Das Wetterjahr 2009, ein Rückblick...

 

Hinweis zu Beginn: Links zu expliziten Berichten von im Jahresrückblick genannten Ereignissen sind durch eine orange Schriftfarbe gekennzeichnet! Zum Bericht gelangen Sie durch das Anklicken dieser orange markierten Schlagwörter.

 

Tief winterlich präsentierten sich die ersten Wochen des Jahres 2009 im Erzgebirge. Am 4. Januar setzten aus Nordwesten langanhaltende Schneefälle durch Tief Akai in Sachsen ein, welche sich auf der Nordseite des Erzgebirges abstauten. Im Erzgebirge fielen dabei auf knapp über 600 m >30 cm Pulverschnee binnen 24 h, auf 700 m schon um 40 cm.

 

3. Januar 2009, noch herrscht sonniges, aber kaltes Wetter

 

Nach dem Schneefällen am 4.1.

 

In den folgenden Tagen ab dem 6. Januar beeinflusste Hoch Angelika den mitteleuropäischen Raum. Dabei wurde es sehr kalt über der Mitte Deutschlands. Die Tageshöchswerte überschritten nicht die - 10°C-Grenze, nachts wurden vielerorts unter - 20 °C gemessen, direkt am Boden sogar knapp unter - 30 °C.

 

Temperaturen unter -10°C durch Hoch Angelika

 

Mitte Januar wurde es wieder milder, zeitweise gab es Tauwetter. Vor allem Tief Joris brachte ab dem 23. Januar Föhnsturm und milde Temperaturen, sodass sich bis in den Februar nur noch weniger Zentimeter Schnee halten konnten.

 

Der 11. Februar leitete eine tiefwinterliche Episode ein. Tief Quinten brachte neben bis zu 20 cm Neuschnee in 24 h auch teils schwere Sturmböen in den mittleren Lagen, was zu erheblichen Verwehungen führte. Das Winterwetter aus zeitweise Schneefall und auch sonnigen Abschnitten blieb auch in den Folgewochen erhalten.

 

15.2., nach den Schneefällen von Tief Quinten

 

Durch starke Schneefälle von Tief Ture am 16. Februar oder Volker am 20. Februar wurde auf etwa 600 m bis zum 21. Februar eine Gesamtschneehöhe von 45-50 cm erreicht. 

 

Nach Tief Ture am 16.2.

 

Vor dem Tauwetter durch Tief Wulfdieter

 

Am 22.2. setzte im Rahmen von Tief Wulfdieter kurzzeitig Tauwetter und Regen ein, wodurch die Schneedecke zusammen sackte. Am Folgetag, dem 23.2., ging der Regen wieder in starken Schneefall über. Allerdings war der Schnee sehr nass, binnen 8 h fielen 15-16 cm sehr schwerer Nassschnee auf einer Höhenlage von knapp über 600 m. Die Gesamtschneehöhe lag dort nun wieder bei 50 cm. In den Kammlagen fielen 20-25 mm Niederschlag in 12 h, in 24 h > 30 mm als Schnee, teils Nassschnee. Dort kamen um die 45-50 cm Neuschnee in 24 h zusammen.

 

15 cm Nassschnee am 23.2. auf etwa 600 m

 

Die Hochlagen versinken im Schnee...

 

Auf einer Höhenlage von etwa 700 m gab es durch den Nassschneefall und folgende Nebellagen mit Reifbildung oder kurzen Tauperioden verheerenden Schneebruch. Erst Ende Februar/Anfang März entschärfte sich diese Lage durch anhaltendes Tauwetter wieder.

 

 

 

Schneebruch um Grünhain herum auf etwa 700 Höhenmetern

 

Das Tauwetter blieb bis zum 8. März bestehen, bevor wieder Schneefall und Graupelschauer im Erzgebirge dominierten. Vor allem am 11. März gab es nochmals starke Schneefälle mit 10 cm in 8 h auf 600 Höhenmetern. Nach diesem kurzen Intermezzo prägte wieder mildes Wetter das Geschehen, sodass die Schneedecke auch in den Kammlagen immer weiter abbaute. Am 23.3. brachte die Kaltfront von Tief Herbert nochmal einen kurzen Winterrückfall und läutete zugleich die Gewittersaison 2009 ein. Mit Blitz und Donner sowie Sturm, heftigem Regen oder Graupel ging die Kaltfrontpassage einher. Am folgenden Tag gab es heftige Schneeschauer bis in die tiefen Lagen, bevor mit dem April auch frühlingshaft mildes Wetter Einzug hielt.

