Das Unwetterjahr 2006, ein Rückblick...

 

Wie auch im Jahr 2005 wurde die Saison 2006 durch teils extreme Schneefälle eingeleitet. Vor allem in den höheren Lagen der Mittelgebirge gab es erhebliche Schneemassen, welche sich durch fehlende Tauwettereinlagen in diesen Höhenlagen bis Ende März halten und aufschichten konnten. Die ersten großen Schneemengen dieser Schneemassen stammten noch von Orkantief Dorian aus dem vorhergegangenen Jahr (16.12.05 und Folgetage).

 

Der Januar verlief sehr ruhig. Dauernebel und Inversionswetterlagen dominierten in Sachsen. So durchbrachen erstmals am 14.1.06 erste Sonnenstrahlen die dichte Nebelschicht, welche seit gut einer Woche das Wetter in Sachsen bestimmt hatte. Auf dem Fichtelberg (1214 m) hatte sich im Zuge des Nebels eine wunderschöne Eislandschaft entwickeln können.

 

 

 

Eisskulpturen auf dem 1214 m hohen Fichtelberg am 14.1.06

 

Einen weiteren großen Neuschneezuwachs erfuhren die Mittelgebirge und auch der Bayrische Wald vom 7.2.-11.2.06. Bis zum 9.2. gab es vor allem im Tiefland von Sachsen kurzzeitig erhebliches Tauwetter und Überschwemmungen durch das herannahende Tief Oili, vor allem der Raum Dresden war hiervon betroffen. Am 9.2.06 gingen die Niederschläge jedoch auch im Flachland wieder in kräftigen Schneefall über. Diese Schneefälle hielten etwa 48 h lang an, wobei es oberhalb von 600 m im Erzgebirge zu Neuschneehöhen von 50-70 cm, im Erzgebirgsvorland von 20-50 cm kommen konnte. Vor allem zu Beginn der Schneefälle war der gefallene Schnee auch recht nass, sodass sich auch durch fehlenden Wind gegen Ende des Ereignisses erhebliche Schneemassen auf den Dächern ablagern konnten. Feuerwehren waren im Erzgebirge tagelang beschäftigt, Krankenhäuser und Kaufhallen von den Schneemassen zu befreien, viele Dächer wurden beschädigt oder brachen gar in sich zusammen.

 

 

heftige Schneefälle in Bernsbach (650 m)

 

In Johanngeorgenstadt (892m) lag bis dahin eine Schneehöhe von 90 cm. Hauptsächlichen Anteil an dieser Schneehöhe hatte Orkan Dorian vom 16.-19.12.05 mit 60 cm. Nun aber kamen vom 7.2.-11.2.06 50-70 cm Neuschnee dazu, sodass die neue Schneehöhe bei 140-160 cm lag. Einige Häuser waren schon meterhoch eingeschaufelt worden, doch es sollte noch mehr Schnee dazukommen...

 

 

Schneemassen in Johanngeorgenstadt (892m) am 11.2.06

 

Der restliche Monat Februar verlief aber erstmal recht ruhig. Immer wieder schneite es, ab und an gab es auch Tauwetter. Die Schneedecke sackte zudem unter anderem durch ihr Eigengewicht etwas in sich zusammen, was zu einer Verringerung der Schneehöhe führte. Dafür war der Wasseräquivanlent dieser verdichteten Schneeschicht sehr hoch. Am 6. März gab es unter anderem sehr kräftige Schneeschauer und sogar ein Wintergewitter.

 

 

 

Wintergewitter am 6.3.06

 

Am 11.3. begann es erneut sehr kräftig zu schneien. Unwetterschneetief Christine, welches zuvor im Norden Deutschlands für erhebliche Neuschneemengen gesorgt hatte, brachte im Stau der Mittelgebirge erhebliche Neuschneemengen. Vom 11.3. bis 12.3. fielen auf 650 Höhenmetern in 24 h ca. 50 cm Neuschnee, welcher teils stark verweht wurde und für erhebliche Behinderungen sorgte. Die Gesamtschneehöhe lag auf 650 Höhenmetern bei 80-90 cm und erreichte ihren Höhepunkt für diesen Winter.

