.05. Bereits gegen 12 Uhr war es mit 29.7 °C sehr schwül, überall im Erzgebrige schossen Gewittertürme in die Höhe. Eine recht unscheinbare Zelle entwickelte sich dabei genau über meinem Standort und machte sich plötzlich mit lauten Naheinschlägen bemerkbar. Wenige Minuten später intensivierte sich der Niederschlag dieser kleinen, aber heftigen Zelle, bis schließlich ein "Wet-Downburst" mit heftigstem Starkregen und schwankender Sicht um 10-50 m, Hagel bis 2 cm und Sturmböen bis Bft 9 einsetzte. Innerhalb von 3-4 Minuten fielen 10 mm Regen, davon 6 mm in 1 min! Neben einigen Hagelschäden an der Vegetation liefen in der Region mehrere Keller voll, eine Straße im Nachbarort Beierfeld wurde massiv überflutet. Allerdings war der Hagelsturm nur eng begrenzt, also nur die Orte Bernsbach (mein Wohnort), Beierfeld und Grünhain betroffen.

 

Cumulonimbus über Zwickauer Land

 

 erste Blitze aus der relativ unscheinbare Zelle

 

Hagelsturm

 

Die Gewittersaison 2005 gipfelte hier schließlich am 29.7.05. Die schwersten Unwetter seit Jahrzehnten haben in Sachsen gewütet, teilweise waren es die schlimmsten Unwetterfolgen seit Aufzeichnungsbeginn. Prägend war eine sehr gefährliche LP-Superzelle am späten Nachmittag über dem Erzgebirgsvorland, welche Hagelkörner von bis zu 11 cm Durchmesser produzierte und damit schwere Schäden verursachte! Gegen 23.15 Uhr näherte sich dann noch eine Squallline von Südwesten, welche ein schweres Orkanunwetter im Erzgebirge verursachte - vor allem das Westerzgebrige wurde mit beängstigender Gewalt getroffen. Orkanböen und Downbursts von bis zu 200 km/h (hervorgegangen aus den Schadensanalysen --> T4-Schaden) sowie mehrere recht wahrscheinliche Tornadoereignisse (dort bis T5-Schaden) mit mehr oder weniger erhärtenden Argumenten waren die Folge dieser Unwetternacht. Dazu gab es verbreitet heftigsten Starkregen mit bis zu 100 mm in 24 h. Die Schäden allgemein gehen weit in die Millionen, die Forstschäden summieren sich in den Landkreisen Aue-Schwarzenberg (160.000 Festmeter Bruchholz), Annaberg (70.000 Festmeter Bruchholz) und Vogtland (30.000 Festmeter) zu insgesamt 260.000 Festmetern Wurfholz. Am schlimmsten wurde der Landkreis Aue-Schwarzenberg getroffen, dort wurden zudem zahlreiche Dächer (darunter 600 Quadratmeter des Daches vom Klinikum Erlabrunn) abgedeckt und zahllose Autos durch umherfliegende Trümmer und umstürzende Bäume schwer beschädigt.

 

 

LP-Superzelle gegen 18:45 Uhr

 

Panorama der ausgebildeten Wallcloud, rechts im Bild der Niederschlagsbereich mit dem Extremhagel

 

Blitzentladungen an der extremen Squallline gegen 23:30 Uhr

 

Schwerste Forstschäden

 

Folgend gab es im August nur wenige Gewitter, wobei eines am 22.8.05 noch recht intensiv ausfiel und 28 mm Niederschlag mit sich brachte. Der Herbst verlief allgemein sehr ruhig und sonnig, herausragende Wetterereignisse gab es also nicht.

 

Am 16. Dezember 2005 bildete sich schließlich der kräftige Orkan Dorian, welcher als der schlimmste Wintersturm seit Jeanette 2002 in Erscheinung trat. Bei verbreiteten Orkanböen oberhalb von 500 m mit 120-130 km/h, oberhalb von 800 m auch 140 - 180 km/h, wurden wieder stärkere Sturmschäden im Erzgebirge verursacht. Auch hier gehen die Schäden wieder in die Millionen, zahllose Bäume wurden entwurzelt und Dächer abgedeckt. Im Landkreis Aue-Schwarzenberg fielen 30.000 Festmeter Forst dem Orkan zum Opfer. Dazu gab es im folgenden noch Neuschneemengen von 30-40 cm in 48 h im mittleren Bergland, in den höheren Lagen auch um 50 cm!

 

Schneemassen nach Dorian in Johanngeorgenstadt

 

Sturmschaden

 

Damit endet ein sehr ereignisreiches Jahr 2005, welches leider auch ein riesiges Schadensausmaß verursacht hat. Selbst heute (6.1.06) sind noch mehrere Wälder gesperrt, da die enormen Sturmschäden noch nicht annäherend beräumt sind. Soweit zum Jahr 2005. Die vollständigen Bilderberichte zu den Unwetterereignissen findet man entsprechend unter den verschiedenen Kategorien auf dieser Homepage bzw. unter den in diesem Bericht angegebenen orangefarbenen Links.

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 29. März 2017

                  

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