 

 

einsetzendes Tauwetter Anfang März

 

Schnee- und Graupelschauer am 9.3.

 

farbenfroher Sonnenuntergang nach den Schneefällen am 11.3.

 

Der April war meist mild und freundlich, brachte aber auch nennenswerte Gewitter mit sich. Gerade am 8. April gab es in Sachsen vermehrt Gewitter mit Starkregen und kleinem Hagel, besonders aber am 30. April. Im Erzgebirge ereigneten sich in der Nacht zum 1. Mai kräftigere Gewitter mit teils kirschgroßem Hagel. Erwähnenswert ist noch eine Dauerregenlage am 17. April, wo verbreitet 30-50 Liter binnen 24 h im Westerzgebirge fielen.

 

 

Mitte April, die Natur erwacht...

 

 

kräftige Gewitter in der Nacht zum 1. Mai

 

Der Mai war meist auch sehr freundlich und hielt einige konvektive Überraschungen bereit, wie am 8. Mai des Jahres, wo es sehr fotogene Gewitter gab.

 

Blütenmeer Anfang Mai

 

 

Gewitter am 8. Mai

 

Auch am 21. und 22. des Monats gab es Gewitter, diesmal auch recht kräftige Ereignisse. Am 21.5. gab es in Mittelsachsen eine Superzelle mit Hagel bis 3 cm. Höhepunkt der konvektiven Aktivität im Monat Mai war der 26. des Monats. Gegen Mittag gab es in Sachsen, vor allem vom Osterzgebirge bis nach Dresden heftige Gewitter mit Wokenbrüchen und Hagel, der örtlich bis 4 cm im Durchmesser erreichte. Gegen Abend zog ein MCS von Tschechien herein, welches vor allem in Ostsachsen noch gewittrig durchsetzt war. In 24 h fielen im Osterzgebirge teils über 100 Liter auf den Quadratmeter.

 

 

 

Schwere Gewitter am 26.5.

 

Der Mai endete deutlich kühler und leitete einen meist ebenso kühlen Juni ein. Gerade Anfang Juni lagen die Tageshöchstwerte bei zeitweiligem Regen unter 10°C. Freundlicher wurde nach kaltem Schauerwetter Mitte des Monats, gleichzeitig nahm die Gewitterneigung zu. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang eine Superzelle am 15. des Monats. Auch am 16. gab es kräftige Gewitterschauer, teils mit Hagel bis 1,5 cm. Wechselhaft sowie mit Schauern und einigen Kaltluftgewittern ging es auch weiter. So gab es ein Hagelgewitter am 21. Juni mit Hageldecken bis 5 cm Höhe.

 

kurzzeitig freundliches Wetter Mitte Juni

 

 

Superzelle am 15.6.

 

Erst Ende des Monats gelangte schwül-warme Luft über Polen nach Deutschland. In dieser explosiven Luftmasse bildeten sich am 30. Juni erste heftige Gewitter, welche in der windschwachen Luftmasse nahezu stationär blieben und somit nicht selten Überschwemmungen nach sich zogen, wie in Chemnitz-Klaffenbach, wo in kurzer Zeit über 50 mm fielen.

 

Diese Unwettersituation blieb auch Anfang Juli erhalten. So gab es am 1. und 2. des Monats in Sachsen verbreitet heftige Gewitter mit erheblichen Überschwemmungen. Gerade am 2. Juli war auch das Erzgebirgsvorland von Gelenau, Flöha, Brand-Erbisdorf bis Dresden betroffen, wo es teils verheerende Schäden durch Schlammlawinen und Überschwemmungen gab. Recht verbreitet fielen in diesem Gebiet 50-70 mm in 1 h, das Meiste bereits binnen 30 min. In Dresden allein gab es bei Feuerwehr und Polizei gut 170 Einsätze. In Gelenau und Dittersdorf gab es Millionenschäden durch Schlammlawinen, teils dramatische Szenen prägten das Bild an diesem Tag.