 

bis zu 50 cm Neuschnee in 24 h vom 11.3.-12.3 in Bernsbach (650 m) - Gesamtschneehöhe 80-90 cm

 

In Johanngeorgenstadt (892m) konnte man eine mittlerweile über 2 m hohe Schneedecke messen. Häuser waren bis zu den Dächern eingeschneit, einige Schneeberge in der Innenstadt türmten sich auf 4 m Höhe!

 

2 m Schnee (bis 4 m hohe Schneeberge) in Johanngeorgenstadt (892m) nach den heftigen Schneefällen vom 11.3.-12.3.

 

Deutliches Tauwetter setzte erst ab dem 25.3. ein. Da glücklicherweise stärkere Regenfälle ausblieben, taute die Schneedecke nur langsam ab, wodurch ein starkes Tauhochwasser in den Erzgebirgsbächen- und Flüssen ausblieb. Dennoch erreichten viele Flüsse Hochwasserwarnstufe 2-3 und es traten Überschwemmungen auf. Außnahme war hierbei jedoch die Elbe. Da auch in den tschechischen Gebirgslagen allerhand Schnee abtaute, schwoll die Elbe erheblich an und erreichte die höchste Hochwasserwarntufe 4. Am 1. April erreichte die Elbe einen Wasserstand von 720 cm (normal sind 2 m, im August 2002 waren es 950 cm), 2 Tage später sogar 750 cm. Die sehr lange Scheitelwelle hielt über 10 Tage lang den Pegel bei über 7 m in Dresden. Vielerorts traten erhebliche Überschwemmungen auf, es gab wieder viele Schäden.

 

 

Das Elbhochwasser in Dresden...

 

Die ersten nennenswerten Gewitter traten in Sachsen am 16.5.06 auf. Meist waren es Multizellen mit heftigem Platzregen und kleinem Hagel. Am 20.5.06 überquerte eine heftige Squallline die Mitte Deutschland von West nach Ost und verursachte auch in Sachsen verbreitet Böen von Bft 9-11, teils auch Bft 12 und einige Tornadoverdachtsfälle. Örtlich gab es größere Sturmschäden, vor allem Dresden war hiervon stärker betroffen.

 

 

Squalllinepassage am 20.5.06

 

Am dem 9.6. wurde es deutlich wärmer als in den Vorwochen, die Temperaturen erreichten bald die 30°-Marke. So gab es nun auch immer wieder kräftige Gewitter. Am 15.6.06 bildete sich über dem Westerzgebirge ein kräftiges Wärmegewitter mit bis zu 2,5 cm großem Hagel.

 

 

heftiges Wärmegewitter am 15.6.06

 

Ein sehr schadensträchtiger Unwettertag folgte schließlich am 16.6.06 in Sachsen. Mehrere Superzellen bildeten sich im Tageverlauf und verursachten erhebliche Hagelschläge. Vor allem in Leipzig verursachte eine Superzelle gegen 19:30 Uhr ein schweres Hagelunwetter mit bis zu 7 cm großen Hagelkörnern. Die Schäden waren in einem solchen Ballungsraum entsprechend hoch. Doch auch im Erzgebirge gab es an diesem Tag von 14:00-16:30 Uhr ein heftiges Unwetter in Verbindung mit einer HP-Superzelle. Sie verursachte örtlich 4-5 cm großen Hagel, welcher auch entsprechende Schäden verursachte. Zudem gab es einen ausgedehnten und sehr intensiven Hagelkern mit Wolkenbruch und verbreitet Hagel > 2 cm. Teils fielen bis zu 80 mm in 45 Minuten (höchste Regenmenge des Tages durch nur eine Zelle), was im Osterzgebirge zu erhebliche Überschwemmungen führte. Vor allem die Stadt Olbernhau (Mittlerer Erzgebirgskreis) war hiervon betroffen. Die Hagelschicht lag teilsweise bei bis zu 15 cm, vor allem im Raum Marienberg. Dort gab es auch Sturmschäden durch den RFD.

 

 

 

 

 

HP-Superzelle am 16.6.06 im Osterzgebirge

 

weitere Quellungen und Schwergewitter gab es auch am Nachmittag

 

Der Juni brachte auch in den folgenden Tagen mehrere, teils schwere Gewitterereignisse hervor. Am 19.6. überquerte eine Squallline Sachsen mit heftigen Platzregen und Sturmböen, teils auch Böen bis Bft. 11. In Freiberg und Umgebung gab es anschließend Überschwemmungen, Gullideckel wurden von den Wassermassen ausgehoben.

 

 

Böenfront und Auswirkungen der Squallline vom 19.6.06

 

Am 20.6.06 bildete sich eine sehr blitzintensive Multizelle im Erzgebirge und zog Richtung Dresden. Örtlich gab es auch hier kleinere Überschwemmungen.

 

 

Blitze über Dresden am 20.6.06

 

Am 21.6.06 bildeten sich mehrere kräftige, kleine Zellen über ganz Sachsen und verursachten örtlich Hagel bis 3 cm. Eine verdächtige Zelle bildete sich unter anderem Richtung Mittweida. Diese Zelle zeigte durchaus Superzellstrukturen.

 

 

Zellbildungen und "verdächtige" Strukturen (rechtes Bild) am 21.6.06

 

Ein weiterer Höhepunkt der Gewitteraktivität folgte am 27.6.06. Nachdem Sachsen in den letzten Tagen von Unwettern im Westen der Republik verschont blieb, wurde es heute von einer starken Squallline überquert, welche zunehmend zu einem MCS verclusterte. Diese Squallline verursachte teils extreme Regenmengen von bis zu 60-70 mm in 30 Minuten, verbreitet Böen von Bft 8-11, örtlich auch bis 130 km/h. Auch 2 Tornados konnten beobachtet werden, wobei einer bei Dippoldiswalde und einer südlich des Fichtelberges auf tschechischem Gebiet Schaden verursachte. Bemerkenswert waren die zahlreichen Naheinschläge in Verbindung mit diesem Unwetter. Zahlreiche Hausbrände waren die Folge, ebenso teils erhebliche Überschwemmungen. Die Schäden gingen weit in die Millionen, Einsatzkräfte waren stundenlang im Dauereinsatz.

 

 

 

 

 

 

Schweres Unwetter am 27.6.06

 

Deutliche Abkühlung brachten diese Gewitter jedoch selten. Der Juli fiel noch wärmer aus als der Juni, teilweise gab es rekordverdächtige Temperaturen von über 35 °C. Dafür gab es im Juli nur wenige Gewitter. Ein nennenswerter Gewittertag war der 6.7.06. Bereits am Tage bildeten sich mehrere verdächtige Systeme (Mesos) am Erzgebirgskam, es gab teilsweise Schäden durch Blitzschlag, Überschwemmungen und Sturmböen. Gegen 23 Uhr bildete sich eine sehr starke Gewitterzelle über der Region Döbeln und Mittweida. Diese verursachte neben einem unbeschreiblichen Blitzfeuerwerk extreme Niederschlagsmengen aufgrund ihrer sehr langsamen Verlagerung. Die A 14 bei Döbeln stand daraufhin 1 m unter Wasser, viele Gemeinden in der Umgebung meldeten ebenso "Land unter".