 

  

Entladungen aus Gewittern am 1. Juli

 

 

Unwetter mit Starkregen und Überschemmungen am 2. Juli im Westerzgebirge

 

 

 

Unwetterfolgen Osterzgebirge am 2. Juli

 

Am 3. und 4. Juli gab es weitere Gewitter, welche aber nicht mehr ganz so folgenreich ausfielen. Erwähnenswert ist die Bildung einer Wasserhose über einer Talsperre im Grenzgebiet zu Tschechien.

 

Juli im Erzgebirge

 

Weitere Gewitter traten am 17. des Monats auf, wo heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel einhergingen. In der Nacht zum 18. griff ein MCS von Tschechien auf Sachsen über. Am 23. überquerte Sachsen eine konvektive Linie, welche mit heftigen Böen einherging. Vor allem in Ostsachsen wurden Sturmschäden durch Böen >=Bft. 11 gemeldet. Über Polen und Tschechien etablierte sich daraus eine markante Squallline mit verbreiteten Sturmschäden. Ende des Monats dominierte in Höhenkaltluft wieder Schauerwetter.

 

Gewitter am 17. Juli

 

Wechselhaftes, aber warmes Wetter prägte auch im August das Wetter in Sachsen. Oft bildeten sich auch kräftige Gewitter, wie am 2., 11. und vor allem gegen Monatsmitte am 16. und 17. August. Gerade die Gewitter Mitte August waren sehr blitzaktiv und örtlich von Sturmböen und größerem Hagel begleitet. Erwähnenswert ist eine verdächtige Zelle über der Mitte Sachsens am 17.8., welche vom Altenburger Land nach Sachsen hinein bis nach Dresden zog. Neben Sturmschäden wurden aus dieser Zelle Hagelkörner bis 4 cm gemeldet.

 

 

Sommerlich warmes Wetter Anfang August, zeitweise melden sich aber auch Gewitter zu Wort...

 

Gewitter am 2.8.

 

 

Gewitter 16.8.

 

 

Gewitter 17.8.

 

Weitere heftige Gewitter gab es am 25. des Monats, wo vor allem der heftige Starkregen im Bereich Annaberg und Richtung Freiberg einige Schäden nach sich zog. Am 26. gab es erneut gewittrigen Starkregen, welcher im Zwickauer Land für erhebliche Schäden sorgte.

 

Starkregen durch Gewitter am 25.8.

 

gewittriger Starkregen Richtung Zwickau am 26.8.

 

Sonnenuntergang am 26.8., nach dem Starkregen

 

Am 1. September stiegen die Temperaturen auf über 30°C, bevor abends erneut einige Gewitter in Sachsen und Thüringen auftraten. Der September selbst war meist angenehm sonnig und warm, schönstes Spätsommerwetter also. Gegen Ende des Monats nahm die Regenneigung wieder zu, aber dennoch dominierten warme, freundliche Abschnitte das Wettergeschehen. Auch die Neigung für Frühnebel nahm immer weiter zu, ein deutliches Zeichen für den Herbst...

 

 

Gewitter am 1.9.

 

 

 

 

 

Facetten des sommerlichen Septembers

 

morgentlicher Nebel zeigt aber bereits den Trend in den Herbst

 

Drastisch änderte sich das Wetter erst Mitte Oktober. Am 15.10. setzten bereits am Morgen starke Schneefälle in Sachsen ein. In nur 12 h fielen auf etwa 400 m 8-12 cm Neuschnee im Osterzgebirge. Durch die noch stark belaubten Bäume gab es im Osterzgebirge teils massiven Schneebruch. In den höheren Lagen fiel meist feinster Pulverschnee, gerade um Zinnwald gab es binnen 36 h > 40 cm Neuschnee. Teils mit kurzen Tauwetterperioden, teils mit kräftigen Schneefall ging es bis zum 18. des Monats weiter, bevor es langsam wieder milder wurde. Nachfröste blieben aber weiterhin ein Thema. Der Oktober endete sonnig, aber kalt.