 

 

Blitze über dem Erzgebirgskamm am Nachmittag des 6.7.06

 

 

 

Schwere Nachtgewitter am 6.7.06

 

Am 8. Juli konnte ich gegen 20:15 Uhr im Bereich einer kleinen gewittrigen Schauerzelle einen Funnel beobachten, der sich über dem Landkreis Annaberg gebildet hatte. Rotation war vorhanden, doch löste er sich recht rasch wieder auf.

 

 

 

Funnel am 8. Juli 06

 

Der Juli verlief anschließend bis zum 23.7.06 sehr ruhig und heiß. Aufgrund der Trockenheit gab es einige Flächenbrände und erhebliche Dürreschäden in der Vegetation. Erst am 23.7.06 gab es wieder erhöhe Gewitteraktivität im Erzgebirge zu vermelden. Mehrere kräftige Wärmegewitter verursachten örtliche Sturzfluten, ebenso in den folgenden Tagen.

 

Wärmegewitter über dem Landkreis Annaberg am 23.7.06

 

Der August begann erstmals seit Wochen sehr kühl und regnerisch. Allerdings war der folgende Landregen für die Vergetation dringend notwenig. Der ganze August war dominierend kühl und gegen Ende des Monats bildeten sich in Höhenkaltluft einige heftige Schauer und Gewitter, örtlich mit Platzregen und kleinem Hagel. Beispielsweise gab es am 29.8.06 im Raum Schwarzenberg ein Hagelgewitter mit bis zu 1 cm großen und dichten Hagelschlag.

 

 

Hagelgewitter am 29.8.06

 

Der September begann wiederrum recht warm, am 7.9. bildete sich eine Superzelle über Thüringen, welche im Osterzgebirge Hagel bis 4 cm verursachte sowie schweren Sturm, wodurch die Schadenswirkung des Hagels noch erhöht wurde. Allerdings war der Extremhagelkern nur sehr eng begrenzt, sodass sich die Schäden in Grenzen hielten.

 

Der restliche Monat September und der Oktober verlief sehr sonnig und warm. Erst Anfang November gab es einige Schauer und kurze Gewitter. In Verbindung mit Sturmtief Britta am 1. November gab es sogar ein kurzes Winterintermezzo im Erzgebirge und dessen Vorland. Am 9.11. folgte ein kurzes Graupel- und Hagelgewitter im Bereich Freiberg. Die folgenden Wochen bis 8. Dezember verliefen wieder sehr ruhig und teils deutlich zu warm!

 


Alles in allem kann man von einer durchschnittlichen Unwettersaison sprechen. Erheblich waren wieder die massiven Schneemassen zu Beginn des Jahres, ähnlich wie auch beim vorhergegangenen Winter. Die höchste Schneedecke wurde auch wieder im März gemessen. Gewittertechnisch fiel die Saison recht gut aus, es gab zahlreiche Gewitterereignisse. Neben mehreren schweren Gewittern gab es 2 herausragende Unwettertage, dem 16.6.06 und dem 27.6.06. An beiden Tagen verursachten Gewitter Millionenschäden in Sachsen. Ein überregionales, extremes Schadensereignis wie im Vorjahr (29.7.05) bleib dieses Jahr (2006)jedoch aus. Neben mehreren deutlichen Superzelle am 16.6.06 (Superzelle bei Leipzig und bei Gera, HP-Superzelle im Osterzgebirge) gab es auch einige Verdachtsfälle auf kurze Mesozyklonen, wie am 27.6.06 innerhalb der Squallline und bei den vorgelagerten Zellen oder am 21.6.06 bei einigen Zellen Richtung Mittweida und südlich von Dresden. Auch am 6.7.06 könnten Mesos beteiligt gewesen sein. Typische Superzellen würde ich aber bei diesen Fällen meist! ausschließen.


 

Zu den meisten hier aufgeführten Ereignissen existieren noch umfangreiche Bilderberichte. Beachten Sie dazu die im Text orange hinterlegten Links.

 

© Michel Oelschlägel

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Datum: 17. Dezember 2017

                  

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