 

 

 

Schneefälle und Schneebruch Mitte Oktober

 

starker Schneefall auf dem Fichtelberg am 16.10.

 

 

Tauwetter am 18.10.

 

31. Oktober, sonniger Tag nach frostiger Nacht

 

Der November startete recht nass und grau. Nennenswert war eine Sturmlage am 22.11. durch Tief Ludwig, wo es Sturm- und einige schwere Sturmböen auch im Vorland des Erzgebirges gab. Auf dem Fichtelberg wurden orkanartige Böen gemessen. Ende November herrschte mildes Föhnwetter im Erzgebirge, der 1. Advent startete bei 10-15 °C ungewöhnlich mild.

 

Sonnenuntergang am Tag vor Sturmtief Ludwig am 21.11.

 

Während der Dezemberbeginn noch recht mild ausfiel, schlug die Witterung ab dem 11. Dezember schlagartig um. So lagen am 10.12. die Temperaturen im Erzgebirge noch verbreitet um 6-7 °C. 2 Tage später fanden sich die Tageshöchstwerte im Frostbereich wieder. Zeitweise Eisregen, zeitweise auch Schneefall kennzeichneten diese Tage Mitte Dezember. Auf etwa 700 m erreichte die Schneedecke etwa 10-12 cm Höhe, zugleich waren hier Bäume und Sträucher von einer 1-2 cm dicken Eisschicht überzogen. Ab dem 18.12. sanken die Temperaturen in den Keller. Gegen 15 Uhr wurden im Erzgebirge und im Vorland verbreitet Temperaturen von -14 bis -17 °C gemessen. Die Tiefswerte fielen in der Nacht zum 19. auf teils unter -20 °C. Auch am 19.12. stiegen die Tageshöchstwerte nicht über -10°C. Erst ab dem 22. wurde es wieder deutlich milder.

 

 

vereiste Bäume am 16.12.

 

Bilder vom 19.12., Rauhreif, Schnee und Eis an den Bäumen

 

Am 22. führte föhniger Südwestwind zu raschem Tauwetter. Am 23. gab es allerdings noch einige Zentimeter Neuschnee, welche sich am 24.12. trotz Tauwetter noch halten konnten und für eine weiße Weihnacht sorgten, zumindest oberhalb von 500-600 m. In den Folgetagen taute aber auch diese Restschneedecke komplett weg.

 

Schloss der Stadt Schwarzenberg, aufgenommen 3 Tage vor Weihnachten

 

Am 29.12. brachte eine Warmfront im Erzgebirge am Abend erst heftigen Schneefall, sodass verbreitet in 2 h etwa 5 cm fielen. Später ging der Schnee in Eisregen über, gegen Morgen dann in teils kräftigen Regen, sodass erneut Tauwetter einsetzte. Mit teils regnerischem Wetter, teils dichtem Nebel endete das Jahr 2009 im Erzgebirge.

 

 

Sylvester 2009 war nicht selten geprägt von dichtem Nebel

 

Fazit: Das Jahr 2009 wurde nach einem schneereichen Winter von oft warmen, aber schauer- und gewitterträchtigem Wetter dominiert. Troglagen kennzeichneten den Monat Juni, sodass oft kaltes Schauerwetter vorherrschte. Mit langanhaltend ruhigem und sommerliches Wetter glänzte dieses Jahr der September, im Gegensatz zu 2008, wo dieser Monat bereits ungewöhnlich kalt und frostreich ausfiel. Neben zahlreichen Gewittern gab es auch einige Unwetterereignisse, wobei hier vor allem die Lage Anfang Juli zu nennen ist. Schadensträchtig für den hiesigen Forst waren vor allem der verheerende Schneebruch Ende Februar 2009 als auch der Schneebruch am Laubbestand Mitte Oktober 2009. Extreme Hagelereignisse mit Hageldecken oder Korngrößen > 4 cm blieben dieses Jahr in Sachsen aus.

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 25. Mai 2017

                  

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